Einen Schritt voraus

Technische Innovationen bringen die VOC voran

Der Überseehandel der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC) nahm vielen Seefahrern das Leben, viele kehrten niemals in ihre Heimat zurück. Dabei waren die Niederländer des 17. Jahrhunderts sehr fortschrittliche Schiffbauer und Seefahrer. Ständige Weiterentwicklung lautete die Devise.

Ausschnitt des Batavia-Nachbaus

Im holländischen Lelystad ist nach Fundstücken und alten Plänen der Nachbau eines Ostindienseglers, der Batavia, entstanden. Ein Kunstwerk aus Eichenholz: 56 Meter lang, Platz für 340 Mann Besatzung und 550 Tonnen Ladung. Ein Schiff vom Typ Galeone, mit insgesamt drei Masten.

Rationalisierung vor 400 Jahren

Möglich ist der exakte Nachbau durch Wrackfunde aus dem Schlick der Nordsee. Sie gaben Archäologen über die erstaunlichen technischen und organisatorischen Fähigkeiten der Schiffbauer vor über 400 Jahren Aufschluss. Vor allem über die Frage, wie es der VOC möglich war, in nur zehn Jahren über 4000 Schiffe in Dienst zu stellen. Das Erfolgsgeheimnis hieß: Rationalisierung.

In der Epoche der VOC, dem ersten Großkonzern der Welt, geschah ein Quantensprung im Schiffbau. Die VOC war so gut organisiert, dass sie sich auch um die Details des Schiffbaus kümmern konnte. Wenn ein Schiff von der weiten Reise nach Ostindien, dem heutigen Indonesien, zurückkam, wurde es genau unter die Lupe genommen.

Bauch der Batavia-Nachbildung vor der Fertigstellung Quelle: ZDF

Ständige Verbesserungen

Experten untersuchten die Probleme eines Schiffes genau, besonders um Verbesserungen in Sachen Stabilität und Schnelligkeit erreichen zu können. Die genauen Analysen gab die VOC umgehend an die Schiffbauer in Amsterdam weiter, die dann die neuen Schiffe entsprechend veränderten, also zum Bespiel mit einer verbesserten Außenhaut ausstatteten. So konnten die meisten Schiffe schnell wieder auf Fahrt zu den Gewürzinseln Indonesiens gehen.

Schnell waren die niederländischen Schiffe den europäischen Konkurrenten überlegen. Besonders in der Zuverlässigkeit der Ostindiensegler machte niemand den niederländischen Schiffbauern etwas vor. Einen gewichtigen Beitrag dazu leistete eine weitere technische Revolution: windbetriebene Sägemühlen.

Schneller und präziser

Mit ihrer Hilfe ließen sich genormte Planken für den Schiffsbau anfertigen. Die Holzbretter konnten in großer Stückzahl hergestellt werden, weil die Sägemühlen dreißig mal schneller arbeiteten als ein Arbeiter mit einer Handsäge. Die Schiffe der Niederländer waren belastbar, wendig und manöverfreundlich.

Windmühlengetriebene Sägeblätter Quelle: ZDF

Allerdings hatte die ausgefeilte Technik auch Grenzen. Die mächtigen Rahsegler konnten - im Gegensatz zu einer modernen Segeljacht - nur vor dem Wind fahren. Das so genannte Aufkreuzen gegen die Windrichtung konnte die komplizierte und empfindliche Konstruktion noch nicht leisten.

Unverzichtbarer Umweg

Auf der Fahrt nach Asien mussten die Kapitäne deshalb einen enormen Umweg in Kauf nehmen. Weil die so genannten Passatwinde in Äquatornähe nach Westen wehen, steuerten die Schiffe zunächst Richtung Brasilien. Weiter südlich wechselt der Wind dann in östliche Richtung und trieb die Segler am Kap der guten Hoffnung vorbei in Richtung Indien und Indonesien.

Doch wie fanden die Schiffsmannschaften überhaupt ihren weiten Weg nach Ostindien? Seekarten waren die eigentliche Versicherungspolice der Segler. Die Kartenzeichner waren unverzichtbare Mitarbeiter. Ein herausragender Könner in Sachen Kartografie war ein Mann namens Gerhard Mercator. Der Holländer löste das Problem, wie man einen runden Globus auf einem flachen Stück Papier abbilden kann.

Einfaches Prinzip - kostbare Karte

Mercator-Prinzip Quelle: ZDF


Mercator legte einen Zylinder um den Globus und projizierte die Küstenverläufe und andere Punkte der Erdoberfläche vom Mittelpunkt des Planten aus auf den Zylinder. Wenn man den Zylinder gedanklich aufschneidet, erhält man eine Karte. Längen- und Breitengrade treffen im rechten Winkel aufeinander - die Grundvoraussetzung, um mit der Karte zu navigieren.


Eine solche Karte wurde im 17. Jahrhundert als Schutz vor der Konkurrenz wie ein Staatsgeheimnis gehütet, genauso wie alles andere, was mit den Erkenntnissen der Seefahrt zu tun hat.

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