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Ein geheimnisvoller Priester

Carcassonne und Rennes-le Chateau

Die Irrfahrt des Jerusalemer Tempelgoldes jedoch endet nicht in einer westgotischen Königsgruft. Die wertvolle Fracht zieht mit dem heimatlosen Volk weiter. Alarich hatte den Plan, nach Nordafrika überzusetzen. Aber nach seinem Tod gaben die Goten die waghalsige Idee auf. Sie wenden sich einem ganz anderen Ziel zu.

Von Cosenza aus marschieren die Goten durch ganz Italien und dann in den Süden Frankreichs, ins Languedoc, das in der Spätantike "Aquitanien" heißt. Dort gründen sie ein Königreich, das sich fast hundert Jahre lang behaupten kann. Ihren kostbarsten Besitz bringen die neuen Landesherren hinter den Mauern von Carcassonne in Sicherheit.

Doch weil die feindlichen Franken aus dem Norden angreifen, müssen die Goten ihre Reichtümer schon bald in verschiedenen Festungen verstecken.

Mysteriöser Ort

Vielleicht auch im einsam gelegenen Rennes-le-Château, einem der mysteriösesten Orte Frankreichs. "Ausgrabungen sind verboten", warnt ein Schild am Ortseingang. Nirgendwo sonst auf der Welt hält der Tempelschatz von Jerusalem Menschen nach wie vor so in Atem wie in den unscheinbaren Gassen der 45-Seelen-Gemeinde. Die Westgoten legten den Grundstein für die Siedlung. Dort, wo heute das verwunschene Dorf steht, bauten sie einst die Burg "Rhedae". Über das kleine Nest existieren Dutzende Bücher. Bis vor wenigen Jahren gruben dort Abenteurer aus aller Welt um die Wette. Bis der Bürgermeister dem Treiben resolut Einhalt gebot.

Grund für die Hysterie: Abbé Bérenger Saunière - ein Mann im Priesteramt. Schon die Lebensumstände des katholischen Geistlichen regen die Phantasie an. Der Pastor kam offensichtlich zu sehr viel Geld. Er steckte es in eine großbürgerliche Residenz. Ungewöhnlich für einen Dorfpfarrer Ende des 19. Jahrhunderts, der eigentlich arm wie eine Kirchenmaus sein müsste. Als Pfarrhaus gönnte er sich eine großzügige Villa. Woher stammte das Vermögen für das imposante Anwesen mit zahlreichen Räumen im Chic der Zeit? Hatte der Seelenhirte etwa den Schatz gefunden - wie viele glauben? Oder konnte er großzügige Finanziers mit dem Versprechen ködern, er werde für sie das Versteck aufspüren?

Zwischen Bibel und Börsenkursen

Der Diener des Herrn spekulierte in Erdöl und amerikanischen Eisenbahnen. Das erregte sogar das Misstrauen des Vatikan. Aber weder Bitten noch Drohungen aus Rom konnten Saunière bewegen, seine Geldquelle preiszugeben. Nicht nur die ungeklärten Finanzen des Abbé lassen Fragen offen. Auch die Kirche von Rennes-le-Château - nach den Plänen des Priesters gestaltet - gibt Rätsel auf. Ein Dämon stützt das Weihwasserbecken. Die Skulptur stellt Asmodeus dar. In der jüdischen Überlieferung, der Kabbala, gilt er als Hüter verborgener Schätze. Wollte der eigensinnige Gottesmann symbolisch die geheime Quelle seines Reichtums andeuten?

Als Saunière 1897 zum Seelsorger der verarmten Gemeinde bestellt wurde, fand er das kleine Gotteshaus in erbärmlichem Zustand vor. Der neue Amtsträger hatte damals keinen Franc in der Tasche und war gezwungen, sich Geld für die Renovierung zu leihen. Eines Tages rissen die Maurer den alten Altar ab. Dabei machten sie einen sensationellen Fund: ein verstaubtes Pergament. Ein Vorgänger des Priesters muss es versteckt haben.

Auffällige Anordnung

Seither hält das Dokument die Spekulationen über den jüdischen Tempelschatz in der Erde Frankreichs in Gang. Erklärt das Schriftstück den Wohlstand des Abbé? Führte es ihn zum Jerusalemer Gold? Auf den ersten Blick präsentiert sich der Text als handgeschriebener Ausschnitt aus der lateinischen Fassung des Neuen Testaments. Die Anordnung der Lettern jedoch zeigt merkwürdige Auffälligkeiten. Offensichtlich hat der Schreiber einige Buchstaben höher gesetzt.

Aus den Zeilen herausgelöst und in Reihenfolge gebracht, bilden die Zeichen einen französischen Satz. Er lautet: "Dieser Schatz gehört König Dagobert dem Zweiten und Zion, und er ist der Tod". Dagobert war ein Herrscher der Franken, der den Besitz der Westgoten in Südfrankreich an sich brachte. "Zion" ist der biblische Name für Jerusalem. Was aber bedeutet der Hinweis "la mort" - "der Tod"? Droht er dem, der das Gold Jahwes findet?

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