Endstation Ägypten

Ramses III. besiegt die Seevölker in legendärer Schlacht

Lange rätselten Historiker, warum das bunt gemischte Volk nicht sesshaft wurde. Eine Antwort liefern Naturwissenschaftler: eine anhaltende Dürre treibt die Seevölker immer weiter nach Süden. Bis ins ägyptische Herrschaftsgebiet von Ramses III.

Wandmalerei der Ägypter Quelle: ZDF

Forscher gehen davon aus, dass die Auswirkung des Wetters vielleicht sogar die Heimat der Fremdlinge irgendwo weiter nördlich lebensfeindlich machte. Das könnte erklären, warum die Seevölker plötzlich aus der Ägäis weg wollten. Denn die Vagabunden des Altertums suchten nach einem geeigneten Siedlungsplatz. Und das auch mit Gewalt.

Vormarsch der Flüchtlinge

Ägyptische Spione, so die Quellen, erspähten den Zug der Entwurzelten, als er sich über Land und Meer dem Reich der Pharaonen näherte. Die Kunde vom Vormarsch der Flüchtlinge zwang den Machthaber zum Handeln. Er wollte sie an der Mündung des Nil abfangen. Als verlässliche Kornkammer rühmen Geschichtsschreiber von alters her die Uferregion des Stromes. Auf den riesigen Feldern gedeihen auch Obst und Gemüse. Ein Schlaraffenland, das Begehrlichkeiten weckt.

Fruchtbares Nilufer Quelle: ZDF

Die Lebensader Ägyptens sorgt mit ihrer jährlichen Überschwemmung für ausreichend Wasser. Im 12. Jahrhundert vor Christus jedenfalls blieben die Einheimischen von Dürre und Missernten verschont. Unter der Regentschaft von Ramses III. lebten die Untertanen in Frieden und Wohlstand. Die mächtigen Mauern von Medinet Habu, seinem Totentempel, zeugen noch heute von den herausragenden Leistungen des Herrschers.

Fremdländer im Hinterhalt

Im achten Jahr als Staatsoberhaupt stellte sich Ramses III. der drohenden Invasion durch die Seevölker. Der Pharao mobilisierte eine gewaltige Armee, um die Grenzen zu verteidigen. Den Ablauf der Kämpfe schildern die Wandreliefs in vielen Details. Ramses brachte seine Truppen im Nildelta in Stellung. Die Fremdländer gerieten in einen Hinterhalt, so dass selbst Frauen und Kinder im Tross in die Kampfhandlungen verwickelt wurden.

Die Mauern von Medinet Habu (2) Quelle: ZDF

Auch von See her griffen die Ägypter an - ein Überraschungscoup mit durchschlagendem Erfolg. Bald waren die Schiffe der Eindringlinge manövrierunfähig, viele Krieger tot oder verletzt. Die Überlebenden gerieten in Gefangenschaft. Die Schlacht im Jahr 1177 vor Christus war ein historisches Großereignis und die erste Niederlage der Seevölker. "Niemand hielt ihren Waffen stand. Doch hier wurden alle vernichtet und verschwanden, als ob es sie nie gegeben hätte", schrieb der strahlende Sieger Ramses.

Politische Floskeln


Der Triumph über den Feind waren womöglich nur politische Floskeln. Denn der Blick hinter die Fassade offenbart eine weniger geschönte Sicht auf die Ereignisse. Unter einem Sarkophag unweit von Medinet Habu tauchte 1855 ein aufschlussreiches Dokument auf. Im Papyrus Harris legte Ramses III. vor den Göttern Rechenschaft ab. Der Text berichtet auch über die Ereignisse im achten Regierungsjahr. Darin heißt es: "Jene, die vom Meer kamen, wurden nach Kanaan geführt. Ich versah sie jedes Jahr mit Kleidung und Proviant aus den Schatz- und Getreidespeichern."

Karte mit den fünf Stadtgründungen Quelle: ZDF

Mit anderen Worten: Ramses III. rottete die kampferprobten Seevölker nicht aus, sondern überließ ihnen ein Siedlungsgebiet in Kanaan, das in jener Zeit eine ägyptische Provinz war. Damit hielt er sie vom Nilland fern und gleichzeitig unter Kontrolle. Ein kluger Schachzug. Fünf große Städte gründeten die neuen Vasallen im Land der Bibel. Fortan sicherten sie die Nordgrenze des Pharaonenreiches. Als Gegenleistung lieferte Ramses den Verbündeten regelmäßig alles Notwendige zum Leben. Die Darstellungen in Medinet Habu erzählen demnach nur die Hälfte der Geschichte, die Jahre zuvor in der Ägäis begann.

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