Ende des "goldenen Jahrhunderts"

Ägypten versinkt im Chaos

Schon bald versinkt Ägypten im Chaos. Eine glanzvolle Ära neigt sich allmählich dem Ende zu. Als der Bürgerkrieg im Land am Nil seinen Höhepunkt erreicht, stirbt Ptolemäus IV.

In Alexandria will Arsinoe die Krone für sich sichern. Doch dazu kommt es nicht mehr, denn vorher stirbt sie auf mysteriöse Weise. Fiel sie einem Mordkomplott der engsten Gefährten des Pharao zum Opfer, die anschließend ihren Leichnam in aller Heimlichkeit vor den Toren der Stadt verbrannten? Endgültige Beweise gibt es dafür nicht, aber die Vermutung hält sich ebenso hartnäckig wie die Legende vom königlichen Schatz der Arsinoe. Eine enge Vertraute der Regentin soll ihn vor der aufgebrachten Menge in Sicherheit gebracht haben. Doch vom legendären Schatz der Ptolemäerin fehlt noch immer jede Spur.

Nur eine leere Urne

Ebenso wie von ihrer Asche. Als die Kunde von Arsiones angeblicher Ermordung die Runde macht, fordern ihre Anhänger die Öffnung der Urne. Gerüchte kursierten, die Regentin sei nicht standesgemäß bestattet worden. Und tatsächlich: Das Gefäß enthält nicht mehr als exotische Gewürze. Die sterblichen Überreste der verehrten Monarchin - vermutlich in alle Winde zerstreut. Die Quellen berichten: Der Attentäter flieht vor dem aufgebrachten Volk. Arsiones Jugendfreundinnen aber spüren ihn auf und schlagen ihn mit Knüppeln tot. In der prunkvollen Nekropole der Ptolemäer ruht nur die leere Urne der großen Herrscherin. Seite an Seite mit Arsiones Vorgängerinnen und dem makedonischen Welteroberer Alexander. Die beliebte Landesmutter musste sterben, weil sie an die Spitze der Macht wollte.

Immer wieder stoßen Archäologen in der Unterwelt von Alexandria auf ausgedehnte Grabanlagen. Angelegt von Bürgern aus der Oberschicht. Griechische und ägyptische Tradition - beide Einflüsse existieren im Land bis in die späte Römerzeit. Eindrucksvolle Zeugnisse für die unterschiedlichen Glaubensvorstellungen. Berenike II. mumifizierten die Priester nach dem uralten Ritus des Landes. Arsinoe II. und Arsinoe III. hingegen wurden nach griechischem Brauch verbrannt.

Selbstbewusste Frauen

Die Königinnen vom Nil führten ein Leben im Luxus - an der Seite des Pharao. Selbstbewusste Frauen mit ehrgeizigen Plänen, wie alte Texte überliefern. Geschwisterehe und blutiger Mord - jedes Mittel war ihnen Recht, um selbst im Zentrum der Macht zu stehen. Arsinoe II., Berenike und Arsinoe III. überschritten Grenzen, die Frauen im Altertum gesetzt waren. Mit ihrem Tod endet das "goldene" Jahrhundert der Ptolemäer. Unter der Herrschaft der Nachkommen versinkt Ägypten für nahezu 150 Jahre im Chaos.

Erst Kleopatra VII., die letzte Ptolemäerin, lässt den Stern der Dynastie noch einmal erstrahlen. Sie sorgt im Reich der Pharaonen für Frieden und Wohlstand. Schönheit, Machtwillen, Klugheit und Skrupellosigkeit - die legendäre Regentin vereint die Eigenschaften ihrer Vorgängerinnen. Eine Visionärin, die Gefühle und Verstand gleichermaßen einzusetzen wusste. Königin eines "Heiligen Geschlechts von Frauen" - wie der Dichter Poseidipp sie nannte. Ein Geschlecht, das mit dem Biss einer Schlange sein Ende findet.

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