Edisons mörderischer Plan

Propaganda-Kampagne gegen Westinghouse

Von seinem Büro in West Orange entfacht Edison eine Propaganda-Kampagne, die das Land noch nicht gesehen hat. Überall verteilen seine Vertreter Pamphlete, in denen er der Öffentlichkeit Angst macht vor den tödlichen Gefahren der konkurrierenden Wechselstrom-Technik. Und Edison scheut nicht vor drastischen Demonstrationen zurück.

Die Kinder in West Orange entdecken in dieser Zeit eine neue Geldquelle. Sie bringen Hunde und Katzen - das Stück zu 25 Cents - in Edisons Labor für die Versuche eines Mr. Brown. Die Tiere werden auf eine Metallplatte gestellt, die mit einem Wechselstromgenerator der Firma Westinghouse verbunden wird. Öffentlich tötet Mr. Brown Katzen und Hunde, später auch Kälber und Pferde.

Massive Proteste



In West Orange wird akribisch Buch geführt bei welchen Wattzahlen, welcher Hund mit welchem Gewicht zu Tode kommt. Trotz massiver Proteste von Tierschützern, Ärzten und Ingenieuren, lässt Harold Brown nicht von seinen Versuchen ab. Er soll noch zur zentralen Figur des Stromkriegs werden.

Atembeaubende Experimente

Jahre später, im Januar 1903, im Vergnügungspark auf Coney Island vor den Toren New Yorks: Der Elefant Topsy hat Menschen angefallen, drei Pfleger umgebracht. Jetzt soll das unberechenbare Tier getötet werden. Man ruft Edison zu Hilfe. Der benutzt Browns Methode, stellt den Elefanten auf einzelne Metallplatten und verkabelt diese mit einem Generator. Mit Wechselstrom setzt er dem Leben des Elefanten ein Ende. George Westinghouse ist empört, schreibt an die New York Times und protestiert öffentlich gegen die grausamen Experimente der Edison-Leute.


Nikola Tesla sind die Auseinandersetzungen zutiefst zuwieder. Er reagiert auf seine Art. Der stets gut gekleidete Gentleman präsentiert in der Öffentlichkeit atemberaubende Experimente. Lässt Strom durch seinen Körper fließen und sogar Leuchtkörper, die nicht mit dem Stromnetz verbunden sind, erstrahlen. Tesla, der Magier, versucht alles um der New Yorker Society die Angst vor dem Wechselstrom zu nehmen.

Grausam und unmenschlich

Da erhält Edison eine schicksalhafte Anfrage. Seine Tierexperimente haben eine New Yorker Kommission auf eine Idee gebracht. Der Tod durch den Strang sei einer modernen Nation unwürdig, schreibt sie ihm. Könne man nicht stattdessen Elektrizität benutzen? Strom könne sehr wohl schmerzfrei töten, doch ausschließlich Wechselstrom sei dafür geeignet. Und Edison empfiehlt Harold Brown, ein Exekutionssystem mit Westinghouse-Generatoren zu entwerfen.


Im Mai 1889 wird ein gewisser William Kemmler wegen Mordes verurteilt. Tod durch elektrischen Schlag lautet das Urteil. Er soll der erste sein, der auf die neue Art hingerichtet wird. "Electricution" oder "to westinghouse" schlägt Edison als Name der Tötungsmethode vor. Als Westinghouse davon erfährt, engagiert er einen Staranwalt. Er soll öffentlich beweisen, dass es grausam und unmenschlich ist, einen Delinquenten mit Strom zu töten. Diese Hinrichtung darf nicht stattfinden, sie würde Wechselstrom als tödlichen Strom brandmarken und das Geschäft von Westinghouse schädigen.



Nach 14 Monaten ist die Anhörung beendet. Alles, was Rang und Namen hat, wurde gehört. Es bleibt dabei: Ein Stromschlag von 1000 Volt soll Kemmlers Leben ein Ende bereiten. Am Tag seiner Hinrichtung ist Kemmler ruhiger und gefasster als jeder andere im Raum. Er fordert die Wärter sogar auf, seinen Körper sehr sorgfältig zu fixieren. Harold Brown hat einen Stuhl mit elektrischen Kontakten konstruiert. Eine Elektrode am Kopf und eine am Fuß sollen den tödlichen Strom durch Kemmlers Körper jagen.

Entsetzliche Qualen

Kemmlers Hinrichtung wird zum Fiasko. 1000 Volt scheinen zu niedrig zu sein. Und keiner weiß, wie lange der Strom durch den menschlichen Körper fließen muss, um zu töten. Kemmler windet sich vor Schmerzen. Die Anwesenden werden Zeugen entsetzlicher Qualen. Seine Adern platzen, sein Fleisch verbrennt. Qualmwolken steigen über seinem Kopf auf. Entsetzt wenden sich anwesende Journalisten ab. Schließlich lassen die Ärzte abschalten. Als sie Kemmler untersuchen, stellen sie mit Erschrecken fest, dass der Delinquent immer noch lebt. Die Ärtze sind verunsichert. Noch einmal wird der Hebel umgelegt, der Generator auf 2000 Volt gestellt. Dann ist alles zu Ende.

"Ein entsetzliches Schauspiel - weit schlimmer als erhängen." - kommentiert eine New Yorker Zeitung den ersten Einsatz des elektrischen Stuhls in Amerika. Auch George Westinghouse ist fassungslos. "Sie hätten genauso gut die Axt nehmen können" lautet sein bitterer Kommentar. Wird dieser unsägliche Streit mit Edison denn nie zu Ende sein?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet