Eindrücke von den Dreharbeiten

Im Land der Shogune

Tokio: Es ist weit nach Mitternacht, und draußen peitscht der Taifun die Regentropfen gegen die Scheiben. Stunden zuvor sind wir in den ersten Ausläufern dieses tropischen Sturmes gelandet, der jetzt seine ganze Kraft auf das Land wirft. Lange Gespräche haben wir seit unserer Ankunft geführt, es gab viel zu koordinieren und zu planen. Im Moment allerdings sieht es so aus, als würde der Sturm jede Planung umstoßen.

Tokio bei Nacht und Regen
Tokio bei Nacht und Regen Quelle: ZDF/Matthias Unterburg

In diesem Beruf, das wird einem mit den Jahren klar, gibt es nur eine Konstante, und das ist die Ungewissheit. Ich sehe noch lange durch die regennasse Scheibe in die hell erleuchteten Straßen von Shinjuku und auf die Bürotürme, in denen einzelne Menschen einsam vor ihren Schreibtischen sitzen.

Ungewöhnliche Menschen

In den folgenden Tagen treffen wir auf unserer Reise durch Japan und seine Geschichte viele spannende und ungewöhnliche Menschen. Menschen wie den Karakuri-Meister Higashino Sumusu, der sein Leben den Robotern der Shogun-Zeit verschrieben hat. So komplex sei das Innenleben dieser Automaten, sagt er, dass sich heutige Ingenieure schwer täten, sie nachzubauen oder zu warten - obwohl sie nur aus einfachen Materialien wie Holz, Horn und Kupfer angefertigt wurden. Herr Higashino (der Familienname wird in Japan immer vorangestellt) arbeitet an seinen Maschinen mit Leidenschaft und Hingabe.

Karakuri-Meister Higashino mit Shogun-Roboter
Karakuri-Meister Higashino mit Shogun-Roboter Quelle: Ralf Gemmecke/IFAGE/ZDF

Nicht nur ihre Technik ist wichtig, auch ihr Ausdruck. Wochenlang hat er, sagt er uns, an einem Kopf für einen der menschenähnlichen Automaten gearbeitet, gesägt, geschnitzt und geschliffen. Aber er müsse wohl noch einmal ganz neu ansetzen, der Ausdruck stimme einfach nicht. Eine Maschine mit menschlichem Ausdruck, das ist eines der vielen Rätsel Japans, die uns begegnen werden. Aber tatsächlich, wenn sich seine Karakuri-Automaten in Bewegung setzten, scheinen sie ein eigenes, menschliches Mienenspiel zu entwickeln. Für einen Karakuri-Meister wie Herrn Higashino wäre es undenkbar, etwas weniger Perfektes vorzuführen, oder etwas Unvollkommenes aus der Hand zu geben.

Professionelle japanische Crew

Der Taifun zieht unerwartet schnell über das Land hinweg, sein Zentrum bliebt auf offener See, und unsere Dreharbeiten im Freigelände können doch noch stattfinden. Ralf Gemmecke, unser Kameramann, kann endlich sein ganzes Können entfalten. Wir freuen wir uns über die Leidenschaft und Professionalität unserer japanischen Crew. Herr Sato, der die Produktion in Japan koordiniert, meistert jede Herausforderung und findet für jedes Problem eine Lösung. Dabei erfahren wir im Gespräch mit ihm viel über sein Land, über das er mit tiefer Ernsthaftigkeit spricht.

Samurai-Darsteller in der Drehpause Quelle: ZDF/Matthias Unterburg

Die Schauspieler, die wir für die vielen Rollen gecastet haben, gehen ihrem Beruf mit Hingabe nach. Es ist eine Freude, mit ihnen zu arbeiten. Kostüme und Perücken sind von höchster Qualität, Kostümbildner und Maske überzeugen durch ihre umfassenden Kenntnisse. Der Tate-shi, der Kampfmeister in seinem schwarzen Kampfanzug, koordiniert und übt den Ablauf der Kampfszenen mit unseren Samurai, ist dabei von stoischer Ruhe und unnachahmlicher, diskreter Höflichkeit. Der Beleuchter mit seinen Gehilfen ist immer da, wenn man ihn braucht, die Studio-Crew erscheint aus dem Nichts, um innerhalb kürzester Zeit das Set umzudekorieren, oder nötige Requisiten einfach anzufertigen.

Getränkeautomat in Japan Quelle: imago/Jochen Tack

Heiße Dosengetränke als Lebenselixier

Es wird eine bemerkenswerte Reise. Manchmal drehen und reisen wir bis zum Schmerzpunkt. Was uns dann wieder auf die Beine bringt, das ist eine weitere, überraschende japanische Erfindung. An jeder Straßenecke, wirklich an jeder, stehen grellbunt erleuchtete Verkaufsautomaten. Manchmal hat das eine ganz eigene optische Wirkung, wenn sich in den Sonnenuntergang zwischen den schmalen, kleinen Häusern die Neonfarben der Automaten mischen. In einem Sichtfenster zeigen sie die Dosen, die der Apparat enthält. Manche sind mit blauen, andere mit roten Linien gekennzeichnet. Uns interessieren stets die Roten. Denn mit einem Tastendruck wird in diesem Fall eine überraschend heiße Dose aus dem Automaten katapultiert. In den Geschmackrichtungen ist vieles möglich, von Espresso über Milchkaffee bis zu grünem Tee. Heißgetränke aus Dosen werden zu unserem Lebenselixier. Danke Japan!

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