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Ende einer Forscherkarriere

Nach Grabungsstopp wendet sich Bingham neuen Aufgaben zu

Die National Geographic Society veranstaltet im Januar 1913 ihr Jahresbankett. Hauptprogrammpunkt des Abends in Washington ist die Ehrung von Roald Amundsen, der im Dezember 1911 den Südpol bezwungen hatte. Auch Hiram Bingham weilt unter den Gästen. Doch er ahnt auch eineinhalb Jahre nach seiner Entdeckung nicht, dass Machu Picchu ihn berühmt machen wird.

Hiram Bingham als Pilot im Ersten Weltkrieg
Hiram Bingham als Pilot im Ersten Weltkrieg Quelle: ZDF

Vor kurzem hatte ihm Gilbert Grosvenor, Herausgeber des Magazins, ein vielversprechendes Angebot gemacht. Dem Inkaforscher wird nun die Anerkennung zuteil, nach der er sich so lange gesehnt hatte. Im April 1913 widmet das National Geographic Magazine ihm eine komplette Ausgabe über seine Peru-Reise und Machu Picchu.

Ausgeklappte Zeitschrift mit Foto von Machu Picchu
Ausgeklappte Zeitschrift mit Foto von Machu Picchu Quelle: ZDF

Ort ohne Bedeutung?

Doch die Interpretation fällt Bingham immer noch schwer. Machu Picchu war weder der Ursprungsort, noch der letzte Rückzugsort der Inka. Auch seine These, es handele sich um die Zufluchtsstätte der Sonnenjungfrauen, wurde widerlegt. Binghams Sohn Alfred schrieb dazu später: "Obwohl er auf den ersten Blick die Bedeutung von Machu Picchu unterschätzt hatte, hat ihr Reiz ihn schließlich ergriffen, und als ihr Ruhm wuchs, versuchte er verzweifelt, ihr eine historische Bedeutung zu geben."

Jedes Jahr werden eine Fülle neuer Erkenntnisse zusammengetragen. So kann die Siedlung auf dem "Alten Gipfel" detailliert rekonstruiert werden. Dennoch bleiben viele Fragen zu Machu Picchu ungeklärt. Den Archäologen fehlen handfeste Hinweise. Die Stadt in den Wolken wurde offenbar planvoll verlassen, nahezu besenrein. Zu welchem Zweck diente die aufwändige Anlage? Manche glauben - ein Landsitz der Herrscherfamilie. Andere Archäologen teilen die Auffassung des Machu Picchu Experten Valencia Zegarra.

Ende im Desaster

Beflügelt von der großen Popularität entschließt sich Bingham 1914 , trotz politischer Probleme in Peru, dafür aber mit größerer finanzieller Unterstützung, zu einer weiteren Expedition, die sich jedoch als Desaster erweisen wird. Noch immer steht Machu Picchu nicht im Vordergrund. Vielmehr hat die weitere Erforschung des Vilcabamba-Tales Priorität. Eine Sensation gelingt ihm: Er spürt den alten Inka-Pfad auf, der die Ruinen von Machu Picchu mit den anderen Orten der Region verbindet. Doch schon bald kommen ihm die peruanischen Behörden in die Quere und lehnen ein Grabungsgesuch der Amerikaner ab. Nach weiteren Querelen bricht Bingham entnervt die Expedition ab. Am 6. Juli 1915 sieht er Machu Picchu für mehr als 30 Jahre zum letzten Mal.

Bingham landet mit Zeppelin vor dem Weißen Haus
Bingham landet mit Zeppelin vor dem Weißen Haus Quelle: ZDF

Hiram Bingham wendet sich nach seinen Forschungsreisen bald neuen Aufgaben zu. Alles, was der Sohn eines Missionars anfasst, wird ein Erfolg. Er macht Karriere beim Militär, dient im Ersten Weltkrieg in Frankreich und bringt es bis zum Oberstleutnant der Air Force. Vor allem aber macht der Hawaianer eins, er produziert Schlagzeilen. Mit einem Zeppelin fliegt er über Washington. Eigentlich nichts Ungewöhnliches - Bingham aber landet direkt vor dem Weißen Haus. Als Republikaner wendet er sich der Politik zu: 1924 wird er zum Gouverneur des Staates Connecticut gewählt, geht dann als Senator nach Washington. 1932 wechselt Bingham in die Wirtschaft, wird Chef einer großen Bank und verdient ein Vermögen.

Erfüllter Traum

Hiram Bingham als Senator
Hiram Bingham als Senator Quelle: ZDF

1948 kehrt er ein letztes Mal nach Machu Picchu zurück. Die Straße zum Gipfel wird "Carretera Hiram Bingham" getauft. Bingham erliegt am 6. Juni 1956 einer Atemwegserkrankung im Alter von 80 Jahren in Washington. Beigesetzt wird er in Arlington, auf dem Heldenfriedhof der USA. Bingham lebte für den Traum, ein berühmter Entdecker zu werden. In den Bergen Perus fand er, wonach er suchte: Die Stadt, die knapp hundert Jahre später immer noch ein Rätsel geblieben ist: Das Rätsel von Machu Picchu.

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