Energie sparen, statt mehr zu produzieren

Das Haus der Zukunft kommt ohne Heizung aus

So vielfältig die Vorschläge zur Lösung der Energieprobleme auch sind - eines wird dabei oft übersehen: Unterm Strich bringt es mehr, Energie einfach einzusparen, als neue Energie zu produzieren. Vor allem beim Bau von neuen Gebäuden lässt sich so die Umwelt und das Portmonee schonen. Häuser könnten eines Tages sogar mehr Energie produzieren als sie verbrauchen.

Symbolbild Strompreise: Glühbirne und Geldmünzen Quelle: joker

"Wenn es richtig läuft - dann wird in 50 Jahren im Vergleich zu heute die Energieeffizienz 50 Prozent der Energie bereitstellen", meint Stefan Thomas vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Konkret bedeutet diese Prognose, dass die Hälfte des für 2057 kalkulierten Energiebedarfs schlicht und ergreifend nicht benötigt wird, weil sie durch einen sparsameren Umgang mit Rohstoffen und verbrauchsarme Techniken eingespart wird.

Bis es so weit ist, muss allerdings noch einiges passieren. Wie das statistische Bundesamt errechnet hat, verbrauchten die Deutschen von 1995 bis zum Jahr 2005 alleine fürs Wohnen mehr zusätzliche Energie, als sie durch bessere Dämmung und neue Geräte einsparten. Dabei gebe es gerade hier besonders große Sparmöglichkeiten, meint Stefan Thomas.

Der eigene Körper als Heizung

Das Haus der Zukunft wird deshalb so gebaut sein, dass wir - anders als heute - nicht einen Großteil der Energie buchstäblich verheizen. Die Technik dafür gibt es heute schon und wird bei Passivhäusern angewandt.

Das Argument, energiesparende Geräte oder Gebäude seien zu teuer will Stefan Thomas dabei nicht gelten lassen. Denn: Ein Passivhaus beispielsweise kostet den Bauherrn gerade mal fünf bis zehn Prozent mehr als ein herkömmliches. Und es rechnet sich umso mehr, je stärker die Preise für Öl und Gas steigen. Auch beim Strom lässt sich Geld sparen: Wenn auf die derzeit energiesparendsten Geräte umgerüstet wird, kann ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Stromverbrauch von 4500 Kilowattstunden seinen Stromverbrauch auf ein Fünftel senken. Das spart bei durchschnittlichen Kosten von 850 Euro pro Jahr satte 680 Euro.

    Passivhäuser benötigen nur rund ein Zehntel der Energie herkömmlicher Gebäude. Dank guter Wärmedämmung, Mehrfachverglasung, Solarenergie-Nutzung und Wärmerückgewinnung können Passivhäuser auf eine übliche Heizanlage sogar komplett verzichten. Die Sonneneinstrahlung, die Körperwärme der Bewohner und die Wärme, die Elektrogeräte abgeben, reichen aus, um das Haus zu erwärmen.

Intelligente Häuser sind wirtschaftlich

Natürlich hat das Haus der Zukunft auch einen mitdenkenden Kühlschrank, der automatisch Lebensmittel nachbestellen kann. Doch wichtiger ist für den Normalverbraucher, dass sein Kühlschrank bei der Temperaturregulierung mitdenkt - und dadurch wenig Strom verbraucht: "In Europa findet sich vor allem das Interesse an Anwendungen, die auf Ökologie und Ökonomie ausgerichtet sind", stellen Herbert Reichl und Jürgen Wolf von der Technischen Universität Berlin in ihrem Überblick über intelligente Umgebungen fest. In den USA hingegen stünden vor allem Komfort und Sicherheit intelligenter Häuser im Vordergrund.

Im Duisburger "inHaus", einem Modellhaus und Forschungsprojekt des Fraunhofer Instituts, ist die Technik von morgen schon heute Realität. So gibt es Raumluftfeuchtemesser, Regen- und Windsensoren und Temperaturfühler, die für eine energiesparende Belüftung sorgen. Im Badezimmer beispielsweise öffnen und schließen sich die Fenster je nach Belüftungsbedarf automatisch - entweder ganz oder nur einen Spalt breit.

Zukunftstechnik heute schon im Einsatz

"Wenn ich das Haus verlasse, sind die Geräte auch wirklich aus und nicht auf Stand-by", erzählt Sigrid van Kampen vom Fraunhofer Institut. "Komme ich zurück, dann drücke ich auf den Knopf 'Ich bin da' und habe alle Einstellungen wieder so wie vorher."

inHaus Duisburg


Da in modernen, gut gedämmten Bauten wie den Passivhäusern ein natürlicher Luftaustausch oft nicht möglich ist, wird im "inHaus" auch eine hochmoderne automatische Heizungs- und Lüftungsanlage erprobt - inklusive Solartechnik. Die Wärme, die durch Sonnenkollektoren gewonnen wird, reicht in den Sommermonaten zur kompletten Trinkwassererwärmung aus.

Was nach Zukunftsmusik klingt, sei heute bereits technisch machbar, versichert van Kempen: "Eine Fülle von Bauten sind schon so geplant und gebaut worden." In drei bis fünf Jahren, so van Kempen, könne eine Grundausstattung bereits zum Standard bei Neubauten gehören.

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