Ein Tepuke wird gebaut, Teil II

Herstellung von Segel und Ankerpunkt

Nachdem der Bootsrumpf getrocknet ist, wird er weiter ausgehöhlt und behauen, bevor Kokosfasern und Palmblätter zu Tauen und Segeln verarbeitet werden. Jeder Schlag mit dem Werkzeug muss sitzen.

Neben den Männern und Frauen beteiligen sich auch die Kinder am Bootsbau. Sie tauchen nach einer kalkhaltigen Alge, zerkleinern sie unter Zugabe von Salzwasser und verrühren sie zu einem grünweißen Brei. Dieser Brei wird zum Anstrich des Tepuke benötigt und schützt es gegen Ungeziefer. Nach ihrer Verarbeitung gibt die Alge dem Boot seine charakteristische weiße Farbe.

Auf den Ankerpunkt kommt es an

Aus den Fasern von Kokosnüssen werden reißfeste Schnüre und Seile gefertigt. Die Fasern müssen lange geschlagen werden, bis sie geschmeidig genug sind, um sie flechten zu können. Aus den stärksten Fasern wirken die Männer kleine Schnurstücke. Nach Bedarf werden sie später zu dickeren oder längeren verflochten. Einen Teil der Schnüre müssen die Seeleute als Vorrat mit an Bord nehmen, um unterwegs die notwendigen Reparaturen durchführen zu können. Eine besonders feste Schnur aus einer Rattan-ähnlichen Pflanze soll das Segel befestigen. Die anderen Schnüre werden miteinander zu starken Tauen verflochten.


Ein weiterer wichtiger Teil des Bootes ist der Ankerpunkt des Segels. Er ist der neuralgische Punkt des Tepukes und wird Teube genannt. In der Teube ist der Schutzgeist des Bootes verkörpert. Sie wird aus einem besonderen Hartholz geschnitzt.

Segel aus Palmblättern

Die Frauen sind dafür zuständig, große Mengen Blätter von der Pandanus-Palme zu schneiden. Die feuchten Blätter werden über dem Feuer angetrocknet, was ihnen größere Widerstandskraft und Elastizität verleiht. Sobald sie trocken sind, werden sie in Streifen gerissen und zu rechteckigen Matten verwebt.

Auf dem Dorfplatz nähen die Männer aus den gewebten Padanusmatten das Segel zusammen. Aufgrund seiner speziellen Form müssen die Stücke überlappend angeordnet werden. Die Nadel besteht aus Holz und die feste Schnur aus Kokosfasern. Damit das Segel bei starkem Wind nicht reißt, muss besonders sorgfältig gearbeitet werden. Wegen seiner signifikanten Form wird das Segel "Krebsscherensegel" genannt, entstanden aus den Erfahrungen vieler Generationen in der Südsee. Heute ist das "Krebsscherensegel" ein fester Begriff in der internationalen Seglerwelt.

Das Boot wird zusammengesteckt

Nachdem alle Teile fertiggestellt sind, werden die Einzelteile des Bootes zusammengesteckt. Ohne Zollstock und Papier ist alles passgenau gearbeitet. Das Boot kann nur von zwei bis drei Männern gesegelt werden. Den Seefahrern reichen kleinere Segel und Verbindungsstreben sowie eine leichtere Takelung, da die Belastung des Bootes sehr gering ist.

Die Teile werden mit Knebeln unter Spannung fest mit den Hauptbalken verbunden. So montiert, lässt sich das Boot mit nur wenigen Handgriffen wieder auseinandernehmen. Dennoch hält es großen Beanspruchungen stand. Alle Teile des Bootes sind aufeinander abgestimmt: Rumpf, Ausleger, Takelung. Nimmt man ein Element heraus, stimmt die ganze Ordnung nicht mehr. Kein Teil ist überflüssig.

Auf zu neuen Abenteuern

Der Rumpf des Bootes wird mit einem wasserdichten Deckel verschlossen. In ihm können die Reisenden Waren unterbringen. Kokosnüsse und Steine, die ebenfalls im Rumpf gelagert werden, dienen dazu, das Boot zu stabilisieren und auszubalancieren. Für jedes Ende des Rumpfes muss eine Segelverankerung geschnitzt werden, da das Segel bei Richtungswechseln einfach umgesetzt wird. Die an die Bootsenden montierten Teubes sind sowohl für die Manövrierfähigkeit, als auch für das gute Ende einer jeden Reise entscheidend.

Zum Schluss wird eine weitere Schicht der kalkhaltigen Algenpaste auf Rumpf und Teube gestrichen. Wenn dieser Schutz vor Wurmfraß, Salzwasser und Sonne regelmäßig aufgetragen wird, kann das Tepuke unbegrenzt halten. Mit dem Bau neuer Auslegerboote ist es Chief Kaveia gelungen, seinem Volk das Segeln wieder nahe zu bringen. Jetzt müssen die unerfahrenen Seefahrerenkel nur noch lernen, wie man ein Tepuke lenkt.

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