Eine Chance für die Wissenschaft

Das Ende des Krakatau ist zugleich ein Anfang

Die 1660 zur Förderung des Studiums von Naturereignissen gegründete Royal Society setzte 1884 ein Komitee ein, um die globalen Auswirkungen der Eruption zu dokumentieren. Zeitungsausschnitte, Schiffslogbücher, wissenschaftliche Aufzeichnungen und Augenzeugenberichte ergeben zusammen die wohl umfassendste Dokumentation eines Vulkanausbruchs aller Zeiten.

Der Bericht beinhaltet die geologischen Vorgänge während der Anfangsphase des Ausbruchs, sowie Informationen zu den darauffolgenden Ereignissen, einschließlich der Auswirkungen der Tsunamis und die zeitliche Abfolge der um den Globus laufenden Druckwellen. Sie wurden in Australien und sogar in Oxford registriert. Außerdem enthält er eine Menge Aufzeichnungen über optische Phänomene rund um den Erdball, wie veränderte Farbnuancen von Sonnenunter- und aufgängen.

Auswirkungen auf das Wetter

Die genauen Schilderungen geben den Meteorologen erste Hinweise, wie die ausgeschleuderte Materie durch die Atmosphäre transportiert wurde. Die Veränderungen des Abendhimmels innerhalb weniger Tage nach dem Ausbruch bestätigen die Existenz von sehr schnellen und sehr hohen Luftströmungen. Sie transportieren die vulkanischen Teilchen durch die Atmosphäre. Die Entdeckung dieser Jet Streams spielt eine zentrale Rolle in unserem Verstehen der Wettervorgänge.


16 Millionen Kubikmeter Schutt, Asche, Staub und Gase schleuderte der Krakatau in die Luft. Das schwere Material fiel zur Erde zurück. Die kleinen Staubpartikel und Gase stiegen in die oberen Schichten der Atmosphäre auf. Innerhalb weniger Tage verschleierten diese Aerosole 70 Prozente der Oberfläche unseres Planeten. Sie reflektierten zudem die Sonnenstahlen zurück ins All. Eine Absenkung der Temperaturen auf der Erde von einem halben Grad Celsius war die Folge. Zusätzlich verfärbte sich der Himmel blutrot.

Das Kind des Krakatau

Für die Wissenschaft markiert der Ausbruch den Beginn eines neuen Bildes vom Planeten Erde. Und selbst heute nach mehr als 120 Jahren ist die Geschichte des Krakatau noch nicht zu Ende. Obwohl die Eruption von damals die Insel mit den drei Vulkankegeln völlig auseinandergerissen hat, erhebt sich wie Phoenix aus der Asche ein neuer Vulkan. Mitten im ehemaligen Krater wächst "Anak Krakatau" heran - das Kind des Krakatau.


Allein in den letzten 25 Jahren um das Doppelte gewachsen hat der Anak eine tödliche Bilanz: Fünf Touristen kamen bei Ausbrüchen ums Leben, getroffen von ausgespuckten Gesteinsbrocken. Im Dezember 1927 hat sich der Anak Krakatau zum ersten Mal mit einer heftigen Eruption knapp unter der Wasseroberfläche bemerkbar gemacht. Seitdem haben die Ausbrüche an Intensität zugenommen und der Vulkan wächst jedes Jahr um mehrere Meter. Heute hat der Anak mit seinen über 450 Metern ungefähr die Hälfte der Höhe des Krakatau von 1883 erreicht. Allein in den Jahren zwischen 1992 und 2000 hat er über 3000 Tonnen Material ausgespuckt.

Die Herausforderung der Zukunft

Die indonesische Vulkanbeobachtungsbehörde kontrolliert den Anak Krakatau sehr sorgfältig und achtet besonders auf die Viskosität, die Zähigkeit, des Magmas. Auch die Temperatur an der Oberfläche wird regelmäßig gemessen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Anak Krakatau einen immer größer werdenden Vulkan aufbaut. Durch die Vorgänge im Erdinneren wird sich das aufquellende Magma verändern und je zähflüssiger es ist, umso größer ist die Chance, dass es den Vulkanschlund mit einem Pfropfen verschließt. Das ist dann wiederum die Voraussetzung für eine explosionsartige Eruption.


So ist wohl nicht auszuschließen, das Anak Krakatau eines Tages mit ähnlicher Gewalt verheerende Zerstörung und unsagbares Leid über die Region bringen wird, wie dies im August 1883 geschehen ist. Nur allzu deutlich hat uns der Tsunami von 2004 vor Augen geführt, wie unberechenbar und grausam Naturgewalten zuschlagen. Längst ist es nicht mehr allein die ansässige Bevölkerung, die unter solchen Katastrophen zu leiden hat. Die Auswirkungen treffen die ganze Welt. Die Herausforderung der Zukunft besteht darin, die Kräfte der Natur nicht nur zu verstehen, sondern sie auch vorhersagen zu können.

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