Ein fast vergessenes Genie

Nikola Tesla revolutioniert die Elektrotechnik

Bedeutende Erfinder wie Thomas Edison und Guglielmo Marconi ernteten viele Lorbeeren, die eigentlich Nikola Tesla zugestanden hätten. Doch der Idealist Tesla verstand es nicht, sich und seine Erfindungen so publik zu machen und zu verkaufen, dass sie für immer untrennbar mit seinem Namen verbunden sein würden. Im Gegenteil - seit Beginn des 20. Jahrhunderts geriet er mehr und mehr in Vergessenheit.

Schon als Kind ist der kleine Nikola seltsam. Einmal gelesene Bücher kann er hinterher wörtlich rezitieren, zum Mittag rechnet er mal eben den Kubikinhalt von Schüsseln und Tassen aus und erfindet später Maschinen vor seinem geistigen Auge.

Kindheit und Jugend


Nikola Tesla wird am 10. Juli 1856 in dem kleinen Dorf Smiljan in Kroatien geboren. Bereits in jungen Jahren vollbringt er erstaunliche Leistungen. Um seine Eltern über den Tod des älteren Bruders Daniel hinweg zu trösten, stellt er seine Brillanz ständig neu unter Beweis. In der Schule fühlt er sich vollkommen unterfordert. Sein größtes Interesse gilt dem gut ausgestatteten Physiklabor. Er beginnt damit, eigene Turbinen zu bauen, die erhebliche Verbesserungen gegenüber den herkömmlichen aufweisen. In dieser Zeit entdeckt er seine überdurchschnittliche Fähigkeit zu visualisieren.


Aber Tesla ist nicht nur im Bereich der Naturwissenschaften genial. Sprachen und Literatur interessieren ihn gleichermaßen. Neben Englisch, Französisch, Deutsch und Italienisch, spricht er mehrere slawische Sprachen. Am Ende seines Lebens soll er zehn Sprachen beherrscht haben. Obwohl Nikola Tesla Priester werden sollte, setzt er sich gegen seinen Vater durch und geht nach Abschluss seiner Schulzeit nach Graz, um dort Maschinenbau zu studieren.

Studium in Graz

Mit einem Stipendium beginnt Tesla 1875 sein Studium. Er besucht die Vorlesungen des berühmten Professor Pöschl, der mit seinen Studenten Versuche an der neuesten Erfindung der Zeit, der Gramme-Maschine, macht. Tesla will die Maschine, die durch starke Funkenströme große Energieverluste mit sich bringt, verbessern und mit Wechselstrom statt mit Gleichstrom betreiben. Seine Überlegungen bilden die Grundlage für eine seiner großen Erfindungen wenige Jahre später: den Wechselstrom-Generator.




Emigration nach Amerika

Seine erste Arbeitsstelle tritt Tesla in Budapest bei einer Telefongesellschaft 1881 an. Während eines Spaziergangs im Budapester Stadtpark hat er einen Geistesblitz, der die Welt der Technik revolutionieren sollte. Es ist das Konzept des Wechselstrom-Motors, auch Induktionsmotor genannt, durch den die Übertragung von Strom über hunderte von Kilometern möglich wird.


Auf Empfehlung der Edison Niederlassung in Paris geht Tesla 1884 nach Amerika um dort direkt mit Edison zusammen zu arbeiten. Außerdem hofft er im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eher Geldgeber für seine Forschungen zu finden. Die beiden Physiker sind gegensätzliche Charaktere in Temperament und Arbeitsweise. Hinzu kommt, dass Edison ein Anhänger des Gleichstroms, Tesla einer des Wechselstroms ist. Im Gegensatz zu Edison lässt Tesla viele Erfindungen nicht patentieren. Sein Anliegen ist es, sie für die Menschheit zugänglich zu machen. Der Bruch zwischen den beiden war vorhersehbar und so kündigt Tesla das Arbeitsverhältnis nur ein Jahr später.

Wechselstrom auf dem Siegeszug

Im April 1887 gründet der Erfinder die "Tesla Electric Light Company" in New York. Er arbeitet wie gewohnt Tag und Nacht und meldet zwischen 1887 und 1891 40 Patente an. Er beginnt, Vorlesungen zu halten, die wegen ihrer Klarheit und Verständlichkeit berühmt werden. Zunehmend rückt Tesla in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Welt. Auch George Westinghouse, ein Wirtschaftsmagnat, wird auf ihn aufmerksam. Mit einem guten Gespür für neue Technologien interessiert er sich für ein System, welches Strom über weite Distanzen und ohne große Verluste übertragen soll.

Das Problem allerdings ist, dass bereits große Industriezweige mit Gleichstrom versorgt werden oder im Bau sind. Außerdem leistet die Edison Company und die Thompson-Huston-Company enormen Widerstand gegen den Wechselstrom. Ganze Kampagnen werden gegen Tesla gestartet, doch der Siegeszug des Wechselstroms ist nicht aufzuhalten.

Weltweiter Funkverkehr

Inzwischen ist Nikola Tesla durch den Verkauf von Lizenzen wohlhabend und angesehen geworden. Er erhält im Jahre 1891 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1900 schreibt der vorausschauende Wissenschaftler einen seiner wichtigsten Artikel über das Problem der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Demnach müsse die Forschung an den erneuerbaren Energien intensiviert werden, um die Ausbeutung der Erde mit ihren katastrophalen Folgen zu stoppen.

1898 geht Tesla nach Colorado Springs, um mit Radiowellen zu experimentieren. Der Bankier J. Pierpont Morgan beteiligt sich an der Finanzierung für die Forschung, stellt diese jedoch wieder ein, als Guglielmo Marconi der Weltpresse offenbart, Morsezeichen über den Atlantik gefunkt zu haben. In der Folge gerät Tesla in finanzielle Schwierigkeiten und bis 1936 nahezu in Vergessenheit.

Teslas Erbe


Nikola Tesla, der fast sein ganzes Leben seit der Einwanderung nach Amerika in Hotelsuiten und seinen Labors verbringt, bleibt Junggeselle. Er stirbt im Januar 1943 in einem Hotelzimmer in New York. Wie sich später herausstellte, brachte sein Talent zu visualisieren einen großen Nachteil mit sich: Erfindungen, deren Prototypen nicht finanzierbar waren, blieben in seinem Kopf.


Vermutlich gingen so wertvolle Ideen für die Nachwelt verloren. Die Dinge, mit denen der große Erfinder sich in seinen letzten Jahren beschäftigte, stellen seine Kollegen noch heute vor unlösbare Rätsel. Nikola Tesla war der Welt immer einige Schritte zuviel voraus.

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