Eine verhängisvolle Liaison

Thronfolger Ludwig XVI. heiratet eine Österreicherin

Österreich, Schloss Schönbrunn. Am 2. November 1755 wird Marie Antoinette am Wiener Kaiserhof geboren. Kein Zwang, keine Pflichten beschweren das Leben der Prinzessin, bis Kaiserin Maria Theresia die Verheiratung ihrer Tochter mit dem französischen Thronfolger arrangiert.

Die Verheiratung ist eine Entscheidung aus Gründen der Staatsräson. Die Verbindung soll das noch junge Bündnis zwischen Österreich und Frankreich festigen. Am 19. April 1770 findet in der Wiener Augustinerkirche die Prokura-Trauung des Paares statt, ein paar Tage später die Zeremonie der Brautübergabe an der österreichischen Grenze.

Symbolischer Akt



Die Übergabe wird zu einem symbolischen Akt. In einem eigens errichteten Pavillon auf der Rheininsel zwischen Straßburg und Kehl muss Marie Antoinette ihre Kleider ablegen und nackt die Grenze überschreiten. Kein Faden an ihrem Körper soll sie mehr an die Heimat binden. Der Weg nach Versailles; Marie Antoinette scheint es der Weg in eine goldene Zukunft - als kommende Königin von Frankreich.

Kinderloser Alptraum

Nach der Trauung in der Schlosskapelle starrt der gesamte Hof, so scheint es, auf das königliche Bettlaken. Doch Marie Antoinette begegnet einem Mann, der weder mit Charme und äußerer Attraktivität noch mit der erwarteten Potenz gesegnet ist. Im Bett des Paares geschieht "rien", nichts. Der Potentat ist impotent. Ein Zustand, der bereits den beginnenden Countdown für den Sturz der Monarchie symbolisiert.


Ehe und Thron sind Forderungen, denen sich König Ludwig XVI. anscheinend nicht gewachsen fühlt. Sieben lange Jahre bleibt das Paar kinderlos. Für die Politik eine Staatsaffäre, für das Königspaar ein Alptraum. Eine Königin, die dem Königreich keinen Erben schenkt, ist in den Augen der Öffentlichkeit keine Königin, sondern allenfalls eine Mätresse, eine Hure.




Nach acht Jahren bekommt Marie Antoinette endlich ihr erstes Kind. Die Pflichten als Ehefrau scheinen erfüllt. Doch ihre unersättliche Lebenslust sucht nach Kurzweiligkeit. Mit immer neuen, immer teureren Kleidern und extravagantem Schmuck schafft sie sich Befriedigung und Glück. Blind für die Armut des Volkes, verschwendet die Königin Unsummen für ihren aufwendigen Lebensstil. Die Ausgaben häufen sich zu einem ungeheueren Schuldenberg. Von Jahr zu Jahr wird ihr Ruf als "Madame Defizit", "die Verschwenderin" lauter.

Die Halsbandaffäre

Ein Diamantencollier im Wert von umgerechnet fünf Millionen Euro wird zum corpus delicti und öffentlichen Skandal. Über einen ahnungslosen Mittelsmann vereinbaren Betrüger im Namen Marie Antoinettes den Kauf des mit 156 Diamanten besetzten Colliers. Angeblich besiegelt die Unterschrift der Königin den Kaufvertrag. Der Schriftzug "Marie Antoinette de France" ist jedoch eine Fälschung. Der betrügerische Handel im Namen der nichts ahnenden Königin ist dennoch perfekt. Als der Schwindel auffliegt, ist es längst zu spät. Aus einer Gaunerkomödie ist die Halsbandaffäre geworden - und - statt an die Täter ergeht die Schuldzuweisung an die Königin. Wie nie zuvor steht Marie Antoinette jetzt am Pranger des öffentlichen Hasses und Hohngelächters.

Wer war diese Frau, die angesichts der Französischen Revolution 1789 wie aus einem Traum erwacht? In Wien, im Haus-, Hof- und Staatsarchiv sind die gesammelten Schriftdokumente der Habsburger aufbewahrt. Hier befindet sich die umfassende Korrespondenz Marie Antoinettes mit ihrer Familie. Darunter auch der geheime Briefwechsel zwischen Kaiserin Maria Theresia und ihrer Tochter. Dokumente, die zeigen, wie genau man in Wien vom Treiben in Paris unterrichtet war.

Triumph als Frau




In Frankreich schlägt die Königin alle Ermahnungen der Mutter leichtfertig in den Wind und amüsiert sich weiter. Die Hauptstadt Paris erobert Marie Antoinette. Als Frau, nicht als Königin sucht sie ihren Triumph. Die Nacht wird ihr zur Bühne, das Leben zum Maskenspiel. Nur einem zeigt sie sich unverstellt; dem jungen Offizier Axel von Fersen, dem sie sich geheimnisvoll verbunden fühlt und der doch ihr Schicksal besiegeln wird.



Repräsentieren ist für die Königin nur eine unerträgliche Pflichterfüllung. Das Ruhezimmer ist ihr Ort des Rückzugs von der Wirklichkeit. Hier schläft sie nach durchwachten Nächten, nicht ahnend, dass währenddessen außerhalb des Schlosses Argwohn und Misstrauen gegen ihr Verhalten unaufhörlich wachsen.

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