"Gefälscht" – das sagt sich so leicht

Drehbericht von Meike Hemschemeier und Nina Koshofer zum Terra X-Zweiteiler

Hinter wirklich guten Fälschungen verbergen sich immer raffinierte Ideen, zahllose Experimente und große handwerkliche Kenntnisse. Das mussten auch die Autorinnen Meike Hemschemeier und Nina Koshofer feststellen, als sie sich auf die Spuren der Fälscher begaben.

Wie ist es zum Beispiel Han van Meegeren gelungen, die Farben seiner Ölgemälde so schnell auszuhärten, dass die Sachverständigen an Jahrhunderte alte Kunstwerke glaubten? Benutzte er dafür einen Ofen, ein Bügeleisen oder gar einen Föhn? Leider gibt es außer seinen eigenen Äußerungen keine Belege, die für einen Ofen sprechen. Weder in seinen Villen in Frankreich noch in den Niederlanden fand man Überreste einer Feuerstelle, die die teilweise über zwei Meter breiten Bilder fassen konnte.

Der Nervenkitzel des verbotenen Handwerks

Zu langen Versuchsreihen in der privaten Küche führte die Frage: Wie zum Teufel entfernt man die Druckfarbe von einem Dollar-Schein? Ein beliebter Fälschertrick, mit dem Ziel, auf einen blanken Ein-Dollar-Schein einen Hundert-Dollar Schein aufzudrucken. Die Gebrauchsanweisung muss geheim bleiben, aber so viel darf verraten werden: Es ist erstaunlich, aus wie vielen aggressiven Haushaltsreinigern man auswählen kann und wozu manche hitzeerzeugenden Haushaltsgeräte gut sind. Jedenfalls konnten die Autorinnen im Zuge ihrer Recherchen nachvollziehen, dass es vielen Fälschern beileibe nicht nur ums Geld ging, sondern dass sie irgendwann der Ehrgeiz packte. So sagte der Dollarfälscher Jürgen Kuhl, der eine sechsjährige Haftstrafe verbüßt hat: "Ich glaube, ich werde mich noch im Sarg fragen, wie ich das Wasserzeichen besser hinbekommen hätte."

Das verbotene Handwerk, das war in jeder Sekunde bei den Dreharbeiten zu spüren, lässt die einstigen Fälscher nicht los. Jürgen Kuhl war sogar bereit, in den Szenen mitzuspielen – und zwar sich selbst. Beim Dollar-Drucken bekam er wieder feuchte Hände – nur die Sache mit dem SEK hat ihm weniger gut gefallen. Wie in der wahren Geschichte überwältigen ihn auch im Film echte Kräfte eines Sondereinsatzkommandos. Schwarz gekleidet, brüllend ergriffen sie Kuhl an Kopf und Nacken. Er ging in Sekundenbruchteilen zu Boden – so zeigte es später unsere Zeitlupe. Der intellektuell wirkende Kuhl mit seiner randlosen Brille brauchte einen Moment, um sich davon zu erholen. Dann sagte er tapfer: „Danke, die Herren, mein Halswirbel ist wieder drin.“

Kunstfälscher Myatt: "Harte Arbeit"

Auch der ehemalige Kunstfälscher John Myatt kann sich nach Jahren der "kriminellen Abstinenz" immer noch gut in Fälscher hineinfühlen: "Es ist auf jeden Fall Nervenkitzel dabei. Ich kann mich erinnern, als einige meiner Fälschungen an Christies in London für einen Haufen Geld verkauft wurden und ich mich selbst kneifen musste, das kann doch nicht wahr sein ..."

Auch wenn John Myatt durchaus noch Ideen für eine perfekte Fälschung hätte, kann er sich nicht vorstellen, rückfällig zu werden – nicht zuletzt aus Faulheit: "Ich will mich nicht damit rumschlagen, herauszufinden, welche Farben 1640 benutzt wurden. Es ist einfach harte Arbeit. Sich dann noch Lapis Lazuli besorgen, das zweimal so viel wie Gold kostet und es noch zu Pulver zu zermahlen, um daraus Farbe zu gewinnen. Nein!" Deshalb vertreibt er heute seine "Genuine Fakes", also "echte Fälschungen", ganz legal und dazu noch sehr erfolgreich.

Den Autorinnen ist es allerdings nicht gelungen, die gewonnenen Erkenntnisse entsprechend gewinnbringend einzusetzen. Aber vielleicht fehlt ihnen einfach die kriminelle Energie. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass sie Frauen sind, denn die sind im Fälschergewerbe nur sehr spärlich vertreten. Bisher ...

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