Ein Volk aus dem Nichts

Furcht einflößendes Auftreten

Die Hunnen kamen aus dem Osten. Sie überrannten und unterwarfen ganze Völker. Ihr plötzliches Erscheinen verbreitete Angst und Schrecken. Für ihre Zeitgenossen kamen die Fremden vom Ende der Welt. Bis heute streiten die Wissenschaftler, woher die Hunnen eigentlich stammen.

Es scheint, als seien die Hunnen aus dem Nichts gekommen. Sie nahmen sich, was sie wollten, und ritten weiter. Waren die Hunnen sich ihres Furcht einflößenden Auftretens bewusst? Ihre Unberechenbarkeit war möglicherweise ihre stärkste Waffe. Die Menschen rannten weg, bevor sie sie sahen.

"Zweibeinige Bestien"

Auf ihren Kriegszügen töteten die Krieger der Steppe rücksichtslos Männer, Frauen und Kinder. Die Brutalität und das fremdartige Aussehen der Hunnen ließ sie schon zu Lebzeiten zur Legende werden. Die Propaganda stellte sie als wilde Tiere dar. Der römische Geschichtsschreiber Ammian berichtet: "Sie alle haben kompakte, feste Glieder, einen breiten Nacken und sind von so monströser und ungestalter Hässlichkeit, dass man sie für zweibeinige Bestien halten könnte." Doch wie haben die Hunnen tatsächlich ausgesehen?

Auch die Herkunft der Hunnen liegt im Dunkeln. Woher die Hunnen kamen, kann man nicht überprüfen, weil es keine schriftlichen Quellen gibt und weil die Archäologie über die Fundstücke - Waffen, Kleiderreste und Grabbeigaben - keine genauen Aussagen über ihre Herkunft machen kann. Chinesische Quellen berichten von Nomadenkriegern, die sie Xiang-Hu nannten. Lange Zeit wurden sie für die Vorfahren der Hunnen gehalten. Neuere Erkenntnisse sprechen aber gegen dieThese.

Schwache Kaiser

Der Zug der Hunnen nach Westen löste einen Flüchtlingsstrom aus - der später als die "Große Völkerwanderung" in die Geschichtsschreibung einging. Als die Steppenreiter Ende des 4. Jahrhundert nach Christus das Gebiet an der unteren Donau erreichten, hatte das Römische Reich bereits seinen Zenith überschritten. Den Soldaten gelang es kaum noch, die Grenzen zu sichern. Auch innenpolitisch gab es keine Einheit mehr. Das Imperium war in zwei Hälften zerfallen. Zwei schwache Kaiser lenkten die Geschicke des Volkes.

In der Hauptstadt Ravenna regierte Kaiser Honorius das weströmische Gebiet. Im Osten mit Sitz Konstantinopel hielt sein Bruder Arkadius die Fäden in der Hand. Die Römer fürchteten die Überfälle der Hunnen. Für den Frieden waren sie bereit, den Steppenkriegern hohen Tribut zu zahlen - in Form von Gold. Zur Absicherung trafen beide Seiten eine besondere Vorkehrung - sie tauschten Geiseln.

Römische Geisel

So wie auch die Hunnen römische Geiseln als Unterpfand für den Frieden nahmen. Einer von ihnen hieß Aetius. Der Sohn eines mächtigen Feldherrn aus einer Familie des Hochadels genoss auch bei den Hunnen viele Privilegien. In der Zeit, die er bei ihnen verbrachte, konnte er wichtige Kontakte knüpfen. Kontakte und Strategien, die ihm später von großem Nutzen sein sollten. Während seiner Geiselhaft wurde Aetius auch mit der Waffentechnik der Hunnen vertraut.

Nach mehreren Jahren Geiselhaft bei den Hunnen kehrte Aetius - reich an Erfahrungen - zurück in die Heimat und wurde General wie sein Vater. Sein Aufenthalt bei den Barbaren hatte ihn geprägt. Als Aetius im Jahre 433 innenpolitisch in Bedrängnis gerät, unterstützten ihn die Hunnen mit Hilfstruppen. Zum Dank belohnte er das Nomadenvolk mit Land - ein Gebiet im heutigen Ungarn - die Provinz Pannonien.

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