Eine lebensspendende Flut

Der Okawango in der Kalahari-Wüste

Wie eine riesige, fruchtbare Oase inmitten der Kalahari-Wüste liegt im Nordwesten Botswanas das Okawango-Delta. Auf Tausenden Quadratkilometern versickern hier die Fluten des Flusses, der auf dem Weg von seiner Quelle im Hochland Angolas bis in die Wüste etwa 1800 Kilometer zurückgelegt hat.

Regen im Okawango-Delta Quelle: ZDF

Die Kalahari ist die zentrale Wüste des südlichen Afrika. Bevor der Okawango dorthin gelangt, windet er sich wie eine gigantische Schlange durch ein breites Tal: eine Region, die auch "Panhandle" genannt wird - also der "Pfannenstiel" der Kalahari.

Ein Paradies entsteht

Wenn die Sommerregen Angolas das Okawango-Delta erreichen, wird von April bis Oktober eine Fläche von 16.000 Quadratkilometern überflutet und die trockene Wüste in ein üppig grünes Paradies verwandelt. Das Wasser des Okawango ist reich an Nährstoffen, Schlamm und Sand. Damit baut der Fluss Sandbänke und Inseln, und das Flussbett erhöht sich von Jahr zu Jahr ein wenig.

Krokodil am Ufer Quelle: ZDF

In die Sandbänke legen Krokodile ihre Eier, die dann von der Sonne drei Monate lang ausgebrütet werden. Wenn das Wasser steigt, schlüpfen die Jungen aus. Innerhalb weniger Wochen verteilen sie sich in alle Richtungen. Manche werden im Talbereich des "Panhandle" bleiben, doch einige folgen dem Flusslauf und stranden Hunderte von Kilometern entfernt in der Wüste.

Dickhäuter als Landschaftsgestalter

Im Delta verzweigt sich der Fluss zu einem Gewirr von zahllosen, bis 200 Meter breiten Flussarmen und Seen. Dazwischen liegen große Schilf- und Papyrussümpfe, in denen zahlreiche Fische und Insekten Schutz suchen. Sie müssen sich vor kleinen Krokodilen in Acht nehmen, die hier auf Beutezug sind. Allerdings sind auch die kleinen Reptilien vor hungrigen Jägern nicht sicher. Von den Tausenden Krokodilen, die jährlich auf die Welt kommen, werden nur wenige groß genug, um selbst wieder Junge zu zeugen.

Luftaufnahme Okawango-Delta Quelle: ZDF

Auf dem Höhepunkt der alljährlichen Flutwelle brechen große Papyrusinseln ab und treiben flussabwärts. Die runden Papyrusflöße driften oft in ruhige Lagunen und kleinere Kanäle. Wenn sie sich dort festsetzen, können die Kanäle verschwinden, und das Wasser muss sich einen anderen Weg suchen. Neue Flussarme entstehen. Elefanten und Flusspferde werden von der reichen Pflanzennahrung angelockt. Indem sie sich ihren Weg durch den dichten Papyrus brechen, halten sie alte Kanäle frei und erschaffen neue.

Ein gigantischer Schwamm

Die Wurzeln des Papyrus filtern das trübe Flusswasser. Kristallklar umspült die Flut die Unterwasserpflanzen mitten in dem riesigen Feuchtgebiet. Unterhalb der Pflanzendecke findet sich einer der Schlüssel zu dieser ungewöhnlichen Landschaft. Die Wasserpflanzen sitzen auf einem dichten Wurzelgeflecht, das bis zu zwei Meter dick werden kann. Diese Pflanzenfasern halten das Wasser zurück wie ein gigantischer Schwamm. Daher fällt das Sumpfgebiet niemals trocken.

Trotz allem geht ständig viel Wasser verloren. Die intensive Sonnenstrahlung und trockene Wüstenluft verdunsten das Wasser so schnell, dass große Mengen Salze zurückbleiben. So viel, dass eigentlich das ganze Okawango-Delta längst zu einem gigantischen, leblosen Salzsumpf hätte verkommen müssen. Nur die Bäume verhindern das. Sie nehmen das Wasser schneller auf, als es verdunsten kann, und sorgen dafür, dass sich die Salze unter den Baumwurzeln konzentrieren. So bleibt das Wasser im Sumpf frisch.

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