Ein mexikanisches Monster

Außergewöhnlicher Grabungsbericht

Der Diplombiologe Dr. Eberhard Frey vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe war leitendes Mitglied einer Expedition in Mexiko. Das mittelamerikanisch-europäische Team erforschte zu Beginn dieses Jahrhunderts in Aramberri Fossilien aus der Zeit des Juras. Dabei entdeckten sie neben Urzeitkrokodilen und Ichthyosauriern auch Pliosaurier von ungeahnter Größe. Den anlässlich dieser Entdeckung entstandenen außergewöhnlichen Grabungsbericht hat "Dino" Frey - so sein Spitzname - uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Leblose Unterwasserwelt

Forscher liegt auf den Umrissen eines Pliosauriers.
Forscher liegt auf den Umrissen eines Pliosauriers. Quelle: Dr. Frey

Vor 145 Millionen Jahren machte ein 50 Tonnen schweres Seeungeheuer den Golf von Mexiko unsicher. Sein vollständig erhaltenes Skelett wurde jetzt entdeckt.
Sie ist heute eine malerische kleine Stadt mit etwa 13.000 Einwohnern im Bundesstadt Nuevo Leon im Nordosten Mexikos: Aramberri. Seit langem ist diese bekannt für ihre außergewöhnliche Kakteenflora. Berühmt geworden aber ist Aramberri wegen eines Seeungeheuers, das vor etwa 145 Millionen Jahren zur Zeit des oberen Jura 1,8 Kilometer vom heutigen Stadtzentrum entfernt sein Leben aushauchte.

Damals im "Kimmeridgium", einem Zeitabschnitt des oberen Juras, waren die bizarren Falten der Sierra Madre Oriental am Stadtrand von Aramberri ebener Meeresboden, 150 bis 200 Meter unter dem Meersspiegel. Unaufhörlich regnete feiner Tonstaub, vermengt mit toten Fischen, Ammoniten und anderen Meerestieren in die finstere Tiefe und verdichtete sich zu einem schwarzen, stinkenden Schlick, der die Tierleichen rasch begrub und konservierte. Sauerstoffmangel herrschte, und keine Meeresströmung erreichte diese leblose Welt.

Geist auf Reisen

Heute ist der schwarze Schlamm zu braunem Sedimentgestein aus Ton und Kalk, so genannten Mergelbändern, verdichtet, die voller Fossilien sind. Um einige der Tierleichen bildeten sich kalkige Knollen, genannt Konkretionen, in denen die Fossilien vor Druck geschützt die Jahrmillionen überdauert haben. Diese Fossilien sind meist dreidimensional erhalten, während diejenigen im Mergel platt sind wie Abziehbildchen.

Das Grabungsteam in Aramberri arbeitet an einer riesigen Konkretion. Sie hat einen Durchmesser von gut sechs Metern und ist fast einen Meter dick. Am Rande sind die bläulichen Knochen jenes gewaltigen Meeressauriers sichtbar, der Aramberri berühmt gemacht hat. Trümmerstücke des steinernen Monstersarges sind über den ganzen Hang bis hinunter zu einem trockenen Bachbett gerollt und liegen jetzt zwischen Kakteen und Dornbüschen. In der Gluthitze wird mit Benzinhammer, Kreuzpickel und Geologenhammer gearbeitet.

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