Ende der Herrlichkeit

Mit dem Imperium zerfällt die Kolonie

Sind die Garamanten von den Römern tatsächlich vernichtend geschlagen worden? Die Befunde sprechen dagegen. Über weitere Angriffe der Krieger aus der Wüste schweigen die Chronisten. Man hatte sich zum gegenseitigen Wohl arrangiert.

In Leptis Magna verlief der Handel wieder ungestört. 150 Jahre später spielte hier ein Junge, der einmal römischer Kaiser werden sollte: Septimius Severus, einer der Nachfolger Marc Aurels. Imperator ab dem Jahre 193 nach Christus: der erste römische Kaiser afrikanischer Herkunft. Die Spielfelder aus der Zeit des jungen Septimius sind heute noch zu sehen.

Besonders brutal

Dem Kaiser zu Ehren wurde am Eingang der Stadt ein gewaltiger Triumphbogen errichtet. Unter Septimius erlebte Leptis Magna eine Blütezeit. Seiner Heimatstadt spendierte er prunkvolle Bauten und reiche Ausstattungen. Der Tyrann war als besonders brutal bekannt. Selbst engste Mitstreiter ließ er ohne zu zögern töten, wenn sie ihm zu mächtig wurden. Ihre Statuen ließ er zerstören.




Wie war dieser gnadenlose Imperator mit den Garamanten umgegangen? Hatte Sie die Wüste nicht schon längst verschluckt? Heute weiß man, das Gegenteil war der Fall: Der Handel zwischen Rom und den Wüstenkönigen verstärkte sich. Diese wurden sogar als hohe Gäste in der ewigen Stadt hofiert und bestaunt. Die stolzen Wüstenkrieger.

Antikes Joint Venture



Gemeinsame Expeditionen führten tief in den afrikanischen Kontinent hinein. Der römische Autor Plinius der Ältere berichtet von wertvollen Schätzen im Reich der Garamanten: vom schwarzen "Berg des Ringes", aus dem die Garamanten Edelsteine schürften. Auch den Handel mit den roten Karfunkel-Steinen aus dem südlichen Äthiopien sollen sie kontrolliert haben. Das antike Joint Venture machte auch die Herren der Wüste noch reicher. Sklaven und wilde Tiere kamen für den Weiterexport aus dem Inneren Afrikas. Oliven wurden von der Mittelmeerküste zum Eigenverbrauch importiert. Und der absolute Luxus: Glaswaren aus Rom wurden über 2000 Kilometer weit in die Sahara gebracht.

Im dritten Jahrhundert nach Christus waren die Garamanten auf dem Gipfel ihrer Macht. Sie beherrschten den Handel. Sie genossen Luxusgüter aus den Metropolen der Welt. Überfluss für die Herren der Wüste. Unter Kaiser Septimius konnte es sich Leptis Magna leisten, den Wadi, an dessen Mündung der Hafen lag, zu begradigen und erweitern. Und im Hafen versammelten sich noch mehr Kriegs- und Handelsschiffe.

Zusammenbruch des Handels

Als das Imperium zerfiel, spürten das auch die Kolonien. Der Handel brach zusammen. Der Leuchtturm, Markenzeichen der Stadt und einer der Größten in Nordafrika verkam zur Ruine. Das neue Hafenbecken versandete - an den Kais legten keine Schiffe mehr an. Die Stufen wirkten wie nagelneu. Das Imperium hatte sich hier in Libyen überlebt.


Der Verfall des wichtigsten Handelspartners zerstörte die Lebensgrundlage der Garamanten. Doch es kam noch etwas hinzu: In ihrer Verschwendungssucht hatten sie eines vergessen: Demut der Natur gegenüber. In ihren Städten hatten sie zu viel Wasser verschwendet. Der Grundwasserspiegel war gefährlich gesunken, die Quellen trockneten aus. Die Siedlungen mussten aufgegeben werden, die Bewohner wurden wieder zu Nomaden.

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