Eine echte Rasselbande

Warum klappert die Klapperschlange?

Klapperschlangen sind die gefährlichsten Giftschlangen Mexikos. Schon den Azteken waren sie heilig. Ihr Abbild ziert unzählige Statuen und Ornamente, und der höchste Aztekengott Quetzalcoatl wurde als gefiederte Klapperschlange dargestellt. Die Indianer faszinierten ihr tödlicher Biss und ihre scheinbar übersinnlichen Fähigkeiten. Was weiß man heute darüber?

Klapperschlange, eingerollt
Klapperschlange, eingerollt Quelle: ZDF

Wie einige andere Schlangenarten haben die Klapperschlangen in ihrer Evolution tatsächlich einen sechsten Sinn entwickelt: Sie besitzen je ein Grubenorgan zwischen Auge und Nasenloch, mit dem Temperaturunterschiede wahrgenommen werden. So erkennt die Schlange die meist warmblütigen Beutetiere an ihrer Wärmestrahlung. Das Grubenorgan ist in der Lage, daraus ein räumliches Abbild der Wirklichkeit zu schaffen - ähnlich wie eine Infrarotkamera.

Gift als Jagdwaffe

Die Klapperschlange lauert ihrer Beute auf, vor allem Kleinsäugern wie Ratten oder Kaninchen. Hat sie ein Beutetier ausgemacht, beißt sie blitzschnell zu. Mit einem einzigen Biss injiziert sie bis zu 400 Milligramm Gift. Genug, um zehn Menschen zu töten - oder Tausende Mäuse. Das wirkt wie Verschwendung, doch die Schlange kann ihr Gift nicht dosieren. Die tödliche Wirkung setzt erst nach einiger Zeit ein. Schließlich spürt die Schlange das tote Tier auf und befördert es, meist mit dem Kopf voran, mithilfe ihrer Zähne in den Schlund. Ihr Unterkiefer besteht aus zwei beweglichen Teilen. So kann sie Beute verschlingen, die im Durchmesser wesentlich größer ist als sie selbst.

Querschnitt: Eine Schlange verschlingt eine Ratte (Animation)
Schlange frisst Ratte Quelle: ZDF

Von anderen Schlangen unterscheidet sich die Klapperschlange jedoch durch eine Besonderheit. Sie besitzt eine "Alarmanlage", die andere Tiere abschreckt und warnt: eine Rassel aus Hornringen am Schwanzende. Die Schlange klappert damit, wenn sie sich bedroht fühlt. Solange sie das tut, besteht keine unmittelbare Gefahr für ihr Gegenüber. Gefährlich wird es erst, wenn sie damit aufhört.

Klappern gehört zu ihrem Handwerk

Für die Schlange ist das Rasseln eine wirksame Strategie, mit ihrem Gift hauszuhalten. Denn das Klapperschlangengift ist zu kostbar, um es in Verteidigungsangriffen zu verschwenden, schließlich kann es Wochen dauern, bis der Giftvorrat wieder vollständig aufgefüllt ist. Neugeborene Klapperschlangen sind zwar schon ebenso giftig wie ausgewachsene, sie können aber noch nicht klappern. Die Hornrassel wächst erst mit den Häutungen. Droht Gefahr, bleibt Ihnen nur ihr Gift zur Abwehr. Schlangen mit prachtvollen Klappern sind damit weniger gefährlich. Sie haben ihre Strategie zum Giftsparen perfektioniert und warnen vor Angriffen.

Schwanzrassel der Klapperschlange
Schwanzrassel Klapperschlange Quelle: ZDF

Diese Warnung zu ignorieren und die Tiere zu reizen, ist nicht ratsam: Das Gift von Klapperschlangen ist hochtoxisch. Es dringt in die Blutbahn ein, schädigt Blutzellen und stört die Blutgerinnung - manchmal so stark, dass gebissene Menschen innerlich verbluten. Jede Klapperschlangenart hat ihren eigenen Giftcocktail, für den ein spezielles Gegengift benötigt wird. Klapperschlangen gibt es nur auf dem amerikanischen Kontinent. 31 der 37 bekannten Arten leben in Mexiko. Vor mehr als fünf Millionen Jahren ist dort ihre Klapper zur Abwehr entstanden - ein Erfolgsmodell der Evolution.

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