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Ein Volk in Syrien

Mythen von den gefährlichen Haschischessern

Marco Polo sowie die Chronisten der Kreuzritter verbreiteten Schauermärchen über die Assassinen. Als gedungene Mörder seien sie für ihren gefährlichen Auftrag mit Drogen gefügig gemacht worden, heißt es. "Haschaschin" - die Haschischesser - nannten die Zeitgenossen die Mitglieder der eingeschworenen Gemeinschaft.

Die Kreuzritter, die vom Ende des 11. Jahrhunderts an für die Befreiung der heiligen Stätten kämpften, trafen im heutigen Syrien auf die gefürchteten Männer.

Von dort brachten die Europäer erste Gerüchte über die "mysteriöse islamische Menschenbrut" mit in die Heimat. So einer ihrer Chronisten wörtlich. Ihrem religiös motivierten Oberhaupt gehorchten die überall im Land rekrutierten jungen Männer bedingungslos. Bald wurde die Treue der Assassinen zum sprichwörtlichen Motiv europäischer Minnesänger. Troubadoure beschworen ihre angebeteten Damen: "Ihr habt mich mehr in Eurer Gewalt als der Alte seine Assassinen. So wie sie ihm standhaft dienen, so habe ich Amor gedient in unverbrüchlicher Treue."

Boten des Todes

Andere Zeitgenossen sind in den Beschreibungen sachlicher: Doch nicht als Boten der Liebe, sondern als Todesboten gingen die Assassinen in die Geschichte ein. Ein Mythos war geboren. Die Freuden des Paradieses - als Belohnung für einen Mord. Das soll ihr Gründer Hasan-e Sabbah, genannt der "Alte" seinen Anhängern versprochen haben. Als Anreiz führte er ihnen die Gefilde der Seligen schon zu Lebzeiten vor Augen, berichten europäische Quellen.

Setzte der Meister die jungen Männer zuvor unter Drogen? Machte er sie so für die gefährlichen Aufträge gefügig? Bisher pure Vermutung. Fest steht hingegen: Die Assassinen gehörten zu den Ismailis, einer islamischen Glaubensgemeinschaft. Im Volksmund hießen sie auch "Haschischin" - die Haschischesser. Forscher glauben, daraus habe sich das Wort "Assassinen" abgeleitet.

Schimpfwort für Abtrünnige

Tatsächlich war Cannabis, die Hanfpflanze, aus der Haschisch gewonnen wird, im mittelalterlichen Orient bekannt. Ärzte und Pharmazeuten destillierten die Wirkstoffe verschiedener Drogen und verordneten sie vor allem gegen Depressionen und Verdauungsleiden. Für strenggläubige Muslime jedoch galten "Haschischesser", die das Kraut zum Vergnügen nahmen, als moralisch verkommen. So wurde "Haschischin" zum Schimpfwort für Abtrünnige, soziale Außenseiter und für Anhänger von Sekten.

Von all dem wussten die Kreuzritter nichts, als sie ihren Glaubenskrieg im Orient führten. Die Assassinen waren für sie Menschen, die einem üblen Laster frönten und durch spektakuläre Morde im ganzen Land von sich reden machten. Die Gerüchte ließen die Europäer ständig auf der Hut sein.

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