Drohende Umweltkatastrophe

61 Tonnen hochgiftiges Quecksilber lagern am Meeresgrund

Auf einem der modernsten Forschungsschiffe der Norwegischen Küstenwache begleitet der deutsche Ingenieur Wolfgang Lauenstein ein Team von Wissenschaftlern auf einer Inspektionsfahrt. Ziel ist das Wrack der U-864.

Das U-Boot-Wrack liegt unweit der norwegischen Insel Fedje auf dem Meeresboden. Hilfe bei der Begutachtung verspricht sich das Wissenschaftsteam auch von Dr. Eric Grove, einem renommierten britischen Marinehistoriker.

Explosion von ungeheurer Wucht

Das Sonar des Forschungsschiffs hat vor Hellisoy tatsächlich Wrackteile der U-864 aufgespürt. Mit Dr. Eric Grove diskutiert Wolfgang Lauenstein den Befund. Der Abstand zwischen der Einschlagstelle des Torpedos und dem Ballastkiel ist sehr groß. Man kann sehr deutlich sehen, dass das U-Boot in zwei Teile gerissen wurde. Und jedes Teil liegt an einer anderen Stelle. Auffällig ist dabei, dass eine Hälfte mehr als zehn Meter tief senkrecht im Schlamm steckt. Nur eine Explosion von ungeheurer Wucht kann das bewirkt haben.



Wolfgang Lauenstein berichtet den Wissenschaftlern an Bord der "Geobay" von der brisanten Fracht der U-864. Unter anderem verzeichnet die Ladeliste 1857 Flaschen mit Quecksilber, dass sind mehr als 60 Tonnen. Die hochgiftige Flüssigkeit war im Ballastkiel des U-Boots verstaut. Tritt das Quecksilber aus den verrosteten Flaschen, droht eine ökologische Katastrophe.


Bestandsaufnahme in 150 Metern Tiefe

Ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter soll den Forschern ein Bild von der Situation vor Ort übermitteln. Dazu dienen mehrere hochauflösende Kameras, die gleichmäßig verteilt am Gerät angebracht sind. Über einen Schacht gleitet der Roboter hinab zum Meeresgrund. Die Experten hoffen, nach der aufwändigen Aktion entscheiden zu können, welche Maßnahmen zum Schutz der Umwelt notwendig sind, denn in 150 Meter Tiefe droht tödliche Gefahr.


Im Kontrollraum der "Geobay" erhalten die Wissenschaftler die ersten Bilder vom Meeresboden. Nach und nach identifizieren die Forscher die einzelnen Bauteile der U-864. Dem massiven Stahlkörper haben die sechzig Jahre im Salzwasser schwer zugesetzt. Die Aufbauten sind von Meeresgetier völlig verkrustet. Das Zwanzig-Millimeter-Zwillingsgeschütz ist völlig verrostet, ebenso die mittlere Plattform. Die Bestandsaufnahme gibt Anlass zur Sorge. In welchem Zustand mögen erst die gusseisernen Flaschen mit dem Quecksilber sein?

Kontaminierter Schlick

Im Schlick entdecken die Männer ein Exemplar der hochgiftigen Hinterlassenschaft aus dem Zweiten Weltkrieg. Behutsam holt der Roboter das Objekt mit dem Quecksilber an die Wasseroberfläche. Zusätzlich nehmen sie Proben vom Sediment rund um das Wrack. Die Analyse des Materials soll zeigen, in welchem Umfang der Boden bereits kontaminiert ist.


Im AGR-Labor Bergen untersuchen Metallurgen die geborgene Flasche mit Quecksilber. Das Gusseisen ist porös und weist tiefe Risse auf. Ein erschreckender Zustand. Quecksilber wirkt selbst in geringen Dosen wie ein starkes Nervengift. Der Versuch zeigt, dass die Behälter schon bei wenig Druck auseinander brechen. Die Bodenproben ergeben, dass in zehn Gramm Sediment ein Gramm pures Quecksilber enthalten ist. Über die vielfache Überschreitung des Grenzwertes sind die Forscher aufs äußerste alarmiert. Das Meer vor der Insel Fedje ist auf Jahre hinaus mit dem Quecksilber verseucht.

Ein Fall für die Behörden

Die Ladung der U-864 ist ein Fall für die Behörden. Das norwegische Fischereiministerium hat für das Gebiet rund um das Wrack ein Fangverbot angeordnet. Doch damit ist das Problem keinesfalls gelöst. Eine Bergung des Wracks gilt als zu riskant. Die Regierung hat deshalb vorgeschlagen, die Reste der U-864 in einen Sarkophag zu hüllen. 300.000 Tonnen Sand, Stein oder Beton wären vonnöten, um die weitere Ausbreitung des Giftes zu verhindern und die Totenruhe zu schützen.

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