Durchbruch mit Dynamit

Zufallsentdeckung bringt die Wende zum Erfolg

Tag und Nacht forscht Alfred Nobel rastlos in seinem Hamburger Labor. Verzweifelt sucht er einen Weg, das Nitroglyzerin sicherer zu machen. Alles Mögliche probiert er, um sein Sprengöl durch Mischen mit einem weiteren Stoff zu stabilisieren.

Immer wieder schlagen seine Versuche fehl. Weder Gips noch Kohle oder Mehl erweisen sich als Lösung. Jedes Mal verliert das neue Gemisch seine Sprengwirkung. Nobel macht sich Vorwürfe. Viel früher hätte er schon anfangen müssen, nach einem neuen Weg zu forschen. Zu viele Menschenleben hat sein Sprengöl schon gekostet. So darf es nicht weitergehen.

"Kraftpakete" als Lösung

Es wird berichtet, es sei der Zufall gewesen, der Nobel auf den richtigen Weg geführt habe: Beim Transport von Nitroglyzerin-Kanistern in Hamburg. Ein Bett aus Kieselgur, ein feinkörniges Algensediment, soll die Kanister vor harten Stößen schützen. Da tropft auf einmal durch ein kleines Leck Nitroglyzerin auf die Erde, zunächst unbemerkt von den Arbeitern. Doch dann entdecken sie eine eigenartig klebrige und breiige Masse. Sie hat sich aus der Erde und dem ausgelaufenen Nitroglyzerin gebildet.

Als Nobel davon hört, startet er sofort eine Versuchsreihe. Vehement behauptet er, es sei keine Zufallsentdeckung gewesen. Schnell findet er heraus: ein Teil Kieselgur auf drei Teile Nitroglyzerin ist das lange gesuchte Gemisch. Die feine Erde verbindet sich mit Nitroglyzerin zu einer festen Masse, die vollkommen stoßsicher ist aber dennoch hochexplosiv bleibt. Sie lässt sich zu länglichen Patronen pressen, verpackt in Wachspapier. Nobel gibt dem neuen Sprengstoff den Namen "Dynamit" - das griechische Wort für "Kraft".

Ungefährlich und einfach



Der Durchbruch ist geschafft. Endlich gibt es einen Sprengstoff, der ungefährlich zu transportieren und einfach zu handhaben ist. Der Erfolg ist durchschlagend. Immer größere Mengen von Dynamit werden in alle Welt verkauft. Im ersten Jahr noch 11 Tonnen, zehn Jahre später sind es schon 5000. Das neue Sprengstoffzeitalter hat begonnen. Jetzt kann mit Macht gesprengt werden, wie es zuvor nie möglich war. Alfred Nobel wird als König des Dynamits bejubelt. In nur wenigen Jahren steigt er zu einem der reichsten Männer der Welt auf. Was in einer Küche begann, wird zum ersten weltumspannenden Industrieimperium.

Nobel kontrolliert 94 Firmen in 20 Staaten. Er schreibt bis zu 40 Briefe pro Tag und reist ständig von einem Werk zum nächsten. "Ich lebe dort, wo ich arbeite und ich arbeite überall", ist seine Devise. Doch in Wahrheit fühlt sich Nobel überarbeitet, erschöpft und einsam. Der Schriftsteller Victor Hugo nennt ihn einmal den reichsten Vagabunden der Welt. Nobel selbst bezeichnet die Kutsche als sein persönliches Gefängnis.

Nobels Seelenverwandte



Auf einer seiner Reisen gibt Nobel in Wien eine Stellenanzeige auf. Er sucht eine Sekretärin. Die Anzeige hat er in fünf Sprachen verfasst. Er bekommt eine Antwort, die ebenfalls in fünf Sprachen geschrieben ist. Die Absenderin ist die Komtesse Bertha Gräfin Kinsky, die später von Suttner heißen wird. Eine intelligente, junge Frau, die Nobels Leben für immer verändert. Schon beim ersten Treffen fühlt er sich zu ihr hingezogen, sieht in ihr eine verwandte Seele.

Nobel bietet ihr eine Festanstellung in Paris an. Hier will sich Nobel niederlassen, endlich zur Ruhe kommen - mit Bertha an seiner Seite. Aber die Frau, der er sein Herz geöffnet hat, ist bereits vergeben. Während einer Geschäftsreise Nobels reist Bertha Kinsky nach Wien, um in aller Eile ihren Verlobten zu heiraten.

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