Durchbruch am Kap des Schreckens

Heinrich der Seefahrer schickt seine Männer auf eine Reise ins Ungewisse

Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts sticht ein portugiesischer Kapitän mit 15 Männern und einem ungeheuerlichen Auftrag von Portugal aus nach Süden in See. Das Meer der Finsternis soll er bezwingen, die Grenzen der Welt überwinden, das Unbekannte ergründen. Dort wo noch nie ein Mensch gewesen ist, soll er nach legendären Reichtümern suchen.

"Heinrich der Seefahrer" durchbrach im 15. Jahrhundert die Grenzen der damaligen Welt. Quelle: ZDF, Milos Wendlek

"Wagt das Äußerste, passiert endlich Kap Bojador", so lautet der Befehl des Kapitäns, der als Heinrich der Seefahrer in die Geschichte eingegangen ist. Kap Bojador im Westen der Sahara galt als das Ende der Welt, als das Kap des Schreckens. Keiner, der es bis dahin gewagt hatte, bis dorthin vorzudringen, war wiedergekehrt. Der Bann sollte endlich gebrochen werden. Heinrich der Seefahrer, wollte durch systematisch ausgewertetes Wissen und neueste technische Entwicklungen das Tor über die Grenzen der bekannten Welt hinaus aufstoßen: Mit neuen Methoden der Navigation und Kartografie, ganz besonders aber mit einem genialen neuen Schiffstyp, der Karavelle.

Neuer Schifsstyp "Karavelle"

Die heutige Suche nach der Ursprüngen der Karavelle führt nach Arabien, wo die Vorbilder dieses revolutionären Schiffstyps fast unverändert und nach Jahrhunderte alter Tradition gebaut werden. Hier scheint die Zeit still zu stehen, während im hochpräzisen Forschungsinstitut der Hamburger Schiffsversuchsanstalt Schiffstypen in aufwendigen Versuchen mit modernsten computergesteuerten Methoden auf ihre Seetauglichkeit hin geprüft werden. Mit der Karavelle wurde es den Portugiesen zur Zeit Heinrichs des Seefahrers erstmals möglich, gegen den Wind zu segeln, in neue Dimensionen vorzustoßen. Bucht für Bucht tasteten sich die Portugiesen an Bord ihrer Karavellen nach Süden vor. Die Kapitäne beschrieben detailliert markante Landschaften, die Farbe der Gewässer, die Strömungen, die Arten der Algen, das Sediment des Meersgrundes, alles, was Orientierung gab: Koordinaten der Küstennavigation. Heinrich ließ die Erkenntnisse sorgfältig in Karten übertragen - die Voraussetzung dafür, sich in der neu entdeckten Welt zurecht zu finden. Genaue Karten haben bis heute nichts an ihrer Bedeutung verloren.

Was damals die Fahrten der Karavellen ermöglichte, leisten heute Raumschiffe und Satelliten mit modernster Technologie. Am 11. Februar 2000 startete die Weltraumfähre Endeavour zu einer elftägigen Mission ins All. Mit zwei Radaranlagen sammelte sie ein riesiges Datenpaket für ein genaues Abbild der Erde in digitaler Form. Wie damals die Missionen der Karavellen war auch dies ein Meilenstein auf dem Weg zur Erforschung der Erde. Noch nie zuvor standen solche präzisen Daten der Erdoberfläche zur Verfügung.

Die epochemachenden Konstruktionsprinzipien der Karavelle aus der Zeit von Heinrich dem Seefahrer waren zwar bis in unsere Zeit durch Überlieferungen bekannt, aber immer wieder gingen Forschungsunternehmen ins Leere, die nach dem Original einer Karavelle aus jener Zeit suchten. Bis Forscher in Portugal endlich ein so lange begehrtes Schiff auf dem Meeresgrund entdeckten.

Vorbild für spätere Forschung

Die Karavelle ist so etwas wie ein mittelalterliches Raumschiff, ein Äquivalent zur späteren Weltraumkapsel, mit der in unserem Zeitalter eine neue Sicht der Welt anbrach. Ähnliche Wendepunkte in der Geschichte, ähnliche Aufträge, ähnliche Maximen. Denn damals schien das Unternehmen so schwierig wie zu unserer Zeit der Flug zum Mond. Erst die Konstruktion der Karavelle machte es nach langer Forschungs- und Entwicklungsarbeit möglich, die Küsten Afrikas zu umsegeln und dann, angeführt von Vasco da Gama und Christoph Columbus, das Zeitalter der Entdeckungen einzuleiten. Ein bedeutender Wendepunkt in der Geschichte, markiert durch eine ungekannt systematische wissenschaftliche Entwicklungsarbeit, zentriert um das abenteuerliche Unternehmen von Heinrich dem Seefahrer und das mittelalterliche "Raumschiff", die Karavelle.

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