Empfindsame Dickhäuter

Die unglaublichen Fähigkeiten der Elefanten

Elefanten haben ein komplexes Sozialverhalten, das unter den Säugetieren einzigartig ist. Sie leben in flexiblen Gruppen, deren Zusammensetzung sich innerhalb von Stunden oder Tagen verändern kann, und sind fortwährend auf Wanderschaft. Die Fähigkeit zur Kommunikation ist bei den Elefanten daher hoch entwickelt - ebenso wie ihre Sinneswahrnehmung.

Elefanten haben den am besten entwickelten Geruchssinn aller Landtiere. Vermutlich sind sie dazu imstande, nahe Verwandte über den Geruchsinn zu unterscheiden. Und schon aus mehreren Kilometern Entfernung können die Tiere Wasservorkommen und besondere Nahrungsquellen erschnuppern.

Das Chili-Projekt

200 Kilogramm Futter benötigen die Dickhäuter am Tag. Obst und Gemüse sind für sie eine willkommene Abwechslung zu den Blättern in der Savanne. So kommt es öfter vor, dass sich Elefanten über die Äcker der sesshaften Bauern am Rande der Serengeti hermachen. Innerhalb von Minuten kann so die Jahresernte einer Bauernfamilie zunichte gemacht werden. Allzu aufdringliche Tiere werden dann oft erschossen.

Um das künftig zu verhindern, wurde in einem Projekt der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft eine neue Abwehrstrategie entwickelt, die sich die feine Nase der Elefanten zunutze macht. Den Geruch von Chili mögen die Elefanten überhaupt nicht. Wenn ölgetränkte Lappen und Brickets aus Elefantendung mit Chilikörner angezündet werden, entsteht ein Qualm, dessen Geruch die Elefanten wirkungsvoll abschreckt.

Differenzierte Sprache

Über ihren Geruchssinn sind die Elefanten in der Lage, Mitglieder des Familienverbands von fremden Artgenossen zu unterscheiden. Sie können sogar Spuren von Familienmitgliedern zurückverfolgen und herausfinden, wo diese sich gerade aufhalten. Besonders aufmerksam werden die Jungtiere beobachtet. Die Älteren investieren viel in die Aufzucht der Nachkommen: 22 Monate dauert die Entwicklung eines Embryos im Mutterleib. Anschließend bleiben die Jungen weitere zwei bis drei Jahre bei der Mutter.

Elefantenjunges sucht Schutz in der Herde
Elefantenjunges Herde Quelle: Wall to Wall

Elefanten kommunizieren sehr effektiv. Forscher haben herausgefunden, dass die Tiere in neun verschiedenen Lautarten miteinander "sprechen". Kontaktrufe dienen der Koordination der Gruppe und ihrer Wanderungen. Elefanten reagieren untereinander auf Hilfe- und Protestlaute und begrüßen bekannte Familien mit speziellen Lautäußerungen. Und wenn Gefahr droht, stößt die Leitkuh einen Warnruf aus, dem das Elefantenbaby sofort folgt. Zielstrebig orientiert es sich zur Mitte der Herde und sucht dort den Schutz der anderen Tiere. Dieses Verhalten ist überlebenswichtig, denn Raubtiere wie der Leopard können den Jungtieren durchaus gefährlich werden.

Hören mit den Füßen

Neben den lauten Rufen verfügen die Elefanten über ein weiteres Kommunikationssystem: Infraschall. In der Kehle erzeugen sie extrem langwellige, für Menschen unhörbare Botschaften. Die Nachrichten werden noch in 50 Kilometer Entfernung von Artgenossen wahrgenommen. Forscher haben herausgefunden, dass Herden vor allem auf die Warnrufe ihrer Verwandten reagieren - vielleicht, um die Gefahr von Fehlalarmen zu reduzieren. Der Infraschall wird aber nicht nur über die Luft, sondern auch über den Boden transportiert: Elefanten haben trotz ihrer Masse erstaunlich empfindsame Füße, mit denen sie die Schwingungen des Bodens durch den Infraschall erspüren können - sie "hören" mit den Füßen.

