Ein Staatstresor als Gesamtkunstwerk

Der Parthenon ist 438 vor Christus das größte Bauwerk der griechischen Welt

448 vor Christus weihen die Athener den Tempel beim alle vier Jahre stattfindenden Hauptfest der Göttin Athena ein. Der Bau ist fast fertig. Es fehlen nur noch die Steinmetz-Arbeiten an den Außenfassaden. Doch im verschlossen Innenraum, der Cella, befindet sich bereits ein ungeheurer Schatz.

Erst im Jahr 432 vor Christus vollendet Phidias seine Arbeiten an den Skulpturen. Nach 15-jähriger Bauzeit ist der Athena-Tempel fertig gestellt. Er übertrifft in seinen Dimensionen und seiner Pracht alles, was bis dahin im hellenischen Raum gebaut worden ist.

Tempel oder Tresor?

Mit 69,50 Meter Länge und 30,88 Meter Breite scheint der Parthenon der erste griechische Tempel zu sein, dessen Proportionen sich an der im Inneren aufgestellten Statue orientieren. Das zwölf Meter hohe Standbild der Athena Parthenos aus Gold und Elfenbein beeindruckt jeden Sterblichen mit seiner beinahe überirdischen Schönheit.


Jahrhunderte lang gehen die Gelehrten davon aus, dass es sich bei dem Prunkstück und seinem Tempel um ein geweihtes Heiligtum handelt. Die rechteckige Säulenhalle, der Innenraum mit dem Bildnis und der reiche Skulpturenschmuck deuten darauf hin. Andererseits fehlen entscheidende Dinge. Einige Indizien wie etwa die schweren Metallgitter zwischen den Säulen der Vorhallen sprechen sogar dafür, dass der Parthenon eine andere Funktion hat.

Pompöses Schatzhaus


Ein Altar vor dem Tempel ist bislang weder durch archäologische oder architektonische noch durch literarische Hinweise belegt. Auch eine Priesterin der Göttin wird in keiner der vielen hundert Inschriften auf der Akropolis erwähnt. Dafür verraten antike Inventarlisten, welche Wertgegenstände im Parthenon lagerten: goldene Schwerter, Figuren und Kronen, Elfenbein und Edelmetall im Überfluss.

Den größten Schatz stellte die Athena-Statue dar. Der Kern war zwar aus Holz gefertigt, die sichtbaren Körperteile bestanden jedoch aus Elfenbein. Das Gewand aus abnehmbaren Goldplatten wog vermutlich über 1000 Kilogramm. Eine Äußerung von Perikles zu Beginn des Peloponnesischen Krieges zeigt, dass diese Athena Parthenos kein heiliges Standbild, sondern wohlgehütete Staatsreserve war.

Getrennte Wege

Im fünften nachchristlichen Jahrhundert wird die riesige Statue nach Konstantinopel verschleppt. Dort verliert sich ihre Spur. Die Bausubstanz des Parthenon hingegen überdauert die Zeitläufe in den sicheren Mauern der Akropolis. Der Burgberg wird weiter besiedelt und bebaut. Einige Skulpturen, die den Christen missfallen, werden beschädigt. Der Parthenon wird zur Kirche, später zur Moschee umfunktioniert, bleibt aber im Großen und Ganzen erhalten - bis zum Jahr 1687.

Seit dem 15. Jahrhundert herrschen die Türken in Athen. Sie haben die Akropolis zur Festung ausgebaut. Im Parthenon befindet sich ein Pulvermagazin. Ein venezianisches Heer belagert die Stadt. Am 26. September 1687 feuert ein deutscher Kanonier aus Lüneburg einen Schuss ab - Volltreffer. Die Explosion zerreißt die Cella und andere Teile des ehemaligen Tempels. Seither thront das einstige Symbol für Macht und Reichtum Athens als Ruine über der Stadt.

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