Down Under - again!

Ein australisches Abenteuer

Seit 20 Jahren bereist der Moderator und Naturfilmer den fünften Kontinent. Das raue, weite Land mit dem lebensfeindlichen, trockenen Klima und der weltweit höchsten Ansammlung giftiger Tierarten lockt und fasziniert ihn immer wieder. Hier berichtet Dirk Steffens von einer nicht ganz adrenalinfreien Begegnung mit einer Giftschlange.

Dirk Steffens hebt eine Todesotter mit dem Stock in die Höhe
Dirk Steffens hebt eine Todesotter mit dem Stock in die Höhe Quelle: ZDF

Die Todesotter ist gerade ziemlich schlecht drauf. Könnte natürlich daran liegen, dass ich ihr vorhin aus Versehen auf den Schwanz getreten bin. Das war ungeschickt, zugegeben. Aber ich musste das Vieh schließlich auch ungefähr zwanzigmal umsetzen, bis Kameramann Oliver Roetz endlich mit den Positionen von Schlange und Moderator zufrieden war. Dabei kann so was schon mal passieren. Zum Glück hat's aber keiner gesehen. Die Schlange kann es niemandem erzählen. Und ich will nicht. Würde nur wieder Ärger geben. Also bleibt der unbeabsichtigte Tritt ein Geheimnis zwischen ihr und mir, und nur ich weiß, warum sie ständig böse zischt.

Träge, aber tödlich

Hinter meinem Stock bin ich aber sicher, denn Todesottern haben beim Zuschlagen nur ungefähr die Reichweite einer halben Körperlänge. Und da dieses Exemplar nur einen knappen Meter misst, kann ich ungefährdet ganz nah ran. Beachtet man den Mindestabstand, droht keinerlei Gefahr, weil die Todesotter zwar schnell zuschlagen, aber nur ganz langsam kriechen kann. Setzt sie sich in Bewegung, bleibt mir immer genug Zeit, um wieder auf Distanz zu gehen.


Ihre Trägheit ist ihrer Jagdtechnik geschuldet: Sie ist ein erstklassig getarnter Lauerjäger, wartet geduldig und bewegungslos, oft viele Tage lang, bis ein Opfer so nah herankommt, dass sie es mit einem Biss erledigen kann. Genau diese Taktik macht diese Ottern für Menschen so gefährlich. Während alle anderen Schlangen flüchten, sobald sie die Erschütterungen spüren, die große Tiere - auch zweibeinige - beim Laufen verursachen, bleiben diese Viecher im Vertrauen auf ihre Tarnung und mangels Fluchtgeschwindigkeit einfach liegen. Deshalb tritt verhältnismäßig häufig jemand drauf und gibt es auch verhältnismäßig viele Opfer.

Für Notfälle gerüstet

Dass "Down Under" durchschnittlich nur etwa fünf Menschen pro Jahr an den Folgen von Schlangenbissen sterben, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen sind die meisten Australier Begegnungen mit Gifttieren gewohnt. Und zweitens gibt es ein dichtes Netz medizinischer Notfallstationen, in denen Antiseren bereitgehalten werden. Weltweit, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation, sterben jährlich bis zu 100.000 Menschen durch Schlangenbisse. Dass es in Australien nur fünf sind, obwohl es nirgendwo sonst so viele so giftige Arten gibt, zeigt, wie segensreich eine moderne Infrastruktur sein kann.

Entnahme von Schlangengift
Entnahme von Schlangengift Quelle: reuters

Schon mindestens ein Dutzend Mal war ich in Australien. Meistens zum Filmen, manchmal zum Urlauben. In den Flitterwochen war ich dort, und auch für ein mehrmonatiges Sabbatical. Die Sache mit den Gifttieren war und ist dabei ständig Thema. Ich musste auf meinen Reisen schon vor Taipanen weglaufen, bin über eine Braunschlange gestolpert, habe hochgiftige Trichternetzspinnen aus dem Gepäck geschüttelt, fingerte Würfelquallen - die giftigsten Tiere der Welt! - mit spitzen Fingern aus dem Wasser, quetschte Agakröten ihr milchiges Sekret aus den Rückendrüsen. Blauringkraken habe ich mit Gummihandschuhen eingesammelt, Todesottern und Rotfeuerfische eigenhändig gemolken, und ich bin wochenlang mit feuerrot-geschwollenem Gesicht rumgelaufen, weil eine mikroskopisch kleine Ameise es so wollte. Das einzige toxische Säugetier der Welt, das Schnabeltier, lebt natürlich auch in Australien. Gefühlt ist da unten einfach alles total giftig.

Kuscheln mit Kängurus

Tatsächlich findet sich nirgendwo sonst auf unserem Planeten eine so eindrucksvolle Konzentration von Gifttieren. Warum ist das so? Warum haben ausgerechnet dort so viele Tierarten so tödliche Waffen entwickelt? Die Antwort ist verknüpft mit der isolierten Lage und dem extremen Klima des Kontinentes. Nur Arten, die extrem effizient töten können, haben in diesem rauen Land, in dem es nur wenig Beute gibt, überhaupt eine Chance.

Dirk Steffens hält ein in einen Stoffbeutel gewickeltes Känguru-Baby im Arm
Dirk Steffens mit Känguru-Baby Quelle: ZDF

Natürlich haben wir auf unserer Drehreise nicht nur fiese Tiere mit langen Zähnen oder giftigen Stacheln besucht. Wir haben auch gekuschelt. Mit Kängurubabys auf einer Aufzuchtstation im Outback, mit Tasmanischen Teufeln, die trotz ihres fiesen Namens richtig nett sein können, mit Kamelen, die inzwischen unglaublicherweise sogar von Australien nach Saudi-Arabien exportiert werden sollen. Wir sind in fahrbaren Haikäfigen durch die Unterwasserwelt geschippert, haben Wasser in der Wüste gefunden, nach Gold gesucht und uns gefragt, wieso die britische Kolonialverwaltung 1789 ein Schiff mit Prostituierten zur Rettung der australischen Kolonie entsandte. Diese Vielfältigkeit, die Wildtiere, die großartigen Landschaften und die unglaublichen Geschichten haben mich immer wieder nach Australien gelockt. Und schon morgen werde ich damit beginnen, die Redaktion zu nerven: Wir müssen wieder nach Australien! Dringend!

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