Ende des "Goldenen Zeitalters"

Kolonien befreien sich nach 500 Jahren - mal friedlich, mal blutig

Während Spanien durch den Silberberg von Potosí zu Reichtum kommt, verhelfen die Goldminen der brasilianischen Provinz Minas Portugal zu Glanz und Wohlstand. Im Hinterland von Rio de Janeiro wird mehr Gold gewonnen, als Spanien in allen Kolonien je gefördert hat. Brasilien erlebt im "Goldenen" 18. Jahrhundert einen sagenhaften Boom. Die Bevölkerung wächst um das Elffache, riesige Vermögen entstehen. Doch der Traum von Gold kann auch zum Alptraum werden.

Kaiser Pedro I. von Brasilien Quelle: ZDF

Die ersten Lektionen der Weltwirtschaft sind bitter: Ist die im Land umlaufende Goldmenge zu groß, dann verliert das Metall einfach an Wert. Und weil die Investitionen in den Kolonien lohnender sind, vernachlässigen Spanier und Portugiesen die Industrie im eigenen Land. Die heimische Wirtschaft verfällt. In Spanien lässt Karls Thronerbe Philipp ein grandioses Bauwerk errichten, halb Palast, halb Kloster: El Escorial. Gemälde der Maler Velazquez und El Greco schmücken die Wände. Aber der Glanz des "Goldenen Zeitalters" trügt: Das Königshaus ist hoch verschuldet und überträgt die Kolonialgewinne im Voraus an ausländische Banken.

Bibliothek des El Escorial Quelle: ZDF

Schattenseiten der imperialen Wirtschaft

Burg Simancas Quelle: ZDF


In der Burg Simancas entsteht das erste Staatsarchiv Europas, das Simancas-Archiv. Im königlichen Aktenkabinett befindet sich das bürokratische Vermächtnis der spanischen Herrscher. Philipp II. ist der große Bürokratenkönig, der die Monarchie endgültig zum perfekt organisierten Hofstaat wandelt. Die Kolonien müssen regelmäßig einen Fragenkatalog über Land und Leute beantworten. Alle wichtigen Daten werden so von der spanischen Krone erfasst. Die Dokumente enthüllen die Schattenseite der imperialen Wirtschaft. Im 17. Jahrhundert wird Spanien nur noch fünf Prozent des Handels mit seinen Kolonien beherrschen - eine katastrophale Bilanz.

Statue Philipps II. Quelle: ZDF


König Philipp regiert das Imperium noch mit fester Hand. Dabei helfen dem Habsburger das europaweite Machtgeflecht seines Herrscherhauses - und ein starker christlicher Glaube. Doch das Imperium ist zu groß für die Erben von Karl und Philipp: Das Königshaus verliert immer schneller an Autorität und Einfluss. Auch in Portugal will die königliche Hofgesellschaft keine wirtschaftlichen und politischen Reformen - solange sie selbst in Saus und Braus leben kann. Doch das Unfassbare geschieht: Die Königsfamilie wird von Napoleon aus ihrer Hauptstadt Lissabon vertrieben und muss nach Brasilien fliehen. Französische Truppen überrennen Spanien und Portugal - fast ohne Gegenwehr. Mit der siegreichen Armee halten die Ideen der bürgerlichen Revolution Einzug: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Der Freiheitsgedanke katapultiert Europa in die Moderne.

Sieg über die Besatzungstruppen

Doch der Ruf nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wird auch jenseits des Atlantiks gehört. Simón Bolívar, ein Zeitgenosse und glühender Bewunderer Napoleons, greift die Idee auf. Er träumt von einem vereinten, unabhängigen Südamerika. Sein Aufstand ist der Anfang vom Ende des spanischen Kolonialreichs. Bolívar wird zum größten Held in der Geschichte Südamerikas. Sein Charisma führt die Völker zum Sieg über die Besatzungstruppen. Während des Unabhängigkeitskrieges schlägt er insgesamt 470 Schlachten - der Freiheitswille triumphiert über die Unterdrückung. 1824 bricht Spaniens Herrschaft in Südamerika zusammen.

In Brasilien dagegen fließt kein Tropfen Blut, hier gelingt die Befreiung ohne Gewalt. Der Sohn des portugiesischen Königs begreift den Geist - und die Gunst der Stunde. Er stellt sich an die Spitze der brasilianischen Nationalisten. Nach Lissabon schreibt er dem königlichen Vater: "Der Augenblick der Trennung ist gekommen!" Der frisch proklamierte Kaiser Pedro I. von Brasilien komponiert eigenhändig die neue Nationalhymne: Im Palasttheater feiert das Lied Premiere - auch unter dem Jubel der begeisterten Haussklaven. Doch als Pedros Sohn die Sklaverei abschaffen will, verliert der letzte Portugiese auf dem brasilianischen Thron seine Krone. Portugal bleibt allein die Erinnerung an eine längst vergangene Pracht.

Pedro I. mit Brasilianerinnen Quelle: ZDF

Erloschener Traum

Der Traum eines kleinen Landes am Rande Europas, ein mächtiges Weltreich beherrschen zu können, ist nach 500 Jahren endgültig ausgeträumt. Jeder Portugiese kennt die uralte Legende von König Sebastian, der in einer der Schlacht von Alcazarquivir spurlos verschwand. Noch heute geht die Sage, dass der große portugiesische Herrscher einst zurückkehrt und Portugal zu alter Größe führen werde. Doch Sagen erzählen von Sehnsüchten und Wünschen, die wohl niemals in Erfüllung gehen. Die einstige Größe Portugals ist und bleibt Geschichte.

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