Ein Schwede in Zentralasien

Im Auftrag der Luft Hansa

Im Frühjahr 1895 verwirklicht der 30-jährige Sven Hedin einen verwegenen Plan. Mit nur wenigen Begleitern will er die Taklamakan durchqueren. Nur knapp einer Katastrophe entkommen, startet Hedin 1927 erneut eine Expedition nach Asien.

Sven Hedin auf einem Kamel. Quelle: ZDF

Über fast eine Million Quadratkilometer erstrecken sich die Wüsten auf den Territorien Chinas und der Mongolei. Beim Aufbruch der kleinen Karawane Hedins 1895 prophezeien ihr die Einheimischen das sichere Scheitern. Die Kameltreiber füllen an der letzten Wasserstelle die Tanks nur zur Hälfte. Ein verhängnisvoller Fehler, den der Forscher erst spät bemerkt. Doch sein brennender Ehrgeiz lässt ihn nicht umkehren. Wie vom Wahnsinn gepackt, treibt es ihn immer weiter in die Wüste.

Grausame Entscheidung

Längst ist der letzte Wassertropfen verbraucht. Den sicheren Tod vor Augen, trifft Hedin eine grausame Entscheidung. Er überlässt die verdurstende Mannschaft samt den Tieren ihrem Schicksal. Nur von einem Diener begleitet zieht er weiter. Während eines Sandsturms verirren sie sich. Nach Tagen ohne Essen und Trinken bleibt auch der Begleiter total erschöpft zurück. Alle Hoffnung schwindet.

Obwohl jeder Schritt zur unerträglichen Qual wird, kämpft Hedin sich vorwärts. Wie durch ein Wunder erreicht der völlig Entkräftete ein rettendes Wasserloch. Die Schilderung vom Untergang seiner Karawane und der als Heldentat gefeierten Rettung seines Dieners macht den Schweden zum berühmtesten Forscher seiner Zeit.

Der große Feldzug beginnt

Die Wüste lässt Hedin nicht mehr los. 1927 bricht er am Gelben Fluss auf, um die Gobi zu durchqueren. Dieses Mal ist er in Begleitung eines Filmteams nach Zentralasien zurückgekehrt. Mit seinem Lieblingsmarsch beginnt der große Feldzug gegen die Wüste. Der Forscher führt die größte wissenschaftliche Expedition, die sich jemals in das noch unbekannte Innere des Kontinents vorgewagt hat.

Im Auftrag der Luft Hansa soll sie erkunden, ob Flugzeuge die gewaltigen Wüstenflächen gefahrlos überfliegen können - Voraussetzung für eine Flugroute von Deutschland nach China. Die zukünftigen Piloten müssen die Wetterverhältnisse genau kennen und brauchen Zwischenlandeplätze. 850 Kilometer extremster Marschbedingungen liegen vor ihnen. Der Weg führt vom Gelben Fluss zum Fluss Edsin Gol. Die Mongolen kennen die Strecke nur als "Leidensweg der Kamele".

Ehrgeizige Pläne

Im Jahre 1927 verfügen Flugzeuge noch über eine geringe Reichweite. Aber die deutsche Luft Hansa hat ehrgeizige Pläne. Die Einrichtung einer Fluglinie zwischen Berlin und Peking. Darum lautet Hedins Auftrag: Einrichtung von Wetterstationen und Treibstoffdepots in der Wüste. Als Gegenleistung finanziert die Luft Hansa seine Expedition mit der erstaunlich hohen Summe von 1,5 Millionen Reichsmark. Hedin soll einen umfassenden Atlas Zentralasiens erstellen - unerlässliches Hilfsmittel für die Piloten.

Immer wieder aufs Neue misst der Forscher die täglich variierende Schrittlänge seines Kamels, um gleich bleibend exakte Entfernungsangaben zu erhalten: Es legt durchschnittlich 4,695 Kilometer in der Stunde zurück. Die in einem bestimmten Zeitraum gezählten Kamelschritte sind Grundlage für die neuen Orientierungskarten, die den Vergleich mit modernen Satellitenfotos nicht scheuen müssen, wie die Untersuchungen des deutschen Professors Hans Böhm ergeben haben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet