Ein leidenschaftlicher Himmelsstürmer

Saint-Exupéry und die Fliegerei

Der Strahlkraft Antoine de Saint-Exupérys wirkt schon seit den dreißiger Jahren. Bereits zu Lebzeiten ist er berühmt in der ganzen Welt. Mit seinen Büchern über die größte Leidenschaft seines Lebens - das Fliegen - fasziniert er Menschen bis heute. Aber erst die lange Zeit ungewissen Umstände seines Todes ließen aus dem beliebten Autor den Mythos Saint-Exupéry erwachsen.

In Lyon kommt er im Jahr 1900 zur Welt. Die Ferien verbringt die Familie häufig auf dem Landsitz Schloss Saint-Maurice, nebenan liegt der Flugplatz Ambérieu. Als Antoine im Alter von zwölf Jahren einen Piloten überredet, ihn mit auf einen Flug zu nehmen, ist er überwältigt. Das Fliegen sollte ihn fortan nicht mehr loslassen.
Er wird Testpilot, Rekordjäger und Postflieger. Mit seinen teils waghalsigen Manövern erarbeitet er sich den Ruf eines mutigen, allerdings bisweilen auch etwas fahrlässigen Piloten.

In der Wüste findet er sich selbst

Deutsche Jagdflieger erfahren von Exupérys Verschwinden Quelle: ZDF

Sein Lieblingsthema bringt Antoine de Saint-Exupéry schon als jungen Mann zum Schreiben. In der Einsamkeit des Wüstenflugplatzes Cap Juby in der West-Sahara, wo er Flugplatzdirektor wird, findet er erstmals Zeit für seine Poesie. Er ist besessen vom Fliegen, und das liefert ihm die Stoffe für seine Dramen am Himmel. In seinem erstenRoman "Südkurier" beschreibt er den traurigen letzten Flug eines Piloten. In den 30er Jahren lesen die Menschen seine Bücher überall auf der Welt. Sogar in Hitler-Deutschland.

Und auch als Flieger erfährt Saint-Exupéry Anerkennung über die Grenzen Frankreichs hinweg. Unter Piloten unterschiedlicher Lager herrscht trotz politischer Konflikte ein Zusammenhalt, ein Klima gegenseitigen Respekts. Denn die Fliegerei ist ein lebensgefährliches Abenteuer, statt an Knöpfen machen sich damalige Piloten an Seilzügen zu schaffen, jeder Flug ist eine Reise ins Ungewisse.

Ein Draufgänger und Glückspilz

Saint-Exupéry ist ein Pionier der Luftfahrt und bestärkt seinen Ruf als Draufgänger immer wieder. Ein Rekordversuch für den Flug Paris-Saigon endet mit einer Bruchlandung in der Wüste zwischen Libyen und Ägypten. Nur dank einer vorüber ziehenden Karawane wird der halb verdurstete Schriftsteller mit seinem Begleiter Tage später gerettet. Es sind turbulente Jahre, die gleichzeitig die glücklichste Zeit seines Lebens sein sollten - als Dichter und Flieger.

Doch dann der Schock: Im Mai 1940 überrollt die deutsche Wehrmacht Frankreich. Nach vier Wochen ist alles vorbei. Die französische Luftwaffe, in der Saint-Exupéry kämpft, ist ohne Chance. Ohnmächtig muss er mit ansehen, wie deutsche Truppen das Land besetzen. Die geliebte Heimat gerät in die Gewalt der Nazis. Saint-Exupéry kann diese Demütigung nicht ertragen. Er geht nach New York ins Exil. Doch mit seinen Ideen für die politische Zukunft Frankreichs bleibt er allein. Mit den Exilfranzosen kommt der Pétain- und De Gaulle-Gegner auf keinen gemeinsamen Nenner. Der politische Saint-Exupéry sollte im eigenen Land Zeit seines Lebens ungeliebt bleiben.

Der kleine Prinz in New York

Wie zum Trost verfasst er jenes Büchlein, das ihn unsterblich machen sollte: "Der kleine Prinz". Von ihm selbst illustriert, wurde die Erzählung bis heute in 150 Sprachen übersetzt. Wieder spielt das Fliegen eine zentrale Rolle, und wieder endet die Geschichte tragisch: mit dem rätselhaften Verschwinden des Kleinen Prinzen.

Und während sich die New Yorker High Society um ihren glamourösen Franzosen Saint-Exupéry reißt, will dieser nur für sein Vaterland wieder in den Krieg ziehen.

Ersehnte Rückkehr an die Front

Er nutzt seinen Ruf als Frankreichs Fliegerheld und drängt sich dem US-Oberkommando auf. So kommt er zu den Freien Französischen Streitkräften nach Nordafrika, von wo aus die alliierte Rückeroberung Europas beginnt. Im Juli 1943 landen Amerikaner und Briten auf Sizilien. Bald darauf betreten sie das italienische Festland. Der gewaltigen alliierten Streitmacht können die Deutschen kaum Stand halten. Die Alliierten marschieren unaufhaltsam voran. Nun läuft der Countdown für den Angriff auf Südfrankreich.

Von Korsika aus bereiten Flugaufklärer die Landung vor. Zu dieser Einheit stößt Antoine de Saint-Exupéry. Er soll das modernste Flugzeug der US-Luftwaffe fliegen: die P-38 Lightning. Das Flugzeug ist extrem wendig - zu wendig für Saint-Exupéry. Bei einer Bruchlandung schrottet er seine Maschine. Die Vorgesetzten wollen ihn ausmustern. Mit 44 Jahren ist er längst zu alt für einen Kampfpiloten.

Flug ohne Wiederkehr

Doch Saint-Exupéry gibt nicht auf und erkämpft sich eine letzte Mission. Vom Militärflugplatz Borgo auf Korsika hebt Antoine de Saint-Exupéry am 31. Juli 1944 zu seinem letzten Aufklärungsflug ab. Die Flugroute führt übers Mittelmeer nach Grenoble, wo er deutsche Stellungen fotografieren soll. Anschließend soll er auf demselben Weg zurück nach Korsika. Doch es kommt anders: Saint-Exupéry kehrt nie zurück. Und die Umstände seines Todes sollen viele Rätsel aufgeben.

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