Ein mächtiger Kiefer

Mit welcher Kraft schlägt das Monster zu?

Alles an Jörn Hurums "Monster" ist groß, aber erst seine Kiefer machen den Meeressaurier zu einem Jäger ohne Rivalen. Und dass, obwohl es vor Jahrmillionen Tiere gab, die nicht viel kleiner waren. So wie der Mosasaurier, ein schlangenähnliches Reptil. Oder das Megalodon, der Urahn des weißen Hais. Aber keiner von ihnen hatte so gewaltige Kiefer wie er. Mit welcher Beißkraft würde ein Tier solcher Größe wohl zuschlagen?

Kiefer des Pliosauriers (Computeranimation)
Kiefer des Pliosauriers (Computeranimation) Quelle: ZDF

Nach wochenlanger Puzzle-Arbeit haben die Helfer im Osloer Naturkundemuseum die Verbindungsstelle von Ober- und Unterkiefer zusammengesetzt und können somit nun endlich die Größe des Schädels definieren: Wie bereits vermutet, maß dieser etwa drei Meter, genau so viel wie ein Fiat 500.

Ähnliche Schnauzen

Heute gibt es nur noch eine Gruppe von Tieren, die dem Pliosaurier vom Biss her ähneln: Krokodile. Jörn Hurum betont deren Gemeinsamkeiten: "Alligatoren haben Lungen, sie haben langgezogene Köpfe, sie sind Fleischfresser und haben viele Zähne, sie schwimmen sehr gut und haben mächtige Kiefer. Sie sind im Wasser zu Hause und so gibt es einfach eine Menge Dinge, die wir direkt vergleichen können mit dem Monster." Seit dem Auftauchen dieser Reptilien vor 230 Millionen Jahren hat sich ihre Lebensweise kaum verändert, ein Beweis für die Perfektion ihres Körperbaus. Mit Hilfe der Krokodile will Hurum berechnen, wie viel Kraft in den Kiefern seines Monsters steckte.

Urzeitliche Schrottpresse

Verbindungsstelle von Ober- und Unterkiefer des Pliosauriers Quelle: ZDF

Hierzu besucht er die Alligatoren-Farm in St. Augustin in Florida. Dutzende Alligatoren haben hier schon ihren Biss wissenschaftlichen Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Und Professor Greg Erikson ist der Mann, der sie zum Beißen bringt. Um die Kraft ihrer Kiefer zu messen, hat Erikson eine Beißfalle konstruiert. Die Ergebnisse versucht er dann auf ausgestorbene Arten hochzurechnen. Mit Eriksons Hilfe will Hurum nun herausfinden, wie groß genau die Beißkraft seines Monsters ist. Denn es ist nicht nur die Schnauze mit ihren Zähnen, die dem Schädel des Meeressauriers ähnelt. Auch der Muskelapparat des Krokodilmauls gleicht ihm, wie Hurum und sein Team mittlerweile entdeckt haben. Greg Erikson hat den größten Alligator ausgewählt, über vier Meter lang.

Das mächtige Gebiss testen die Wissenschaftler mit Hilfe eines Wandlers, der die ausgeübte Kraft anzeigt. Der Alligator schnappt mit dem Gewicht von 1,9 Tonnen zu, einer der höchsten jemals gemessenen Werte! Ein weißer Hai schafft nur 1,8 Tonnen, Löwen, Hyänen und andere Raubtiere, die kleinere Tiere jagen, können nur mit 450 bis 680 Kilogramm zubeißen und der Mensch findet sich mit kümmerlichen 80 Kilogramm weit am Ende der Skala.

Welche Werte werden sich aber für das "Monster" ergeben? Professor Erikson weiß aus diversen Studien, dass eine Wechselbeziehung besteht zwischen der Größe eines Tieres und seiner Beißkraft besteht. Und da sich Krokodile und Pliosaurier anatomisch im Schädelbereich durchaus ähneln, lassen sich seine Alligatoren-Befunde auf das "Monster" übertragen. Das Ergebnis ist beeindruckend - im wahrsten Sinne: Das Urtier schlägt mit 15 Tonnen zu, dem gleichen Gewicht, das eine Schrottpresse benötigt, um einen Kleinwagen platt zu drücken.

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