Effigy Mounds

Opferplätze in Tiergestalt

In Höhe der großen Seen entstand ein weiterer bedeutender Ort: Aztalan. Die Weißen, die das heilige Zentrum zuerst entdeckten, gaben der ausgedehnten Anlage den Namen.

Das größte Erdwerk auf dem Terrain ist eine Stufenpyramide mit einer zentralen Treppe für den Aufstieg. Mit hellem Lehm beschichtet, bot der Hügelbau einen majestätischen Anblick.

Religiöse Konflikte

Legenden erzählen von Auseinandersetzungen der eingewanderten Mississippi-Indianer mit den einheimischen Ho-Chunk, die ganz anderen religiösen Vorstellungen anhingen. Die Ho-Chunk drückten ihre astronomischen Kenntnisse nach alter Tradition in Effigy Mounds - in tiergestaltigen Hügeln - aus. Sie waren niedrig und lagen stets in der Nähe von Gewässern.

Neben Schildkröte und Schlange gehörte auch der Unterwasser-Panther zur göttlichen Menagerie der Unterwelt. In den Wäldern der Region lebten Bär, Elch, Hirsch und Fuchs. Sie verkörperten nach indianischem Glauben die reale Welt. Als Stammeszeichen markierten ihre Bildnisse oft die Grenzen zwischen den einzelnen Clans. Die dritte Gruppe der Effigy Mounds stellte die Verbindung zum Himmel her. Vogelgestalten auf Anhöhen verstehen die Archäologen als Darstellung von Himmelsgeistern. Favoriten waren Adler, Falke oder der sagenumwobene Donnervogel. Sein schwerer Flügelschlag bringt Blitz, Donner und Regen.

Die enge Verbindung zwischen irdischer und spiritueller Welt ist damals wie heute ein wesentlicher Bestandteil indianischer Philosophie.

Spirituelles Wissen


Tom Hopinka, Ho-Chunk-Vertreter: "In den alten Tagen, bevor der weiße Mann über uns kam, begaben sie sich auf die Suche nach spiritueller Erfahrung. Es war von wesentlicher Bedeutung, spirituelles Wissen zu erlangen. Gleich welche Erkenntnis ihm gewährt wurde, der Suchende musste dem Schöpfer Ehrerbietung erweisen. Und dazu waren alle Erdwerke geeignet. Ich glaube, dies war die traditionelle Art, Dankbarkeit zu zeigen."



Anderenorts bilden Effigy Mounds großräumige Ensembles. In den Wäldern am oberen Mississippi ziehen sich Tierbilder über Hunderte von Metern am Strom entlang. Eine Prozession wandernder Bären auf dem Weg zum höchsten Punkt des Geländes, von dem zwei mächtige Donnervögel zum Himmel aufsteigen. Die archaischen Bildgruppen zeugen vom ewige Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur, zwischen Lebenden und Toten.

Mythische Tiere

Die Mounds markieren den Ort von Grabstätten in Gestalt mythischer Wesen. Eines der mächtigsten ist der Bär - der Herrscher des Waldes. Schutzgeist und Begleiter auf der Seelenreise ins Jenseits. Die Indianer verehren ihn als Hüter der Erde und Bewahrer universellen Wissens. Welche Bedeutung mythische Tiere noch immer einnehmen, zeigt eine außergewöhnliche Aktion in Wisconsin. Angehörige und Freunde des Adler-Clans treffen sich, um einen Weißkopf-Seeadler wieder in die Freiheit zu entlassen. Dem majestätischen Meisterflieger erweisen die Indianer in einer kleinen Zeremonie die Ehre.

Sechzig gewaltige Vogelfiguren schmückten einst das nahe fruchtbare Tal, doch Pflug und Erntemaschine haben fast alle Spuren vernichtet. Nur auf Anhöhen und Bergkuppen - dort, wo der Mensch das Land nicht kultivieren kann, - blieben Ansammlungen von Mounds erhalten. Zum Beispiel auf dem Adlerberg, den ein riesiger Vogel bedeckt. In Sichtweite ein präziser Kalender für alle wichtigen Daten im Jahr. Zwölf konische Hügel teilen den Einheimischen den richtigen Zeitpunkt mit. Aussaat- und Erntetermine lassen sich ebenso exakt ablesen wie die Sommersonnenwende, wenn das gleißende Licht hinter der äußersten Peilmarke versinkt.

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