Dramatischer Schlussakt

Die Blutnacht von Eger

In Wien eskalieren die Ereignisse, als Piccolominis Denunziantenbrief eintrifft. Der Kaiser beruft eine Krisensitzung nach der anderen ein. Ferdinand erklärt Wallenstein zum Reichsrebellen.

Im Ächtungspatent beschuldigt er ihn der "meineidigen Treulosigkeit und barbarischen Tyrannei". Wallenstein plane, das Haus Österreich zu stürzen und müsse mit Waffengewalt unschädlich gemacht werden.

Kette von Aktionen

Das Urteil lässt der Kaiser in allen Reichsteilen bekannt machen. Zunächst sollte alles in strikter Geheimhaltung geschehen. Doch dann setzt der Kaiser eine ganze Kette von Aktionen in Gang. Er muss die Armee auf seine Seite ziehen. Wallenstein soll in Pilsen dingfest gemacht werden. Mit Prämien und persönlichen Sendschreiben schickt Ferdinand Kuriere in die Feldlager, um die Truppen für sich zu gewinnen. Mit der Verhaftung Wallensteins betraut er Octavio Piccolomini. Ein erst kürzlich entdecktes Dokument belegt die öffentliche Strategie des Kaisers.

In Zeitungen aus jenen Tagen kursieren wilde Spekulationen und Falschmeldungen über die undurchsichtigen Aktionen Wallensteins. Die Meldungen belegen die Nervosität, die in politischen Kreisen herrscht. Ein Bericht feiert seinen Übertritt zu den Evangelischen. Er habe sich "mit zwölf Regimentern vom Kaiser separiert, mit Piccolomini geschlagen und Hunderte erlegt".

Die letzte Parade scheitert

Nur soviel ist sicher: Zu Beginn hat der Krieg ihn zum heimlichen Kaiser gemacht. Und am Ende will er mit der Macht seines tausendköpfigen Heeres noch einmal seine Stärke demonstrieren. Noch glaubt er seine Armee hinter sich. Am Weißen Berg - dort wo mit einer großen Schlacht alles begann - will er seine Truppen zu einem Generalrendezvous versammeln. Doch die letzte Parade scheitert. Die Soldaten verweigern dem Generalissimus den Befehl. Dem Kaiser ist es gelungen, sie gegen Wallenstein zu verschwören. Als er von seiner Ächtung erfährt, begibt er sich mit seinen letzten Getreuen auf die Flucht. Er will Schutz bei den Sachsen suchen, seinen einstigen Gegnern.

Das böhmische Eger ist im Winter 1634 das letzte Quartier des legendären Feldherrn. Dort wartet der schwerkranke Kriegsherr auf Waffenhilfe durch seine früheren Feinde. Er schickt einen Kurier an den Kommandanten der Schweden - der Condottiere will die Fahnen wechseln. Doch niemand traut ihm mehr, zu tief hat er sich verirrt im undurchsichtigen Labyrinth seiner Verhandlungen. Gepeinigt von den Schmerzen seiner rätselhaften Krankheit sucht der gefallene General hier Schutz - gejagt von seinen Mördern.

Flehen um Gnade

Jeder Laut quält ihn - von draußen vernimmt er Stimmen und Schritte, die näher kommen. Wallenstein tritt ans Fenster, als die Mörder in sein Zimmer eindringen. Ahnt er, was kommt? Der Feldherr erbittet "Quartier" - das letzte Flehen des Soldaten um Gnade in der Schlacht. Das Todesurteil wird auf Befehl des Kaisers vollstreckt. Über die Schuldfrage streiten Historiker bis heute. Mit einer Partisane wird der vermeintliche Verräter erstochen.

Fast nichts ist geblieben vom Leben Wallensteins. Nur ein reich bestickter Spitzenkragen, der vom Standesbewusstein des Fürsten zeugt. Ein Paar Lederstiefel, mit denen er in die Schlacht gezogen sein mag. Bis heute zählt der große Feldherr zu den rätselhaftesten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. In Bergen von Akten über den Dreißigjährigen Krieg finden sich keine persönlichen Aufzeichnungen, kaum ein authentisches Fragment seines Denkens.

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