Sie sind hier:

Eldorado für Grabräuber

Lukrative Höhle mit vielen Sarkophagen bei Deir el Bahari

Das Neue Reich bringt einige der weltberühmten Herrscher des Landes hervor - darunter auch Echnaton und Tutenchamun. Eine goldene Ära, die vor rund 3.500 Jahren begann und fünf Jahrhunderte währte. Die Pharaonen lassen gewaltige Statuen und Bauwerke errichten. Ägypten blüht zu einer der mächtigsten Nationen der damaligen Welt auf.

Die Regenten jener Epoche begründen das Tal der Könige. Ihre prunkvollen Grabanlagen lassen sie zum Schutz vor einheimischen Plünderern tief in den Berg hinein meißeln. Doch viele der "Schatzkammern für die Ewigkeit" werden bereits im Altertum ausgeraubt.

Schillernde Ausnahme



Als die ersten Archäologen vor mehr als hundert Jahren in der felsigen Einöde zu graben beginnen, kommt der Frevel ans Licht. Nicht nur die kostbaren Beigaben fehlen, selbst die Mumien der Könige liegen nicht mehr unversehrt in ihrer Gruft - mit einer schillernden Ausnahme: Pharao Tutenchamun. Die Ruhestätten in der weitläufigen Hügellandschaft sind für die Bevölkerung aus der Region seit jeher eine Fundgrube, um schnelles Geld zu machen. Obwohl streng verboten, holen Banden die wertvollen Schätze aus den Gräbern. Seit Generationen leben ganze Dörfer vom Verkauf der Ware auf dem Schwarzmarkt.

Besonders die Rasuls haben als Grabräuber-Dynastie für Schlagzeilen gesorgt. 1875 machen Mohammed und seine Brüder die Entdeckung ihres Lebens. Auf einem ihrer Streifzüge stoßen sie bei Deir el Bahari auf einen tiefen Schacht. Der junge Rasul hat eine Höhle mit Sarkophagen gefunden. Seine finanzielle Zukunft ist damit gesichert. Sechs Jahre lang hütet der Clan das Geheimnis. Ab und an verkaufen die Brüder einzelne Stücke an Händler, dann fliegt die Sache auf. Über die angebotenen Antiquitäten geraten die üblichen Verdächtigen ins Visier der Behörden - allen voran die Rasuls.

Schutz vor Plünderungen

Ein deutscher Ägyptologe inspiziert im Auftrag der Regierung die unterirdische Stätte. Der riesige Raum ist mit prächtig geschmückten Särgen angefüllt. Auf den Kartuschen sind die Namen bedeutender Gottkönige aus dem Neuen Reich - darunter Thutmosis III., Sethos I. und Ramses II. Getreue Priester hatten die prominenten Toten vor langer Zeit in das Sammellager geschafft, um sie vor schändlichen Plünderungen zu schützen. Innerhalb von 48 Stunden lässt die Polizei die so genannte "Cachette" räumen und die königlichen Mumien ins Ägyptische Museum nach Kairo schaffen.

Erstaunlich gut erhaltener Körper

Schon im Neuen Reich werden die Gräber im Tal der Könige geplündert. Schließlich sehen die Priester um etwa 1000 vor Christus keine Möglichkeit mehr, die Mumien in ihren Gräbern zu schützen. Deswegen verteilen sie die Pharaonen auf mehrere Verstecke. Ohne wertvollen Grabschmuck sind sie für Räuber dort uninteressant und unter dem Schutz der Priester. Allein das Neue Reich erlebte drei Dynastien mit mehr als 30 Herrschern. Doch nur die Leichname von etwa 20 Pharaonen konnten bisher geborgen und identifiziert werden.


Etwa zwei Jahre nach dem Deutschen Meinhard Hoffmann kommt Gayle Gibson ins Museum an den Niagara-Fällen. Auch der jungen Ägyptologin fallen bei der schon einmal untersuchten Mumie die gekreuzten Arme auf. Sie bittet den erfahrenen Kollegen Aidan Dodson um Bewertung. Nicht allein die Pose alarmiert den Wissenschaftler, vielmehr wundert ihn der Zustand des Körpers. Er ist trotz der dauerhaft unsachgemäßen Aufbewahrung auffallend gut erhalten. Für eine erneute Erforschung des Skeletts gibt der Museumsbesitzer keine Erlaubnis. Erst 1994 dürfen die beiden Experten aus den Muskelfasern eine Probe entnehmen. Mit einer Radiokarbon-Analyse wollen sie das Alter des Leichnams bestimmen - auch wenn die Voraussetzungen denkbar schlecht sind.

Dennoch erhärtet die Untersuchung den Verdacht von Aidan Dodson. Das so genannte C-14-Verfahren ordnet den Unbekannten in die Zeit zwischen 1085 und 790 vor Christus ein. Stimmt die Datierung, sind die Fachleute einen entscheidenden Schritt weiter. Er muss demnach mindestens 1.000 Jahre vor der Römerzeit gelebt haben. Damit deutet einiges auf einen König hin, denn über der Brust gekreuzte Arme finden sich in keiner anderen Zeit der ägyptischen Geschichte - außer bei den Pharaonen im Neuen Reich.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Abo beendet