Durch die Mourdi-Senke

Gefürchtete Senke mit Hunderttausenden von Dünen

Motor der afrikanischen Geschichte während der letzten zehn Jahrtausende ist die Verwüstung der Sahara, davon ist Stefan Kröpelin nach jahrelangen Studien überzeugt.

Mourdi-Depression Quelle: ZDF

Nur dem höher gelegenen Ennedi, das sie verlassen, bringen die Südwinde etwas Regen. Das Massiv sperrt sich wie ein Riegel vor den Kern der Ostsahara, in der erbarmungslose Trockenheit herrscht.

Gefürchtete Goran

Es ist das letzte Mal, dass Ihnen Menschen begegnen - die gefürchteten Goran. Meike Meerpohl spricht ihre Sprache und Geschenke wie Zucker und Tee bauen Brücken. Kamelmilch gibt es im Gegenzug - das, wovon sie leben. Sie gehören zu den Tubu, den härtesten und genügsamsten Menschen der Welt. Schon ihre Kinder laufen barfuß 60 Kilometer am Tag bis zur nächsten Wasserstelle. Stets genötigt, mit fast nichts auszukommen, sind die Nomaden stolz auf einen Satz bunter Kleider. Ihr Strahlen und Ihre Überlebenskraft wird alle noch lange bewegen.

Vor dem Team liegt die so genannte Mourdi-Depression, eine riesige gefürchtete Senke mit Hunderttausenden von Dünen und eine der größten Windstraßen der Sahara. Überraschend schnell offenbart der weiche Boden seine Tücke, sinken die Autos tief im nachgebenden Kalkgrund ein. Am Ende ihres Abenteuers werden sie auf 30 Reifenpannen kommen und alle Reserveräder verbraucht haben.

Kämpfen mit Kreislaufproblemen



Meter für Meter arbeitet sich das Team voran. 50-70 Grad ohne Schatten, Sand und Luft glühen wie ein Backofen. Selbst am Dünenkamm bleiben die Wagen stecken - Stunde um Stunde wird die Belastung größer. Buddeln und trinken - sie verbrauchen mehr Wasser als eingeplant - wesentlich mehr als ihre tägliche Fünf-Liter-Ration. Einige im Team kämpfen mit Kreislaufproblemen. Jeder lotet für sich seine Grenzen aus. Sogar für die Tschader, die extrem hart im Nehmen sind, geht nichts mehr. Mehr als 50 Mal mussten sie einen ihrer Geländewagen frei schaufeln.



Nach weiteren kräftezehrenden "heißen" Stunden passieren sie die sandgefüllte Senke. Vor ihnen liegt eine unabsehbare Ebene, aber auch ihr Ziel - in fast greifbarer Nähe. Am Horizont taucht eine fremdartige Kulisse auf. Eine Fata Morgana, nur eine Luftspiegelung? Bei näherem Hinsehen ist es Agosa, ein mysteriöser, ja sagenhafter Ort, der Saharakenner elektrisiert. Kaum jemand hat diese entlegenste menschliche Ansiedlung bislang zu Gesicht bekommen. (Kaum zu glauben, aber) hier, fernab von Allem, gab es tatsächlich bewohnte Bauten - für den letzten bewaffneten Außenposten der Zivilisation vor dem Nichts.

Job am Ende der Welt

Timbuktu erscheint dagegen wie New York. Ein Job am Ende der Welt für ein endloses Jahr lang. Völlig verhungert und beinahe verdurstet kehrten die französischen Soldaten zurück. Leben und Sterben liegen in der Wüste sehr nahe beieinander.


Die riesigen 200.000 Tonnen schweren Sicheldünen wandern ein paar Meter pro Jahr. Eine einzige dieser Dünen enthält mehr Sandkörner als Galaxien Sterne haben. Vor Tausenden von Jahren war die Mourdi-Senke ein Seebecken. In seinen Fluten pulsierte das Leben und bildete meterhohe feine Ablagerungen. Den weichen Untergrund müssen sie zügig durchfahren, sonst reißen in den Reifenspuren riesige Löcher auf. Erstmals hebt sich der Südrand der Erdis in der Ferne ab. Sie haben die Zielgerade erreicht.

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