Düstere Jahre

Unternehmer Field muss herbe Rückschläge hinnehmen

Für Cyrus Field sollten acht düstere Jahre beginnen. Ein Jahr nach dem Versagen seines Tiefseekabels brannte sein Papierhandel bis auf die Grundmauern nieder und nahm ihm seine wichtigsten finanziellen Ressourcen.

1861 brach der Amerikanische Bürgerkrieg aus, man brauchte dringend eine Telegrafenverbindung zur Westküste, aber nicht in das entfernte Europa.

Verhandlungen mit der Regierung

Es war die Stunde der Western Union. Ihr gelang das Unmögliche. Sie legte ein 2000 Meilen langes Kabel quer durch Indianerland bis nach Kalifornien. Da machte ein gewisser Perry Collins der Western Union einen verwegenen Vorschlag. Wenn das Kabel der Firma bereits bis zur Westküste geht, warum es nicht weiterlegen, quer durch Alaska, durch die Beringstraße, quer durch Sibirien bis zu den Metropolen Europas. Die Western Union war begeistert, denn diese Strecke benötigt nur 60 Kilometer Kabel unter Wasser - durch die Beringstraße. Man plante, schon im nächsten Jahr mit dem Bau zu beginnen.

Während der Jahre des Bürgerkriegs reiste Cyrus Field 31 mal über den Atlantik. Er versuchte, in England neue Geldgeber aufzutreiben, nahm Verhandlungen mit der Regierung auf, um sein Projekt rasch wieder in Gang zu bringen. Die Aktivitäten der Western Union machten ihm Sorgen. Würden sie ihm zuvorkommen? Diesmal wollte Cyrus Field alles anders machen. Das neue Kabel sollte eine bessere Geometrie haben, bedeutend stabiler sein und aus einem einzigen, 9000 Tonnen schweren Stück bestehen. Doch welches Schiff der Welt könnte eine solche Last tragen?

Das größte Schiff der Welt

Auf einer seiner Reisen nach England traf Field auf einen englischen Ingenieur. Isambard Kingdom Brunell hatte Brücken über die Themse, Bahnhöfe, Eisenbahnlinien und Schiffe konstruiert. Er hatte das erste Dampfschiff mit einem Propellerantrieb gebaut, einen Luxusliner namens Great Britain, der zwischen Amerika und England verkehrte. Doch was Ismael Kingdom Brunel dann plante, sollte alles übertreffen. Brunel hatte den Ehrgeiz, das größte Schiff der Welt zu bauen. Es sollte die Erdkugel umfahren können, ohne auch nur ein einziges mal Kohle zu bunkern.

200 Meter Länge, Platz für 4000 Passagiere. 18.000 Tonnen Wasserverdrängung zu einer Zeit als Schiffe mit 1000 Tonnen als gewaltig galten. Ein stählernes Monstrum mit sechs Masten, die die Namen der Wochentage trugen. Aus fünf gewaltigen Schornsteinen quoll der Rauch. 10.000 Pferdestärken übertrugen die Dampfmaschinen auf eine monströse Schiffsschraube und zwei hausgroße Schaufelräder. Kein Trockendock der Welt war groß genug, die Great Estern zu bauen, und so wurde das Schiff an den sanft abfallenden Ufern der Themse auf Kiel gelegt.

Nur Verluste

Doch die Great Eastern war ein Unglücksschiff. Schon bei der Jungfernfahrt explodierte einer der riesigen Dampfkessel. Zehn Männer kamen im Maschinenraum ums Leben. Auf der nächsten Reise kenterte ein Beiboot, der Kapitän und zwei Passagiere ertranken. Ein schwerer Sturm zerschlug Schaufelräder und Ruder. Zwei Jahre später riss ein Riff ein 25 Meter großes Leck in den Rumpf.


Das hoffnungslos überdimensionierte Schiff fuhr nur Verluste ein. 1864 wurde es stillgelegt. Im selben Jahr kam Field nach London, um die Produktion des neuen Kabels zu beaufsichtigen. Da entdeckte er die Great Eastern, charterte das Schiff und ließ es umbauen. Kabinen wurden herausgerissen und gigantische Kabeltanks eingebaut. Noch ahnte Field nicht, was inzwischen im Westen der USA passierte.

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