Durchbruch in der Atomforschung

Mit Schwerem Wasser zum Erfolg

Berlin 1938. Im Schatten der politischen Ereignisse berichteten die Wissenschaftler Otto Hahn und Fritz Strassmann dem Heeresamt in der Reichshauptstadt von ihrem Erfolg: Als Erste hatten sie Uran-Atome durch Beschuss mit einer Neutronenquelle gespalten. Der Beginn des Atomzeitalters.

Die Nachricht erschien sofort in den Zeitungen und Magazinen: Die Spaltung eines einzigen Atoms setze genügend Energie frei, um den "Wannsee in die Stratosphäre empor zu schleudern!"

Fataler Zeitpunkt

Die internationale Gemeinschaft der Physiker traf die Meldung aus Deutschland wie ein Blitz. Das kontrollierte Auslösen einer atomaren Kettenreaktion schien nur noch eine Frage der Zeit. Jede Nation wollte der anderen zuvorkommen. Sollte Deutschland das Rennen machen, wären die Konsequenzen katastrophal. Denn der Zweite Weltkrieg stand vor der Tür. Otto Hahn begriff, dass seine Entdeckung zu einem fatalen Zeitpunkt kam. Hatte er den Grundstein für die ultimative Massenvernichtungswaffe gelegt?

Paul Harteck hingegen macht das Heeresamt umgehend auf das militärische Potenzial der Nuklearforschung aufmerksam. Nach dem Krieg taucht eine englische Übersetzung des Schreibens auf: "Wir erlauben uns, Sie auf die neueste Entwicklung in der Nuklearphysik hinzuweisen. Sie könnte die Herstellung einer Bombe mit gewaltiger Sprengkraft ermöglichen. Das Land, das sie zuerst besitzt, wird einen uneinholbaren Vorsprung haben."

Unaufhaltsame Kettenreaktion

Doch noch müssen die deutschen Kriegstreiber auf den Durchbruch der Wissenschaftler warten. Das Problem ist die zu hohe Geschwindigkeit der Neutronen. Nach Spaltung des Atomkerns wurden sie zu schnell zurückgeschleudert und drangen nicht in weitere Uran-Atome ein. Also musste ein Weg gefunden werden, die Neutronen zu verlangsamen, damit sie von mehreren Uran-Atomen eingefangen werden können. Ist das geglückt, werden immer mehr Neutronen freigesetzt, die wiederum weitere Atome spalten. Eine unaufhaltsame Kettenreaktion kommt in Gang, die sich schließlich in einer Explosion entlädt.

Welcher Stoff aber kann Neutronen langsamer machen? Als ideale Lösung bot sich den Forschern Schweres Wasser an. Im Unterschied zu normalem Wasser besteht es aus schweren Wasserstoffatomen. Schwere Wasserstoffatome enthalten im Atomkern noch ein zusätzliches Neutron, wodurch die Atommasse des schweres Wasserstoffs erhöht ist.

Verschlafener Ort




Durch Elektrolyse lässt sich Schweres Wasser von normalem Wasser trennen, allerdings nur mit einer riesigen Menge Energie. Um einen Liter Schweres Wasser zu erhalten, sind 32.000 Kilowattstunden Strom nötig. Ein Atomreaktor für den Bau der Bombe würde mindestens fünf Tonnen Schweres Wasser verbrauchen. Das heißt: 160 Millionen Kilowattstunden. Kein Werk der Welt konnte damals derart viel Strom produzieren. Mit einer Ausnahme: eine Fabrik im norwegischen Vermork. So nehmen nicht nur die Deutschen, sondern auch Franzosen, Engländer und Amerikaner den verschlafenen Ort ins Visier.



Eingebettet in die imposanten Berge auf dem höchsten Plateau Europas, thront das Unternehmen "Norsk Hydro", Ende 1939 das größte Elektrizitätswerk der Erde. Als Nebenprodukt wurde dort auch Schweres Wasser hergestellt. Die Substanz sollte irgendwann der medizinischen Forschung nutzen.

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