Einbäume und Papyrus-Flöße

Die Anfänge der Schifffahrt

Ob Leder, Knochen, Holz oder Gräser - ihre ersten Boote bauten sich die Menschen aus dem, was ihnen die Natur zur Verfügung stellte. Welches Material die ersten Bootsbauer nutzten, ist ungewiss. Klar ist nur eines: Die ältesten bisher gefundenen Wasserfahrzeuge haben Archäologen in Mitteleuropa ausgegraben. Es handelt sich um ausgehöhlte Baumstämme, so genannte Einbäume. Die sind gerade mal 8000 Jahre alt. Experten sind sich aber sicher, dass sich der Mensch schon viel früher auf das offene Meer hinauswagte.

Präparator mit Deutschlands größtem Einbaum Quelle: dpa

Bereits während der letzten Eiszeit (40.000 bis 10.000 v. Chr.) besiedelten die Menschen alle Kontinente außer der Antarktis. Nicht alle Gebiete konnten sie über den Landweg erreichen. Australien erstreckte sich zum Höhepunkt der letzten Eiszeit bis nach Neu-Guinea, jedoch reichte die Landbrücke nie bis nach Südostasien. Etwa 100 Kilometer offene See trennte den australischen Kontinent vom Rest der Welt. Die ersten Siedler müssen daher um 40.000 v. Chr. mit Wasserfahrzeugen unbekannter Art nach Australien gelangt sein.

Hochseefischerei und früher Handel

Abora - Bug des Schilffloßes Quelle: ZDF


In steinzeitlichen Siedlungen finden sich weitere Zeugen früher Schifffahrt. Reste von Hochseefischen aus dem 8. Jahrtausend v. Chr. in Griechenland, Skandinavien und Norddeutschland zeigen, dass sich die Menschen zum Fischen auf das Meer hinauswagten. Siedlungsspuren auf den Inseln Zypern und Kreta reichen fast ebenso weit zurück. Etwa 6000 v. Chr. müssen die Menschen über das Mittelmeer auf die Inseln gekommen sein. Um sich in der neuen Heimat eine Zukunft aufzubauen, müssen ihre Boote groß genug gewesen sein, um auch Haustiere zu transportieren. Die Verbreitung des Rohstoffes Obsidian in der Ägäis zeugt gar vom ersten nachweislichen Seehandel. Obsidian ist ein vulkanisches Glas von der griechischen Insel Melos, das als Rohstoff für Schneidewerkzeuge diente. Händler brachten es von der Insel über den Seeweg auf das griechische Festland. Einige Obsidian-Funde vom Festland lassen sich bis ins 9. Jahrtausend v. Chr. zurückdatieren. Ungewiss ist aber, welche Art von Wasserfahrzeugen die Händler nutzten.

Schiffsfund im Cheops-Grab

Generell gelten die frühen Kulturen des Mittelmeerraumes als Pioniere der Seefahrt. Die ältesten Abbildungen großer Schiffe sind etwa 5000 Jahre alt und befinden sich auf den ägyptischen Kykladen. Die Größe der Schiffe spricht dafür, dass es sich um Holzschiffe handelte. Das bestätigt der weltälteste erhalten geblieben Schiffsfund von 2665 v. Chr. Im Grabmal des Pharaos Cheops wurde ein weitgehend aus Zedernholz gebautes Schiff mit knapp 44 Meter Länge und sechs Meter Breite entdeckt. Der Fund ist zugleich Beweis für eine Seeverbindung der Ägypter zum Libanon, aus dem sie das Zedernholz importiert haben mussten.

Pyramiden von Gizeh Quelle: geopress


Ein silbernes Modellboot, das in den Königsgräbern der sumerischen Stadt Ur aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. gefunden wurde, zeigt, welche Bedeutung die Schifffahrt auch für die Sumerer hatte. Die sumerische Kultur bestimmte zu dieser Zeit neben der ägyptischen das Geschehen im Alten Orient. Um 2040 v. Chr. gruben die Sumerer sogar einen 15 Kilometer langen Kanal im Südosten des heutigen Irak von Ur zum Meer.

Papryrus-Flöße im alten Ägypten

Schilf Quelle: dpa


Konkrete Hinweise auf die Form und das Material erster Schiffe finden sich im ägyptischen Raum. Holz war in Ägypten knapp und von geringer Qualität. Zugleich machten der breite Nilstrom, der das Land durchquert, und seine Nebenflüsse die Schifffahrt für die Ägypter unabdingbar. Die Ägypter nutzten die damals in großen Mengen am Nil wachsende Papyrusstaude als Rohstoff für den Bootsbau. Die älteste überlieferte Form der im Niltal gebräuchlichen Schiffe waren aus Papyrusbündeln geformte Boote. Schiffsdarstellungen aus dem 5. Jahrtausends v. Chr. in Hierakonpolis zeigen solche Boote. Trotz der weiten Verbreitung des Papyrus, haben sich die Ägypter wahrscheinlich nicht auf diese Pflanze als Baumaterial beschränkt. Es ist davon auszugehen, dass sie auch zu den anderen, häufiger vorkommenden Binsen und Gräsern mit ähnlicher Form und ähnlichen Eigenschaften griffen. Bis auf die Zeichnungen und einige gefundene Schiffsmodelle gibt es allerdings keine Beweise für die Existenz solcher Boote: Gefunden wurden nichts, das Material verrottet schnell. Ungeklärt bleibt daher ebenso, ob vielleicht auch die Griechen solche Schilfboote nutzten.

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