"Einig im Dschihad"

Muslimische Kämpfer beenden den Zweiten Kreuzzug

Die muslimischen Kämpfer träumen von der Rückkehr nach Jerusalem und planen den großen Gegenschlag - einen Dschihad. Dschihad ist das Schlüsselelement in der Waffenkammer der muslimischen Ideologie. Der Begriff stammt aus der Zeit des Propheten Mohammed im 7. Jahrhundert.

Er ist Bestandteil der islamischen Glaubensgeschichte und nicht als Gegenmittel gegen die Kreuzzüge erfunden, sondern nur wiederentdeckt worden.

Denkwürdige Schlacht

Imad ad-Din Zengi, türkischer Herrscher von Mossul und Aleppo, ist der erste, der den Begriff "Dschihad" für seinen Kampf gegen die Kreuzritter in Anspruch nimmt. 1144 erscheint er mit 30.000 Mann vor den Mauern des christlichen Edessa. Die denkwürdige Schlacht hat Ibn al-Athir in seiner Chronik festgehalten.




Zengis Truppen können die Befestigungen nicht bezwingen. Da greift der Feldherr zu einer List. Er lässt graben, denn er weiß, dass die mächtigen Mauern über einem natürlichen Höhlensystem errichtet wurden. Die unterirdischen Gänge sind zwar gesichert, doch die Verteidiger können nicht verhindern, dass einige islamische Kämpfer zu den neuralgischen Punkten der Wehranlagen vordringen - zu den hölzernen Pfeilern, auf denen Teile der Mauern ruhen. Von den Flammen verzehrt, gibt die Stützkonstruktion nach. Die Fundamente sacken weg. Durch die Bresche dringen Zengis Truppen ungehindert in die Stadt vor.

Psychologisch wichtiger Sieg

Der als unsagbar grausam bekannte türkische Warlord lässt ein Massaker unter der Bevölkerung Edessas anrichten. In Panik fliehen die Menschen zur Zitadelle, doch es gibt kein Entrinnen. Tausende Männer, Frauen und Kinder werden ermordet. Edessa ist nun - 46 Jahre nach der Besetzung durch Balduin von Boulogne - wieder in islamischer Hand. Ein psychologisch wichtiger Sieg für die Moslems. Imad ad-Din Zengi, als Kriegsheld gefeiert, doch als Mensch auch im eigenen Lager verhasst, wird zwei Jahre später von seinem Sklaven ermordet. Zengis Sohn, Nur ad-Din, übernimmt die Herrschaft. Er will wie sein Vater gegen die Christen kämpfen. Der Wahlspruch Nur ad-Dins: "Einig im Dschihad".

Als Papst Eugen III. die Nachricht vom Fall Edessas erhält, ruft er 1145 zum Zweiten Kreuzzug auf. Der Zweite Kreuzzug ist ein außerordentlich ambitioniertes Unternehmen. Der christliche Herrschaftsbereich soll in alle Himmelsrichtungen ausgedehnt werden. Man glaubt an eine Neuauflage des Ersten Kreuzzugs. Die Kreuzfahrer werden aufgerufen, in die Fußstapfen ihrer Väter zu treten.

Tief gläubiges Herrscherpaar

Auch einer der mächtigsten Männer des Abendlandes, König Ludwig VII. von Frankreich, folgt dem Ruf zu den Waffen, begleitet von seiner Gattin, Eleonore von Aquitanien. Das tief gläubige Herrscherpaar ist fest entschlossen, die Taten der ersten Kreuzfahrer durch die Rückeroberung Edessas und die Vergrößerung der christlichen Gebiete zu ehren.


Doch Ludwig verfügt nur über geringe militärische Erfahrung. Im Mai 1147 aufgebrochen, gerät sein 30.000-Mann Heer in den anatolischen Winter. Im unwegsamen Hochland wird die Elitetruppe schwer bewaffneter Templer vom Tross des Königs getrennt - eine einmalige Chance für die Seldschuken. Was dann geschieht, ist in den Augen des Wilhelm von Tyros eine Strafe des Himmels.

Neues Ziel Damaskus

Das Königspaar entkommt mit knapper Not, doch Tausende Kreuzfahrer haben ihr Leben verloren. Statt im Norden Edessa will Ludwig nun weiter südlich Damaskus erobern. Am 24. Juli 1148 beginnt der französische Herrscher mit der Belagerung der politisch unabhängigen moslemischen Stadt. Vor den Wehrmauern kommt es zum Kampf. Die Christen stoßen auf entschiedene Gegenwehr. Nach viertägiger Schlacht müssen sich die Verteidiger hinter ihre Mauern zurückziehen - zu mächtig ist der Feind. Doch die Kreuzfahrer können die gut befestigte Stadt nicht einnehmen.



In ihrer Not werfen sich die Belagerten in die Arme Nur ad-Dins. Ein Beistandsgesuch aus Damaskus erreicht den großen islamischen Führer. Das Eingreifen Nur ad-Dins bedeutet das Ende für den Zweiten Kreuzzug. König Ludwig zieht sich ruhmlos nach Frankreich zurück - ein schmachvoller Abgang, kein gutes Omen für die Christen im Heiligen Land.

Geschlagene Europäer

Das Fehlschlagen des Zweiten Kreuzzuges lässt die muslimische Welt aufatmen. Ihr Gott hatte ihnen den Sieg geschenkt. Nun schöpfen sie Hoffnung. Beim Ersten Kreuzzug hatten die Franken die Moslems besiegt. Nun ist ein westlicher König erschienen und gescheitert. Die Europäer sind also zu schlagen. Vielleicht konnten die Moslems die Christen am Ende sogar vertreiben.

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