Eiszeit in den Alpen

Golfstrom als Ursache des Klimawandels in Europa

Die Alpen sind Europas mächtigstes Gebirge. Millionen Besucher genießen dort jedes Jahr die schönen Seiten des Winters. Und doch ist diese weiße Welt nicht zu vergleichen mit den Zeiten, als ganz Europa im Eis versank.

Zeugen der Eiszeiten finden sich überall. Am Eindrucksvollsten ist das Matterhorn, eine gigantische Pyramide aus Fels, fast 4500 Meter hoch.

Europa als Teil der Arktis

Vor 20.000 Jahren ragt nur die Spitze des Berggiganten aus einem Meer aus Eis heraus. Die Alpen und der größte Teil Nordeuropas sind Teil der Arktis. Die Bedingungen sind extrem rau. Unablässig fegen eisige Orkane über das Land. Die Luft ist schneidend kalt: minus 50 Grad und darunter.


Was hat diese Klimakatastrophe ausgelöst? Ein Faktor ist die Umlaufbahn der Erde - sie ist nicht exakt kreisförmig, sondern elliptisch. Damit ist unser Planet manchmal näher und manchmal ferner zur Sonne. Auch ändert sich, wie bei einem schwankenden Kreisel, laufend die Ausrichtung der Erdachse. Vor zwei Millionen Jahren wirken diese Faktoren so zusammen, dass sich die nördliche Halbkugel abkühlt. Die Sommer werden kürzer, die Winter zusehends strenger.

Der Golfstrom ist geboren



Doch Kälte allein macht noch keine Eiszeit. Dramatisch wird die Abkühlung erst durch ein Ereignis auf der anderen Seite der Welt. Die gerade entstehende Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika unterbricht den Strom tropisch warmen Wassers vom Atlantik zum Pazifik und leitet ihn nach Norden um. Der Golfstrom ist geboren. Sein warmes Wasser bringt gewaltige Massen feuchter Luft nach Europa. Erreichen diese Wolken die kälteren Regionen im Norden Europas, geben sie die Feuchtigkeit als Schnee ab. In Mengen, wie sie hier bisher noch nicht gefallen waren.

Mit den sinkenden Temperaturen wird das Überleben für die Bewohner Nord- und Mitteleuropas immer härter. Kälteangepasste Tiere wie die Moschusochsen sind jetzt im Vorteil. Wärmebedürftige Arten wandern ab oder sterben aus. In den kurzen Sommern grasen Rentierherden am Rande der Schneefelder. Die Winter werden jedoch immer länger und die Kälte unerbittlicher. So müssen selbst diese genügsamen Tiere in den Süden abziehen. Unter den Schneemassen finden sie hier bei weniger als 40 Grad Minus kaum noch Flechten und Moose.

Teile des Meeres frieren zu

Ohne sommerliche Schneeschmelze türmen sich die Schneemassen Jahr für Jahr immer weiter auf und werden schließlich unter ihrem eigenen Gewicht zu festem Eis zusammengepresst. Auch weite Teile des Meeres frieren zu. Der riesige Eispanzer über Europa reflektiert die Sonnenwärme zurück ins All. Die Eisschilde bedecken zunächst Skandinavien, Schottland und Sibirien, in manchen Phasen auch Norddeutschland, die Niederlande und Polen. Zeitweise erreichen sie eine Dicke von zwei Kilometern.

Spuren der weitesten Gletschervorstöße finden wir überall in Mitteleuropa. Beim Bau der U-Bahn stoßen Wissenschaftler Ende des 19. Jahrhunderts mitten in London auf ungewöhnliche Erdschichten. Es sind eindeutig Gletschermoränen. Sie beweisen, dass vor 500.000 Jahren an der Finchley Road Station der Rand des nordeuropäischen Eisschildes verläuft. Man stelle sich vor, wie London damals ausgesehen hätte, als die Gletscher der Eiszeit ihre größte Ausdehnung erreichen. Der Rand des Eisschildes zieht sich zeitweise quer durch Europa. Auch Amsterdam wäre unter Gletschern versunken. Ebenso Berlin. Eine Vereisung von so gewaltigen Dimensionen verändert einen ganzen Kontinent.

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