Elefantenherde sondern Schallwellen ab (Trick)
Elefanten mit Schallwellen Quelle: Wall to Wall

Die außergewöhnlichen Fähigkeiten der Rüsseltiere geben noch immer Rätsel auf. Ihr erstaunliches Sozialverhalten ist Anlass für vielerlei Mythen und Legenden. So sollen sie, wenn ein Familienmitglied stirbt, dem Menschen ähnlich Mitgefühl und Trauer empfinden. Beobachtungen legen sogar nahe, dass sie den Sterbeplatz Jahre später noch gezielt aufsuchen.

Mythos Elefantenfriedhof

Berühmt sind die Geschichten von Elefantenfriedhöfen - von geheimen Orten, an die sich die Dickhäuter zurückziehen, wenn sie nicht mehr lang zu leben haben. Doch was davon ist Mythos und was lässt sich wissenschaftlich belegen? Tatsächlich gibt es in Tansania Orte, an denen sich auffallend viele Elefantenskelette finden. Und so viel ist sicher: Wenn ein Elefant spürt, dass sein Ende nah ist, entfernt er sich von der Herde und zieht sich in ein Gebiet zurück, in dem auch schon andere Elefanten gestorben sind. Warum tun die Tiere das?

Den Schlüssel zu diesem Geheimnis fanden Forscher im Maul der Elefanten. Ein Elefant bekommt sechs Mal im Leben neue Zähne. Wenn er ungefähr 60 Jahre alt ist, sind die letzten Zähne abgenutzt und er kann keine harten Blätter mehr kauen. Die alten Tiere ziehen daher in Regionen, in denen besonders weiche Gräser wachsen. Dort bleiben sie, bis sie sterben - wie schon ihre Vorgänger. Kommen Herden an die Sterbeplätze, so sollen die Tiere die Knochen ihrer Verwandten erkennen und bei ihnen besonders lange verweilen.

Knochen mit Bedeutung

Aber stimmt das, können sie die Knochen tatsächlich ihren Verstorbenen zuordnen? Um das zu testen, legten Forscher eine große Zahl Elefantenskelette zusammen mit Skeletten anderer großer Tiere auf einem Gelände aus. Was sie beobachteten, war erstaunlich: Elefanten können die Knochen von Artgenossen klar von denen anderer großer Säugetiere, wie zum Beispiel Nashörnern, unterscheiden.

Sie untersuchen vor allem Schädel und die Stoßzähne mit Rüssel und Füßen. Allerdings machen sie keinen Unterschied zwischen fremden Tieren und Familienmitgliedern. Dennoch bleibt ein ungelöstes Rätsel: Noch weiß niemand, was sie an den Überresten ihrer Artgenossen so interessiert.

Je älter, desto weiser

Die faszinierenden Tiere haben sich in den vergangenen Jahren im Schutz der Nationalparks stark vermehrt. Doch ihre Zukunft ist ungewiss. Für Wilderer sind besonders die älteren Tiere - die Leitkühe - mit ihren ausgeprägten Stoßzähnen interessant. Wie fatal die Spätfolgen solcher Wilderei sind, belegen Elefantenbeobachtungen von Forschern im Tarangire-Nationalpark.


In dieses Schutzgebiet hatten sich viele Herden nach wiederholten Angriffen von Wilderern zurückgezogen. Eine Vielzahl dieser Herden hatten ihre älteren Anführerinnen, etwa 40 bis 50 Jahre alte Elefantenkühe, verloren. In langen Dürreperioden finden diese normalerweise immer noch den Weg zu spärlicher werdenden Wasserstellen. Jüngere Leittiere sind damit überfordert, sie besitzen nicht die gleiche Lebenserfahrung. Dadurch verringern sich die Überlebenschancen der gesamten Herde. Bewahrheiten sich die Prognosen der Forscher, dass der Serengeti immer längere Dürrezeiten bevorstehen, dürfte die Zukunft der Elefanten in Ostafrika gefährdet sein.

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