Durchbruch mit Nitroglyzerin

Nach 26 Jahren endlich die Eröffnung der Strecke

Im Jahre 1867 hört Crocker von einem neuartigen Sprengstoff: Nitroglyzerin. Es macht Sprengungen möglich, wie es sie noch nie gab. Sofort lässt Crocker eine eigene Nitroglyzerinfabrik errichten, direkt bei der Tunnel-Baustelle am Hoosac.

Nitroglyzerin gilt als sehr instabil und hat die fatale Eigenschaft, völlig unkontrolliert zu explodieren. Eisenbahnlinien und Schiffsgesellschaften wollten nichts damit zu tun haben. Doch die Warnungen vor der immensen Gefährlichkeit des neuen Sprengstoffes schlägt er in den Wind.

Entscheidender Vorteil

Crocker lässt den kraftvollen Sprengstoff ohne Bedenken einsetzen. Er erzielt Monatsleistungen, die bis dahin von Fachleuten für unmöglich gehalten wurden. Das Risiko scheint sich auszuzahlen. Er ist überzeugt: Das Nitroglyzerin wird ihm im Wettlauf mit seinem Gegner Chapin einen weiteren, entscheidenden Vorteil bringen. Nichts wird ihn jetzt mehr aufhalten können.

Immer mehr Gestein und Fels wird Tag für Tag aus dem Berg geräumt. Die Arbeiter sind guter Dinge. Es kümmert sie nicht, dass Zeitungen über immer neue Unglücke durch Nitroglyzerin berichten. Erleichtert doch der Sprengstoff ihre Arbeit so sehr. Innerhalb von zwei Jahren stoßen sie weiter in den Berg hinein, als in den 20 Jahren zuvor. Um die Arbeit noch weiter zu beschleunigen wird vom Bergplateau ein 300 Meter tiefer Schacht auf Tunnelniveau und von dort weiter zu den Tunnelenden gegraben.

Teuer erkaufter Fortschritt

Im Camp gehören inzwischen die dauernden Detonationen zum gewohnten Leben. Das Sprengen ist Routine - bis ein Tag alles ändert und jedem bewusst macht, wie teuer der Fortschritt erkauft ist. Die gewaltige Explosion ist selbst in einem 20 Kilometer entfernten Dorf noch zu hören. Als die Rettungskräfte die Unglückstelle erreichen, erwartet sie ein grausiger Anblick. Sechs Männer sind durch die Explosion in den Tod gerissen worden. Während der kommenden Wochen werden weitere Unglücke passieren und noch weitere Tunnelbauer töten.



Erneut flammt im Parlament die Diskussion über die Fortführung des umstrittenen Bauvorhabens auf. Es sei die einzige Möglichkeit die Heimat aus der Isolation zu befreien, argumentieren die Befürworter. "Ein Grab für Hunderte Arbeiter", halten die Kritiker dagegen. Bei der Gouverneurswahl 1868 schicken beide Lager ihre Kandidaten ins Rennen. Chapin wittert seine letzte Chance, lässt Francis Bird aufstellen. Crocker unterstützt den Gegenkandidaten. Mit Spannung wird das Wahlergebnis erwartet. Bird hat denkbar knapp verloren. Nur wenige Stimmen haben ihm zum Sieg gefehlt.

Crockers Meilenstein

Crockers Tunnelbau ist nicht mehr aufzuhalten. Drei Jahre nach der Wahl ist der große Moment gekommen. Die Vorbereitungen zur letzten Sprengung werden getroffen. Die Bergleute können bereits von der anderen Seite das Hämmern der Druckluftbohrer hören. Im Februar 1875 kündigen große Anzeigen die Einweihung der neuen Zugstrecke nach Westen an. Aus allen Teilen des Landes reisen Schaulustige herbei, um an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. Endlich bekommt Neuengland eine sichere und schnelle Eisenbahnverbindung mit dem Rest der Vereinigten Staaten - durch einen Meilenstein in der Geschichte des Tunnelbaus.



Seit Chester Chapin das erste Mal von Crockers Vision in der Zeitung gelesen hat, sind 26 Jahre vergangen. Verbittert wendet er sich anderen Projekten zu und wird schließlich als einer der größten Eisenbahnmagnate der USA in die Geschichte eingehen. Alvah Crocker ist nach dem Durchbruch als einer der ersten ganz alleine durch den acht Kilometer langen Tunnel gegangen. Er hat es geschafft, sein Lebenswerk gegen alle Widrigkeiten zu vollenden. Doch die Jungfernfahrt durch seinen Tunnel ist ihm versagt geblieben. Wenige Monate vorher starb er an einer Lungenentzündung.

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