Endstation Wladiwostok

Russlands Tor zum Pazifik

Hinter Irkutsk begann einer der menschenfeindlichsten Teile Sibiriens. Wer bis nach Wladiwostok wollte, der stieg auf ein Schiff, das den Amur hinunterfuhr. "Der schwarze Drache" - so nennen ihn die Chinesen. Lange war er Zankapfel zwischen Russland und China.

Chabarowsk am Amur ist eine junge Stadt, 1858 als Festung gegründet, als dieses Gebiet endlich an Russland fiel. Jerofej Chabarow, der Namensgeber, stand im 17.Jahrhundert als erster Russe am Amur. Die Stadt nahm seit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn eine stürmische Entwicklung. Und in sowjetischen Zeiten war sie als einzige Stadt des Fernen Ostens Ausländern zugänglich.

Eigenes Wirtschaftsleben



Trotz Transsib aber blieb der Amur die Lebensader der Region. Der einzige große Fluss Sibiriens, der nach Osten fließt. Als Transportweg kann der "Drachenfluss" immer noch mit der Eisenbahn konkurrieren. Und er trägt dazu bei, dass sich - fernab von Moskau - ein eigenes Wirtschaftsleben entwickelt hat.

Hinter Chabarowsk wendet sich der Amur nach Norden. Die Eisenbahn aber hat ihr Ziel im Süden, in der Hafenstadt Wladiwostok: Russlands Tor zum Pazifik. Amerika und Japan sind nicht weit und damals wie heute in russischen Augen eine ständige Bedrohung. Seit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn wuchs auch diese Stadt und ihr einst winziger Hafen in atemberaubendem Tempo. Das Wappen der Stadt trägt das Symbol des Fernen Ostens: den sibirischen Tiger.

Unglaubliche Erfolgsgeschichte



Doch zuvor hatte hier bereits eine unglaubliche Erfolgsgeschichte begonnen, der Aufstieg des deutschen Handelshauses Kunst & Albers, das Südsibirien mit Waren aus der ganzen Welt versorgte. Das erste deutsche Kaufhaus überhaupt, es stand ausgerechnet am Ende der Welt und dort steht es immer noch. Bereits 1884 eröffneten die beiden Hamburger ihr erstes Kaufhaus. Das Haus beherbergte nicht nur alle Verkaufsabteilungen, die Kontore, die Bank und Schifffahrtsabteilung und den Warenversand, im oberen Geschoss war sogar noch Platz für Wohnräume der Angestellten.

Beeindruckter Zar

Der Triumphbogen von Wladiwostok wurde für einen besonders wichtigen Besucher errichtet. Zarewitsch Nikolai, der künftige Zar Nikolai II., hatte 1891 im Anschluss an eine Weltreise, den Grundstein für den Bau der Transsibirischen Eisenbahn gelegt. Dieses Ereignis wurde entsprechend gewürdigt.


Von Wladiwostok aus reiste Nikolaus nach Sankt Petersburg zurück. Quer durch Sibirien - auf der alten Poststraße. Er war der erste und letzte des russischen Zarenhauses, der den "achten Kontinent" jemals betreten hat. Nikolai war beeindruckt von diesem vielfältigen und - wie er schrieb - wundervollen Erbe.

Erst 1904 war der Traum einer durchgehenden Eisenbahnstrecke Wirklichkeit geworden. Doch um welchen Preis? Der Bau der Transsib hatte Russland fast in den Ruin getrieben. Der Einsatz an Menschenleben war gigantisch. Und die unberechenbare Natur Sibiriens ließ sich nicht leicht überlisten. Abertausende schufteten mit Hacke und Schaufel an diesem Prestigeobjekt. Unzählige ließen dabei ihr Leben. Dem achten Kontinent wurden tiefe Wunden zugefügt. Immer neue Siedlungen entstanden entlang der Trasse.

Kontinent in Gefahr



In Wladiwostok träumte man den Traum von einer großen Zukunft, doch es kam alles ganz anders. Der Ferne Osten, ja ganz Sibirien, erlebte zwar durch den Eisenbahnbau einen gewissen Aufschwung - aber der musste teuer erkauft werden. Seit die ersten Kosaken die russischen Ströme hinunter fuhren, hinterließen die Eroberer ihre Spuren. Heute sorgen große Industrieanlagen zusätzlich dafür, dass der "achte Kotinent" in Gefahr ist.

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