Elite unter Druck

Patriarchen und Empörkömmlinge

Als Gegenspieler der Emporkömmlinge bestimmen Patrizier nach wie vor die politischen Geschicke der Stadt. Dazu gehört auch die Familie Terentius - Vater und Sohn Gaius.

Über Generationen stand ihr Name für Wohlstand und Einfluss. Doch das Unglück hat die Wirtschaftslage der Sippe erheblich verschlechtert.

Wachsende Macht

Der verstorbene Patron von Scaurus Vettius jedoch war reich. Bei der ehrwürdigen Bestattungszeremonie des Stadtrats tritt sein ehemaliger Sklave Scaurus zum ersten Mal offiziell als stolzer Erbe auf. Für die hohen Würdenträger unter den Trauergästen eine peinliche Szene. Denn für sie begeht der neue Hausherr einen nicht wieder gut zu machenden Fauxpas. Die Adligen wollen unter sich bleiben. Aufsteigern, die in ihre Positionen drängen, verweigern sie die Anerkennung. Doch die ständig wachsende Macht der freien Sklaven lässt sich nicht aufhalten. Die alten Zeiten sind vorbei.

Nicht immer ziehen die Leibeigenen mit ihrer Herrschaft ein schlechtes Los. Oft fühlen sie sich im Familienverband vollkommen integriert. Viele lernen lesen und schreiben, erwerben Bildung. Der Lieblingssklave des Terentius zeigt besondere Begabung. Jahre lang studiert er die klassischen Autoren. Während der täglichen Leibesübungen erfreut er den Patriarchen mit dem Rezitieren griechischer Philosophen und kann so seine Gunst gewinnen.

Glänzende Fassade

Wie kleine Kaiser residieren die Patriarchen jener Epoche. Ihre pompösen Villen mit sonnigen Innenhöfen und schattigen Säulengängen repräsentieren gesellschaftliches Ansehen und Reichtum. Die verschwenderische Ausgestaltung der Räume gleicht Kulissen in einem Theater. Eine geeignete Bühne für opulente Gelage. Doch hinter der glänzenden Fassade war die Idylle oft trügerisch. Auch Terentius muss Probleme lösen. Sein Sohn Gaius zeigt nicht den geringsten beruflichen Ehrgeiz. Von einer Karriere als Richter, Priester oder Offizier will er nichts wissen. Ein Müßiggänger, der seine Zeit mit dummen Spielchen vertrödelt. Für den alten Vater eine herbe Enttäuschung. Für den Sohn ein riskantes Verhalten. Denn die damalige Familienpolitik kennt keine Gnade und folgt strengen Regeln.

Der Patriarch hat das Recht, seine Söhne wie Sklaven zu behandeln. Die Stammhalter kennen keine Privatsphäre. Rund um die Uhr stehen sie unter strenger Kontrolle. Grund genug, die Aufsichtspersonen bei jeder Gelegenheit zu provozieren. Solange der Alte die Jungen nicht persönlich in die Selbständigkeit entlässt, hängen sie nicht nur finanziell von ihm ab. Bei schweren Vergehen kann er sie sogar hinrichten lassen. Oder - das kleinere Übel: sie als Sklaven verkaufen.

Jeder vierte ein Sklave

Im Pompeji boomt der Sklavenhandel. Mit jeder siegreichen Eroberung bringen die Römer Nachschub aus fremden Ländern. Zwischen zwei und drei Millionen Leibeigene leben im Reich. Jeder vierte Einwohner von Pompeji ist ein Sklave - insgesamt 5000 Menschen. Die meisten kommen aus Britannien, Gallien, Griechenland, Ägypten oder Schwarzafrika. Als Unfreie, fern der Heimat, schaffen nur wenige den Sprung in die Unabhängigkeit. Wer die Bürgerrechte erhält und es gar zu einem eigenen Domizil bringt - für den hat sich ein Traum erfüllt.

Scaurus Vettius gehört zu den Glücklichen. Längst nennt er eine ganze Schar von Dienstboten sein eigen. Darunter eine Konkubine, die von einem seiner Sklaven schwanger ist. Eine frevelhafte Liaison. Denn die Ehe unter Unfreien ist per Gesetz strikt verboten. Das Unglückspaar muss mit dem Schlimmsten rechnen. Das Schicksal der Liebenden liegt in der Hand ihres zornigen Patrons. Er könnte sie auspeitschen lassen oder den jungen Mann den wilden Tieren in der Arena zum Fraß vorwerfen. Es wäre sogar legal, beide in den Tod zu schicken. Ebenso wie die Entscheidung, ihnen die Freiheit zu schenken und damit die Möglichkeit auf ein besseres Leben.

Spezielle Gesetzte für Sklaven

Doch Scaurus Plan steht fest. Er behält die Sklaven im Haus, trennt sie aber voneinander. Sie dürfen sich nicht wieder sehen. Sie sollen leiden. Das Kind wird nach der Geburt ausgesetzt. So lautet sein Befehl. Überall in der Stadt spielten sich täglich ähnliche Dramen ab. Doch vollkommen vogelfrei waren die Sklaven nicht. Es gab Gesetze, die speziell für sie gemacht waren.

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