Duftendes Harz

Königin der Karawanen – Das Geheimnis von Saba

Weihrauch verhalf den Sabäern einst zu unermesslichem Reichtum. Lieferant des wertvollen Naturstoffs ist ein Baum, den es im heutigen Jemen nur noch selten gibt. Damals aber wuchsen Tausende davon im ganzen Land.

Die einheimischen Bauern ernteten aus dem angeschnittenen Stamm eine klebrige Masse. Zehn Kilogramm pro Baum und Jahr verbuchten die Sabäer als stolze Bilanz. Der Verkaufsschlager im Fernhandel jener Zeit war für die Könige über Jahrhunderte eine unerschöpfliche Geldquelle. Die Qualität bestimmte den Preis, je nach Sorte. Die Händler unterschieden Reinheit, Farbe und Größe. Meist kamen nur kleine Stücke in Umlauf. Aber es gab auch Brocken, welche die ganze Hand füllten, wie schon antike Autoren schreiben.

Highway des Altertums

Seit jeher war Weihrauch eine heiß begehrte Ware. Einerseits als Allheilmittel zur inneren und äußeren Anwendung, besonders aber als duftendes Räucherwerk in Tempeln, Privathäusern und auf öffentlichen Plätzen, ein Gebrauchsgut für jedermann. Die erste Wahl der edlen Substanz war jedoch ausschließlich für den Export bestimmt. Über die großen Zentren wie Marib und Sirwah gingen die Karawanen auf die Reise in den Norden. Die Tempel der Städte dienten als Zwischenlager und Zollstation. Von jeder Ladung kassierten die Priester einen stattlichen Anteil. Die Herrscher richteten im Abstand einer Tagesetappe feste Rastplätze quer durch die Wildnis ein. Die staubigen Pisten avancierten nach und nach zur berühmten Weihrauchstraße. Das Kamel war mit über 200 Kilo Traglast der ultimative "Überlandtransporter" und seit etwa 1000 vor Christus im Dienst des Menschen.

Konkurrenz aus dem Osten

Saba war nicht das einzige Reich, das im Weihrauchhandel mitmischte. Aus dem östlichen Hadramaut gelangte die Ernte per Schiff in den Hafen Qana. Von dort aus ging es über Schabwa und Marib weiter in Richtung Norden. Schabwa, die Hauptstadt von Hadramaut, mussten alle Karawanen passieren, um ersten Wegzoll zu entrichten. Schmugglern drohte die Todesstrafe. Entlang der einzelnen Streckenabschnitte lebten Stämme, die ebenfalls ordentlich mitverdienten. Die perfekt organisierte Truppe, die sich gegen Konkurrenten mit blanker Waffe verteidigte, stellte bewaffnete Eskorten und verkaufte Lebensmittel und Futter.

Einsame "Motels"

Die Wände der Ruinen einer alten Karawanserei sind ein Gästebuch in Stein. Die Kaufleute, die sich einst mitten im Sandmeer trafen, verewigten sich hier. 65 Lagerplätze steuerten die Handelsreisenden auf ihrem Trip durch die Ödnis an. Auf der mehr als 3.000 Kilometer langen Route durch endlose Dünen und steile Felsen führte bei Najran eine Abzweigung nach Osten, eine weitere hinter der Felsenstadt Petra nach Damaskus. Der Hauptweg endete im Mittelmeerhafen Gaza. Dort wurde die Ware nach Athen und Rom verschifft. Nach der Zeitenwende musste Marib im Handel mit dem Duftharz starke Einbußen verkraften. Als Segelschiffe gegen den Wind kreuzen konnten, transportierten die Römer ihren immensen Bedarf über das Rote Meer.

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