Drama in den Alpen

Zug der deutschen Kinder scheitert an der unerbittlichen Natur

Der Zug der deutschen Kinder bewegt sich an Straßburg und Freiburg vorbei. Noch herrscht Sommer, noch ist es warm. Siebenhundert Kilometer haben Rupert und seine Gefährten schon zurückgelegt. Aber jetzt kommen die Alpen.


Augenzeugenbericht Rupert: Es war das Gewaltigste was ich jemals sah: Das große Gebirge. Die Gipfel der Berge ragten bis in die Wolken und es schien uns, als würden ihre Wege und Pfade direkt in den Himmel führen

Schöfpung Gottes

Was empfindet ein Kind, wenn es aus der Tiefebene kommt und plötzlich vor Bergen steht, die den Himmel berühren? Es ist die Schöpfung jenes Gottes, in dessen Auftrag sie unterwegs sind. Noch ahnen sie nicht, dass sie auf dem Weg in ihr Verderben sind.




Bedeutet der Weg durch die Alpen den Weg ins himmlische Jerusalem? Der eisigen Kälte haben die Kinder bloß ihren Glauben entgegenzusetzen - keineswegs Stiefel und warme Kleidung. Ihr Feind, das ist Gottes Schöpfung selbst: die unerbittliche Natur.

In den Köpfen der Teufel




Augenzeugenbericht Rupert: Es wurde kälter und kälter. Die Kleinen legten sich nieder und starben einfach. Viele trugen immer noch ihre Sommerkleider am Leib. Hatten Lumpen um ihre Füße gewickelt. Der eisige Wind ging durch sie durch. Sie konnten nicht mehr, blieben stehen. Wir zählten nur die Schritte und am Ende verschwand alles wie unter einem weißen Tuch. Ich sah Kinder mit bloßen Füßen im eisigen Schnee, die Zehen schwarz wie Kohle. Jeden Tag starb ein kleines Stück von uns. Wir durchquerten eine weiße Hölle und in den Köpfen der Teufel, leg Dich nieder, sagte er, schlaf, Gott hat Dich vergessen. Und sie taten es.

Wissenschaftler vermuten, dass auf dieser Wegstrecke, fast jedes zweite Kind den Tod fand. Der kalte Weg ins Paradies - kann das Gottes Wille sein?

Enttäuschung und Aufruhr

Der deutsche Zug wird in den Alpen nahezu aufgerieben. Die französischen Kinder haben diese Hürde nicht zu meistern. Ihnen steht bei Marseilles die große Herausforderung noch bevor: Wird sich das Wasser des Mittelmeeres teilen? Ausgezehrt, erschöpft, am Leben gehalten nur durch die Aussicht auf das heilige Land, bricht für sie plötzlich eine Welt zusammen: Stephans Prophezeiung erfüllt sich nicht: Das Meer bleibt wie es ist. Still und ruhig. Kein himmlisches Zeichen, nicht der kleinste Hinweis. Auf die Enttäuschung folgt Aufruhr. Ist Stephan, ihr Prophet, bloß ein Scharlatan?



Er war es, der ihnen das Paradies auf Erden versprach, doch sie erlebten die Hölle. Sie glaubten Stephan und die meisten bezahlten dafür mit ihrem Leben. Auch Stephan, der kleine große Prophet, mag in dieser ausweglosen Situation seine Kraft verloren haben. War seine göttliche Vision womöglich ein Trugbild? Gab es gar keinen göttlichen Befehl? Alles teuflische Einbildung.

Warten auf das Wunder

Und auch die anderen fragen sich das. Nur eines könnte jetzt ihre Zweifel beheben. Ihnen den Glauben zurückgeben: Das verheißene Wunder, von dem Stefan ihnen immer gepredigt hat. Der Weg über das Meer, Gott soll ihn ebnen. Aber Wie? Stefan weiß, wenn jetzt nichts geschieht war ihr langer und mühevoller Weg vergebens, all die Entbehrungen, all die Qualen, all das Leid.

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