Ein amerikanischer Rivale

Edward Thompson zieht die Aufmerksamkeit verstärkt auf sich

Teobert Maler wusste, dass immer mehr Abenteurer dem Ruf der alten Maya-Zivilisation folgten. Und so hetzte er schon bald weiter durch den Dschungel. Besonders die Nachricht über einen US-amerikanischen Archäologen, der als Konsul durch Mexiko reiste, erschreckte ihn.

Edward Herbert Thompson Quelle: ZDF

Edward Herbert Thompson aus Massachusets war ursprünglich nach Mexiko gekommen, um die von ihm vermutete Verbindung der Maya zu den Bewohnern der legendären Stadt Atlantis zu erforschen. Er erkannte schnell, dass seine fantastischen Theorien nicht aufrechtzuerhalten waren. Allerdings faszinierte ihn die Baukunst der Maya so sehr, dass er beschloss, in Mexiko zu bleiben. Seine Vorgehensweise unterschied sich jedoch von der Teobert Malers.

Karte Yucatan Quelle: ZDF

Guter Geschäftsmann

Thompson war ein guter Geschäftsmann. Schnell fand er private Geldgeber, die seine Expeditionen unterstützten. Zudem stand er auf der Gehaltsliste verschiedener US-amerikanischer Museen. Sogar das Außenministerium überzeugte er vom Nutzen seiner Präsenz in Mexiko, so dass Thompson den Titel Konsul im Namen führte. Für Teobert Maler, der sein eigenes Geld einsetzte, war der "Hobby Archäologe aus Yankeelandia", wie er Thompson spöttisch nannte, ein rotes Tuch. Doch noch hatten sich die Wege der Rivalen nicht gekreuzt. Maler hatte seinen Wirkungskreis auf das gesamte Mayareich ausgedehnt, während Thompson vor allem die Halbinsel Yucatán bereiste.

Ihr erstes Aufeinandertreffen fand um 1900 in Mérida statt, wo sich regelmäßig ein kleiner Kreis von Forschern bei einer wohlhabenden Mexikanerin zum Tee traf. Eigentlich war Maler in dieser Runde der führende Archäologe und hatte Fotos seiner letzten Expedition angekündigt. Doch als er den Salon betrat, hingen die Augen der Kollegen und der Gastgeberin an den Lippen von Edward Thompson. Maler hatte den US-Amerikaner noch nie zuvor gesehen, aber die Art, wie dieser Mann seine Bilder der Mayastadt Labná präsentierte, ließ keinen Zweifel: Es musste Thompson sein.

Thompson und Maler treffen aufeinander Quelle: ZDF

Heftiger Konflikt


Maler war von Thompson wenig angetan. In den darauf folgenden Jahren entwickelte sich ein heftiger Konflikt zwischen den Forschern. In bitterbösen Briefen beschwerte sich Maler bei der mexikanischen Regierung über den Amerikaner. "Thompson verdient es, eingefangen und in ein Irrenhaus unter Beobachtung gestellt zu werden. Er führt den gemeinsten Krieg gegen mich und versucht, die großartigen Resultate meiner Wanderungen für sich zu reklamieren." Thompson ließen die Beschimpfungen zwar kalt. Doch auch er hatte eine Meinung zu Maler. "Der Herr Maler sieht wie ein Gespenst aus - er hat die deutsche Dickköpfigkeit und füllt sich mit Chinin und Arsen an, in der Absicht, in der nächsten Saison eine weitere Reise zu machen."


Beide waren getrieben von dem Wunsch, als Erster bedeutende Ruinen zu entdecken und der Welt möglichst großartige Funde zu vermelden. Teobert Maler hatte inzwischen fast 100 Mayastätten dokumentiert. Er war durch den Dschungel gelaufen, geritten und in Kanus gepaddelt, um immer neue Tempel und Paläste zu zeichnen und zu fotografieren. Die Kulthäuser der Maya hatte er zu Wohnzimmer und Studierstube umfunktioniert. Monatelang lebte er in den Ruinen. Doch der ganz große Durchbruch, ein bedeutender, neuer Fund, war ihm noch nicht gelungen.

Maler wohnt vorübergehend in einer Pyramide Quelle: ZDF

Offenbar übersehen

Er konnte nicht wissen, dass er in Palenque nur einige Meter von der wohl spektakulärsten aller Entdeckungen im Reich der Maya entfernt war. Denn im Innern des "Tempels der Inschriften" verbarg sich ein König. Doch auf Yucatán entdeckte Teobert Maler die kleine Stadt Xkichmook, die von anderen Forschern zuvor offenbar übersehen worden war. Xkichmook war nie ein großes Zentrum wie Palenque oder Chichen Itza. Für Maler jedoch war die Stätte von enormer Bedeutung. Niemand hatte so viele Mayastätten wie Maler besucht, doch Xkichmook war endlich der Ort, den er als Erster erreichte.

Maler hatte den Kontakt zu den meisten Freunden und Bekannten abgebrochen. Nur das geerbte Geld seines Vaters ließ ihn überleben und auch das ging langsam zur Neige. Seine Fotos brachten kaum etwas ein. Um so dringender brauchte er den Erfolg seiner ersten neuen Entdeckung. Maler war müde geworden, aber Xkichmook war der verdiente Lohn für die endlosen Strapazen. Xkichmook war seine Stadt. Doch dann bemerkte er in der Wand Inschriften. Maler war wieder nicht der Erste. Die Stadt war bereits drei Jahre zuvor entdeckt worden. Sie lauteten: E-H-T. Sein Rivale Edward Herbert Thompson war Maler immer einen Schritt voraus.

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