Duell in den Wolken

Der letzte Flug des kleinen Prinzen

Am 7. September 1998 holt der Fischer Jean-Claude Bianco ein glänzendes Armband aus dem Netz. Dieses Armband ist ein entscheidender Hinweis darauf, wo der seit über 50 Jahren verschollene Antoine de Saint-Exupéry seine letzte Ruhestätte gefunden haben könnte: an der südfranzösischen Küste vor der Ile de Riou bei Marseille.

Im Jahr 2008 ging eine sensationelle Meldung durch die Presse. Eines der letzten großen Rätsel des Zweiten Weltkriegs war gelöst: das spurlose Verschwinden des berühmten Autors ("Der kleine Prinz") und Piloten Antoine de Saint-Exupéry. Von Anfang an kannten die Spekulationen über Saint-Exupérys Schicksal keine Grenzen. 50 Jahre später findet sich die erste spektakuläre Spur: Ein Fischer vor Marseille hat das silberne Armband des Dichters in seinem Netz.

Ein großer Flugzeugfriedhof

Armband von Antoine de Saint-Exupéry Quelle: ZDF

Das Armband trägt die Aufschrift Antoine de Saint-Exupéry, und dahinter Consuelo - der Vorname seiner Ehefrau. Außerdem die Anschrift seines amerikanischen Verlages in New York an der Fourth Avenue. Doch Experten halten den Fundort für unmöglich und den Fischer für einen Lügner. Aber Luc Vanrell, ein erfahrener Tauchprofi, glaubt an die Geschichte. Er entdeckt ein Foto, auf dem Saint-Exupéry solch ein Armband trägt. Vanrells Tauchbasis ist nicht weit von der Ile de Riou entfernt. Seit dreißig Jahren taucht er in diesen Gewässern. Der Fund des Armbandes hat ihn elektrisiert. Die Ile de Riou ist eine unbewohnte Insel - ein Fels im Meer südöstlich von Marseille.

Foto Antoine de Saint-Exupéry mit Armband am Handgelenk Quelle: ZDF

Der Meeresgrund gleicht an dieser Stelle einem Flugzeugfriedhof. Bei der blutigen Luftschlacht um Marseille, die Ende 1943 begann, stürzten Hunderte von Maschinen ins Meer. Strömungen und Fischernetze trugen viele Wrackteile davon, andere hat der tiefe Sandboden einfach verschluckt. Luc Vanrell bietet sich ein chaotisches Bild. Er weiß nicht, wonach er suchen soll.

Beim Studium der Berge von Akten und Büchern stößt Luc Vanrell immer wieder auf den Namen eines Luftfahrtexperten: Philippe Castellano. Über die Flugzeuge im Luftkrieg von Südfrankreich weiß keiner mehr als er. Castellano ist der ideale Verbündete, er erklärt Vanrell alles über die Maschine von Antoine de Saint-Exupéry. Es ist eine Lockheed P-38 Lightning, ein legendärer amerikanischer Abfangjäger. Bei seinem letzten Flug saß Saint-Exupéry in solch einer Maschine.

P-38 Lightning gesucht

Ile de Riou Quelle: ZDF

Mit ihrem Doppelrumpf ist die Lightning eigentlich unverwechselbar, doch unter Wasser wird davon wenig übrig sein. Entscheidend für die Suche sind daher kleinere Teile wie der Turbokompressor, den es so nur bei der Lightning gab. Würde Vanrell bei der Ile de Riou ein solches Wrackteil entdecken, dann könnte das tatsächlich die Absturzstelle von Saint-Exupéry sein.

Im Frühjahr 2000 nimmt Luc Vanrell seine Suche wieder auf. Ziel ist erneut das Wrackfeld bei der Insel. Die großen Wrackstücke erregen jetzt nicht mehr sein Interesse. Sie gehören allesamt zu den falschen Flugzeugtypen. Luc Vanrell durchkämmt die Trümmerwüste systematisch nach bestimmten Einzelteilen. Nach technischen Details, wie sie nur eine P-38 Lightning haben konnte.

Handfeste Beweise gefordert

Lockheed P-38 Lightning Quelle: ZDF

Auf der Grundlage von Fotos der Wrackteile und einer Beschreibung des ungefähren Fundortes kommt Castellano zu dem Schluss, dass Luc Vanrell nicht nur mit Sicherheit ein P-38 Lightning, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit auch das Flugzeug gefunden hat, mit dem Antoine de Saint-Exupéry am 31. Juli verschwunden war. Doch die Fotos provozieren hitzige Debatten in Frankreich. Denn an diesem Küstenabschnitt liegen 40 Flugzeuge des gleichen Typs. Auch die Erben des Dichters stellen sich quer. Sie fordern handfeste Beweise, dass es Saint-Exupérys Flugzeug ist.

Beweisen kann das nur eine Seriennummer. Doch die Erben verbieten den Forschern, die Wrackteile zu bergen. Sie wollen den Mythos bewahren. Der Kampf um die Bergungsrechte kostet die Forscher drei Jahre. So dauert es bis zum Herbst 2003, bis die Forscher endlich die Wrackteile der Lightning bergen dürfen. Eine schwierige Mission, denn die Trümmer liegen in 80 Metern Tiefe verstreut.

Die Sensation geht um die Welt

Auf einem der stark verbogenen und korrodierten Metallteile findet sich die werksseitig eingeschlagene Nummer 2734, der ersehnte Beweis. Es handelt sich tatsächlich um die Überreste des Flugzeugs, das Saint-Exupéry am Tag seines Verschwindens geflogen hatte. Die Funde von der Ile de Riou sind also echt: Armband und Wrack gehören zu Saint-Exupéry. Die Nachricht geht um die Welt.

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