Ein rätselhafter Tod

Vielfältige Theorien um die Todesursache der jungen Isabella de' Medici

Isabella de’ Medici war im Florenz des 16. Jahrhunderts das Glamour-Girl der mächtigen Herrscherdynastie. Betörend, klug und gebildet mit einem ausgeprägten Sinn für die schönen Künste, beim Volk beliebt und bei Gesandten aufgrund ihres diplomatischen Geschicks geachtet. Als "Stern von Florenz" strahlte sie weit über die Landesgrenzen hinaus. Umso rätselhafter ist ihr plötzliches Ableben im jungen Alter von 33 Jahren am 16. Juli 1576.

Auf dem Medici-Landsitz In Cerreto Guidi findet Isabella angeblich ein tragisches Ende. Bis heute ranken sich viele Legenden um den plötzlichen Tod der First Lady von Florenz. Historiker wie Caroline P. Murphy oder Gabrielle Langdon folgen wie die meisten den Überlieferungen, die von Mord sprechen. Elisabetta Mori glaubt dagegen an einen Tod durch Krankheit. Doch welche der Theorien ist am wahrscheinlichsten?

Viele Quellen, ebenso viele Versionen

Sicher ist: Isabella de’ Medici starb nicht in Florenz, sondern auf dem Landsitz in Cerreto Guidi. Dort war sie mit ihrem Mann, um auf die Jagd zu gehen. So beschreibt es Caroline P. Murphy, die eine der umfangreichsten Monographien über die Fürstentochter zusammengestellt hat. Sie glaubt an Mord und stellt in ihrer Abhandlung die historischen Quellen gegenüber, die sie zu dieser These führen. Dabei untersucht sie die zahlreichen Briefe, die Isabella schrieb, und die offiziellen Chroniken über die Familie de‘ Medici sowie Berichte von außenstehenden Personen.

So steht in einem Brief, dass Paolo Orsini seine Frau leblos aufgefunden hätte. In einem der offiziellen Berichte heißt es allerdings, sie sei in seinen Armen zusammengebrochen. Eine andere Quelle berichtet, sie starb beim Haare waschen. Genauere Details werden nicht genannt.

Tod durch Strick

Isabella de' Medici wird zu ihrem Bruder Ferdinando de' Medici gerufen (Spielszene).
Ihr letzter Gang? Isabella wird zu ihrem Mann gerufen. (Spielszene) Quelle: ZDF

Interessant ist der Brief des damaligen Botschafters von Ferrara, Ercole Cortile, der von den Wissenschaftlern immer wieder zitiert wird. Er schreibt an seinen Fürsten, Lady Isabella sei stranguliert worden, nachdem sie ihr eigener Mann in ein Zimmer gerufen hat. Dort seien noch andere Personen anwesend gewesen. Sie legten ihr den Strick um den Hals. Nach der Tat baten sie scheinheilig die Kammerdienerin, etwas Essig herbeizuschaffen. Isabella fühle sich nicht gut. Die Kammerdienerin Leonora Madonna sah die strangulierte Isabella und verdächtigte sofort den Ehemann Paolo. Der soll ihr entgegnet haben, dass er die Kammerdienerin umbringen würde, wenn sie auch nur einen Ton nach außen trage.

Ein den Medici sehr nahe stehender Freund, Giuliano Ricci, notiert in seinem Tagebuch eine andere Geschichte. Demnach hatten Isabella und ihr Mann in Cerreto Guidi zu viele kalte Getränke zu sich genommen. Daraufhin war die ohnehin gesundheitlich angeschlagene Isabella – sie litt seit einiger Zeit an einer Nierenkrankheit – so sehr erkrankt, dass sie nach Florenz zurückkehren wollte. Auf dem Weg nach Hause verstarb sie schließlich.

Nierenversagen

Murphy argumentiert, dass aus den Briefen von Isabellas Bruder Francesco ganz klar hervorgeht, dass Isabella auf gar keinen Fall auf dem Weg in die Stadt gestorben sein kann. Ihr Verdacht: Die Geschichte vom Nierenversagen sollte im damaligen Florenz nur deshalb gestreut werden, um Mord-Spekulationen bereits im Keim zu ersticken. Außerdem hat sie einen späteren Bericht von Giuliano Ricci untersucht, der dem von Ercole Cortile sehr ähnlich ist. Und der spricht eindeutig von einem Mord.

Aber noch ein weiterer Aspekt untermauert die These von Caroline P. Murphy. Er wird oft außer Acht gelassen, könnte aber möglicherweise Klarheit schaffen. Die Historikerin Maria Pia Paoli findet in den Uffizien von Florenz ein Detail, das ihr merkwürdig erscheint. Cosimo I., Vater von Francesco und Isabella, ließ alle seine Kinder portraitieren. Später wurden alle Kunstwerke der Familie in dem weltberühmten Museum ausgestellt. Darunter ist auch eine Galerie mit Gemälden von Cosimos vielen Kindern. Nur ein Bild fehlt darin – das Portrait seiner Lieblingstochter Isabella. Ihr Bild hängt heute im Nationalmuseum Stockholm in Schweden. Wie es dort hingekommen ist, kann niemand gänzlich nachvollziehen. Allerdings lässt das fehlende Bildnis den Schluss zu, dass die schöne Isabella aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit gelöscht werden sollte. „Damnatio Memoriae“ nennt sich dieser Vorgang, und er wird gestützt von der Tatsache, dass Isabella de‘ Medici in der Familiengruft nicht einmal eine Grabplatte mit einer Inschrift bekam. Ihr Bruder Francesco hätte zumindest letzteres auf jeden Fall veranlassen können.

Eifersucht und politische Motive?

Doch warum sollte der Ehemann seine Frau überhaupt umbringen? Eifersucht und politische Motive innerhalb der Familie wären gute Gründe, ist sich die Historikerin Ilaria Hoppe sicher. Isabellas Bruder Francesco sei auf sie eifersüchtig gewesen. Außerdem konnte sie ihm politisch gefährlich werden. Zudem war ihm wohl ihr ausschweifender Lebensstil ein Dorn im Auge. Denn Isabella de´ Medici wurde eine brisante Liebesaffäre nachgesagt. Sie soll mit dem Vetter ihres Mannes, Troilo Orsini, sehr innig gewesen sein.

Dieser Theorie widerspricht die Historikerin Elisabetta Mori. Sie hat Briefwechsel zwischen Isabella und ihrem Mann Paolo ausgewertet und entfernt sich von der Mordthese. Mori schreibt, Isabella und Paolo hätten ein liebevolles Verhältnis gepflegt. Sie glaubt, die Liebesaffäre mit Troilo wurde Isabella angedichtet. Feinde der Medici hätten diese Lüge und weitere gezielt in Umlauf gebracht, um den Clan politisch zu schwächen. Gestorben sei Isabella in Cerreto Guidi letztlich an einem Nierenleiden, das damals Wassersucht genannt wurde. Fraglich ist bei objektiver Betrachtung allerdings, ob eine schwer kranke Isabella de´ Medici tatsächlich die Strapazen zu einem Jagdausflug auf das Landgut in Cerreto Guidi auf sich genommen hätte.

Viele Indizien sprechen für Mord

Der Tod von Isabella de´ Medici lässt auch 500 Jahre später viel Raum für Spekulationen. Es sprechen viele Indizien für die Mordthese, der die meisten Historiker folgen. Eine hundertprozentige Aufklärung des Falls aber wird es heute nicht mehr geben. Doch eines ist gewiss: Der "Stern von Florenz" hat an Strahlkraft nicht verloren.

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