Eine unerwartete Allianz

Im Land der glitzernden Steine

Nach erbittertem Kampf um Geld und Macht bestimmten die beiden Konkurrenten gemeinsam das Schicksal eines halben Kontinents.

Wirtschaftlich musste Rhodes zunächst Niederlagen einstecken. Barnato wehrte jeden Übernahmeversuch ab. Gegen das immense Kapital seines Gegners war Rhodes machtlos. Zähneknirschend verkaufte er De Beers Anteile an die Londoner Rothschild-Bank. Erst mit dem Gewinn konnte er eine weitere Attacke gegen Barnato unternehmen.

Der Jahrhundertdeal

Barnato erhielt von dem listigen Unternehmer ein verlockendes Angebot. Als er seinem Neffen Joel, einem Teilhaber der Firma, von der Sache erzählte, zeigte sich der Junge skeptisch. Rhodes stelle ihnen sicher eine Falle. In einer hitzigen Diskussion wogen die beiden das Für und Wider ab. Barnato glaubte, sein Kontrahent habe sich beim gemeinsamen Börsenduell übernommen und habe deshalb ein großes Aktienpaket an die Rothschild-Bank verkaufen müssen. Im Geschäftszimmer von De Beers fädelten die zwei mächtigsten Minenbesitzer den Jahrhundertdeal ein. Für eine große Menge wertvoller Diamanten wollte Rhodes 1,7 Millionen Pfund haben - eine astronomische Summe. Die Steine waren von erlesener Qualität und bereits fein säuberlich nach Farbe, Karat, Form und Reinheit sortiert, eine Arbeit von mindestens sechs Wochen.

Reingelegt

Die Kontrahenten wurden handelseinig und die Steine in einen Eimer geschüttet. Aber Rhodes hatte Barnato doch überlistet, denn er konnte den Erlös sofort in Aktien investieren. Barnato hingegen brauchte mindestens sechs Wochen, um die Steine neu zu sortieren. Erst dann konnte er sie zu barer Münze machen. Aber Barnatos Ärger verrauchte schnell. So trugen die beiden den Eimer mit dem ungewöhnlichen Inhalt sehr zum Erstaunen der Bürger einträchtig durch die Straßen von Kimberley in Barnatos Büro. Die Börse reagierte prompt auf den raffinierten Schachzug. De Beers Aktien schnellten in die Höhe. Im Gegenzug brachen Barnatos Papiere kurzfristig ein. Die Zeitungen kommentierten, Rhodes habe zwar eine Schlacht gewonnen, nicht aber den Krieg. Zu keiner Zeit verlor der De Beers-Eigner sein Ziel aus den Augen, Barnatos Unternehmen zu schlucken. Doch Rhodes' Rastlosigkeit forderte ihren Tribut. Eine angeborene Lungenschwäche zwang den Engländer immer wieder zu Ruhepausen.

Drang nach Anerkennung

Trotz seiner vielen Millionen ging Barney Barnatos größter Wunsch bislang nicht in Erfüllung: gesellschaftliche Anerkennung. Nur in den Kaschemmen fand er sie, wenn er vor dem ungebildeten Publikum Shakespeare-Gedichte rezitierte oder mit gekonnten Tanzeinlagen brillierte. Mit einem ungehobelten Gaukler gab sich die hochnäsige Kolonialclique nicht ab. Höflich, aber bestimmt verwehrte sie ihm die Mitgliedschaft im exklusiven Kimberley Club. Seit Jahren stand er lediglich auf der Warteliste. Seine niedere Herkunft machte ihn zum ungeliebten Außenseiter. Cecil Rhodes setzte gegen den Widerstand der "feinen Herren" die Mitgliedschaft von Barnato im Club durch. Der Skandal war perfekt, als die versammelten Honoratioren den Raum demonstrativ verließen. Aber Rhodes' geschickter Schachzug erfüllte seinen Zweck. Endlich überschrieb der dankbare Barnato der De Beers Mining Company alle Anteile seines Diamanten-Imperiums. Ein Scheck über mehr als fünf Millionen Pfund ging am 18. Juli 1889 an den Sohn eines Lumpenhändlers. Für umgerechnet etwa eine halbe Milliarde Euro gab Barnato seine Mine auf - als Preis für die Aufnahme in die feine Gesellschaft von Kimberley.

Gerüchte um den Handel

Wie eine Ikone hängt der Originalscheck noch immer im alten Geschäftszimmer von De Beers. Gerüchte, Rhodes und Barnato hätten schon lange vor der Übernahme ihre Zusammenarbeit beschlossen, kursieren bis heute. Die Spekulationen gehen sogar weiter: Die beiden Männer sollen das unerbittliche Duell nur für die Öffentlichkeit inszeniert haben, um die Börsenkurse in die Höhe zu treiben. Fortan führten sie das Unternehmen als Direktoren auf Lebenszeit gemeinsam.

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