"Einblicke in intime Welten"

Die "Frozen Planet"-Produzenten über Dreharbeiten an den Polen

Die britischen Produzenten Alastair Fothergill und Vanessa Berlowitz über die Dreharbeiten mit Polartieren und den Veränderungen an den Polarregionen.

Cineflash-Kamera im Einsatz
Cineflash-Kamera im Einsatz Quelle: ZDF/Jason Roberts

ZDF: Wie sind Sie den Tieren auf die Spur gekommen?

Vanessa Berlowitz: In der Polarregion kann man nur mit Spezialisten filmen. Manchmal trifft man dort ansässige Inuit, die als Jäger und Trapper arbeiten können. Und dabei hat man ab und zu mit äußerst exzentrischen Spezialisten zu tun. Es ist aber fundamental, sich auf diese Guides zu verlassen, die uns in die entlegensten, gefährlichen Gebiete bringen. Sie bringen uns zu den Tieren, die normalerweise weglaufen, wenn Menschen sich ihnen nähern, selbst wenn sie noch kilometerweit von ihnen entfernt sind. Wir müssen unbedingt mit diesen Leuten und Forschern zusammenarbeiten, um sicher zu gehen, dass wir die Tiere in keiner Weise in ihrem Verhalten stören. In der Antarktis ist es etwas einfacher, weil die Tiere naiver sind. Man kommt erstaunlich nah an Pinguine heran.

ZDF: Wie konnte man filmen, ohne die Tiere zu stören?

Alastair Fothergill: Die Cineflash-Kamera für Luftaufnahmen, die wir benutzt haben, hat spezielle Eigenschaften: Wir können mit ihr sehr hoch fliegen und bekommen trotzdem noch Nahaufnahmen. So haben wir zum Beispiel die Sequenz mit einer Eisbärenmutter und ihren beiden Jungen gedreht. Hätten wir sie am Boden aus der Nähe gefilmt, wären sie nervös geworden. Wenn man aber aus der Luft filmt, ist man physisch weit weg, in seinen Bildern aber trotzdem nah dran. So lassen sich die Tiere wunderbar auf dem Meereseis beobachten. Viele Polartiere haben aber keine große Angst vor Menschen. Man kann also recht nah herankommen, ohne die Tiere zu stören. Das ist für uns von zentraler Bedeutung: dass wir die Tiere beim Filmen nicht stören.

Die Rolle des Beobachters

Berlowitz: Das Mantra für "Planet Earth" und "Frozen Planet" war immer, natürlich und echt zu sein, in die Rolle des Beobachters zu gehen. Es ist nichts Gestelltes oder Beeinflusstes dabei. Eine meiner schönsten Erfahrungen in diesem Zusammenhang war unsere erste Aufnahme in Spitzbergen. Ich war ziemlich schlecht drauf, hatte 14 Stunden Flug hinter mir und genug vom stundenlangen Rumsitzen und Nichtstun. Dann sagte der Pilot auf einmal: "Da hinten bewegt sich etwas" und wir flogen hin, um nachzuschauen.

Es war tatsächlich eine Polarbärin mit ihren Jungen. Wir verbrachten ganze drei Tage mit diesen Tieren. Dazwischen machten wir ein paar Pausen und tankten auf. Die Kleinen waren wahrscheinlich gerade erst vier Wochen alt, und die Bärin hat ihre Jungen stark beschützt. Also mussten wir mindestens einen Kilometer mit dem Helikopter wegbleiben, um sie in ihrem natürlichen Verhalten zu filmen. Wir haben eine Sequenz im Film, in der die Bärenmutter verzweifelt versucht zu jagen, ihre Kleinen aber mit ihr spielen wollen.

Die Eisbärenjungen trotten hinter ihrer Mutter über das zugefrorene Meer.
Eisbärenjungen mit Mutter Quelle: ZDF/Jason Roberts

Einblicke in intime Welten

Wie ungezogene Kinder, als ob sie sagen würde: "Auf geht's Kinder, wir wollen jetzt essen" und die Kinder antworten "Ja, aber wir wollen doch noch eine Weile spielen". Die Bärin muss ihre Kleinen dann hin und her schubsen und sie zurechtweisen, dass sie jetzt wirklich weiter müssen. Ich habe mich etwas voyeuristisch gefühlt, als ich in diese intime Welt Einblicke nahm. Vom Boden aus wäre das nie möglich gewesen. Sie hätte sich schon Stunden früher mit ihren Jungen aus dem Staub gemacht. Das war wirklich ein ganz fantastischer Augenblick.

ZDF: Wie hat der Mensch das Leben in den Polarregionen verändert?

Fothergill: Es ist eine außergewöhnliche Tatsache, dass die dort lebenden Tiere fast nie gejagt wurden. Die Tiere werden leider stark beeinflusst von Dingen, die woanders auf der Erde stattfinden. Die globale Erwärmung zeigt sich in der Welt nirgendwo so drastisch wie in der Polarregion. Und bei Polarbären konnte man sogar in der Leber Verschmutzungen aus südlich gelegenen Fabriken nachweisen. Es ist erschreckend, dass selbst so zurückgezogen lebende Tiere von der Verschmutzung und den Veränderungen durch die Industriestaaten betroffen sind.

Dramatische Folgen für die Zukunft

Berlowitz: Die Menschen haben Angst, über die wahre Situation in der Polarregion zu sprechen. Das möchten wir in diesem Film zeigen. Es gibt ein paar Fakten, denen man nicht entkommen kann. Der Grönland-Eisschild schmilzt schneller als jemals zuvor, und das wird dramatische Folgen haben für die Zukunft. Wenn einer dieser Schilde in der Art zusammenbricht, wie man es voraussagt, dann wird das massive Auswirkungen auf die globalen Meeresspiegel haben. Es ist also wirklich wichtig, dass die Menschen dies in den Griff bekommen.

Ich glaube, dass es schwierig ist, wenn man sich den Lebensraum nicht vorstellen kann und man nicht weiß, was hier wirklich passiert. Ich hoffe, dass wir hier das perfekte Mittel gefunden haben, um den Menschen den Reichtum und die gefährlichen Veränderungen der Umwelt näher zu bringen. Erst muss man die Zuschauer auf etwas aufmerksam machen, dann müssen sie sich in den Ort verlieben, und dann kannst du sagen: "Hey, Leute, so sieht die Situation hier jetzt aus. Wir müssen etwas tun!"

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