Ein geheimnisvoller Schädel

Suche nach dem kleinen Prinz führt zu einem echten Prinz

Luc Vanrell entdeckt eine Spur, die dem Fall Saint-Exupéry eine neue Wendung geben könnte. Sie geht zurück auf eine alte Kriegsgeschichte von der Ile de Riou. Fischer sollen damals einen toten Piloten aus dem Meer gezogen und auf der Insel verscharrt haben. Mit DNA-Analysen eines Knochenfragments wird der Pilot ermittelt: Es ist nicht Antoine de Saint-Exupéry.

Schädel von der Ile de Riou Quelle: ZDF

Vor 40 Jahren hat das Skelett ein Arzt und Hobbyarchäologe entdeckt. Luc Vanrell hat nur den Namen des Entdeckers: Doktor Albert, doch der ist verstorben. Vanrell weiß nur, dass Doktor Albert eine Tochter hatte. Sie ist vor langer Zeit aus Frankreich ausgewandert. In Kalifornien spürt er die Tochter des Arztes auf. Sie kann sich gut an das Skelett von der Ile de Riou erinnern. Denn ihr Vater hat ihr den Schädel als Souvenir geschenkt.

Ein Fotovergleich bringt Klarheit

Schädelvergleich Saint-Exupéry mit Fundstück Quelle: ZDF

Der geheimnisvolle Schädel bringt die Forscher auf eine neue Fährte. Vanrell und Castellano ahnen: Ist dies wirklich der Schädel ihres Nationalhelden, würden sie damit in Frankreich ein Erdbeben auslösen. Aber schon ein erster Fotovergleich bringt Klarheit. Saint-Exupéry hatte ein fliehendes Kinn, im Gegensatz zum Schädel auf dem Foto. Außerdem zeigt das Gebiss ungewöhnliche Spuren einer Zahnspange. Wenn es nicht Saint-Exupéry ist, wem gehört der Schädel von der Ile de Riou. Vielleicht einem deutschen Piloten?

Ein deutscher Prinz wird vermisst

Liste mit Name Alexis zu Bentheim Quelle: ZDF

Im Militärarchiv in Freiburg lagern die Geschwaderakten und Verlustlisten der deutschen Wehrmacht. Lino von Gartzen hofft, hier die Identität des deutschen Piloten herauszufinden, der mit der Messerschmitt Me 109 geflogen ist, dessen Motor mitten im Trümmerhaufen von Saint-Exupérys Lightning gefunden wurde. Er sichtet Kolonnen von Namen in den Abschusslisten der Luftwaffe. Band für Band - eine traurige Sisyphusarbeit. Bis ihm eine Verlustmeldung vom 2. Dezember 1943 ins Auge fällt.

Dieser Eintrag liegt genau im Zeitfenster, in dem der Motor datiert wurde. Auch der Flugzeugtyp passt. Zwar gibt es in dem Buch keine Angabe zum Ort des Verlusts. Auf der anderen Seite stimmen aber die Gefechtsbeschreibungen genau überein: das südliche Gebiet vor Marseille. Dieser Eintrag nennt auch einen Namen, Alexis Prinz zu Bentheim.

Lino von Gartzen findet die Familie zu Bentheim im Münsterland. Auf Schloss Burgsteinfurt, Sitz einer der ältesten Adelsfamilien Deutschlands, spricht er mit einem engen Verwandten des vermissten Prinzen. Fürst Christian zu Bentheim ist der jüngere Bruder von Prinz Alexis. Auch er war im Krieg Jagdflieger. Sein Erstflug war am 2. Dezember 1943 - jenem Tag, an dem Alexis nicht von seinem Einsatz heimkehrte.

Ein Verehrer Saint-Exupérys

Porträt Alexis Prinz zu Bentheim Quelle: ZDF

Prinz Alexis ist der Erstgeborene des Hauses zu Bentheim. Mit 19 Jahren beginnt er seine Ausbildung bei den Jagdfliegern, den Draufgängern der deutschen Luftwaffe. Er fliegt die Lieblingsmaschine der Nachwuchspiloten, die Messerschmidt 109. Antoine de Saint-Exupéry ist für ihn ein Idol. Wie so viele junge Deutsche verehrt er den Mann,der Fliegerei und Dichtung zusammen bringt. In seinen Büchern finden sie all die Gefühle, die sie selbst bewegen, das Abenteuer und die Freiheit am Himmel, aber auch Gefahr und Tod.

Im Winter 1943 wehren sich die deutschen Piloten in Südfrankreich verzweifelt gegen die Luftflotte der Alliierten. Unter den Nachwuchs-Piloten der Luftwaffe sind die Verluste erschreckend. Am 2. Dezember attackiert die Jagdgruppe Süd ein US-Bombergeschwader. 150 amerikanische gegen 20 deutsche Maschinen. Einer von den Piloten ist Alexis zu Bentheim. Die Jagdgruppe Süd greift bei Erreichen des Bomberverbands bei Marseille den Verband an und probiert, von links und rechts Angriffe gegen diesen Verband zu fliegen. Bei einem dieser Angriffe werden zwei Maschinen abgeschossen, die beide südöstlich von Marseille im Wasser aufgeschlagen sind. Die eine Maschine nahe an der Küste, die von Prinz Alexis zu Bentheim wurde nie gefunden und nie geborgen. Auch der Leichnam von Alexis Prinz zu Bentheim galt seitdem als vermisst.

Abschied nach 65 Jahren

Schädelvergleich Bentheim Quelle: ZDF

Der Vergleich des verschollenen Prinzen mit dem Schädel von der Ile de Riou ist frappierend. Auch die verräterischen Korrekturen am Gebiss passen, denn Alexis Prinzzu Bentheim trug als Kind eine Zahnspange. In Frankreich befinden sich noch drei Wirbelknochen, der Rest des Skeletts wurde nach dem Tod von Doktor Albert entsorgt. Fürst Christian veranlasst in der Pathologie der Universität Marseille eine wissenschaftliche Analyse der Knochenreste.

An einem Wirbelknochen führt der Pathologe eine Gen-Analyse durch. Das Ergebnis: Der Tote von der Ile de Riou war ohne jeden Zweifel Prinz Alexis zu Bentheim und nicht Antoine de Saint-Exupéry. Nach 65 Jahren hat Fürst Christian seinen Bruder wieder gefunden. Die Suche nach dem Vater des Kleinen Prinzen entreißt einen echten Prinzen dem Vergessen. Fürst Christian zu Bentheim hatte nicht mehr daran geglaubt, jemals am Grab seines Bruders zu stehen. Ein unglaublicher Zufall ließ Saint-Exupéry und Bentheim am selben Ort den Tod finden. Nur nicht zur gleichen Zeit.

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