Entscheidender Hinweis

Zufallstreffen mit Frank Calvert führt zum Hügel Hisarlik

Nach dem Misserfolg auf dem Bali Dag hat Heinrich Schliemann keinen Anhaltspunkt für seine Suche mehr. Entmutigt will er nach Athen zurück, doch Schliemann verpasst sein Schiff. In der Küstenstadt Canakkale muss er auf die nächste Passage warten. Durch Zufall trifft er den englischen Diplomaten Frank Calvert - eine Begegnung, die sein Leben und die Geschichte der Archäologie verändern wird.

Ausgrabungen am Berg Hisarlik Quelle: ZDF

Nach der Zufallsbegegnung im Hafen von Canakkale hilft Frank Calvert Schliemann bei der Suche nach einer Unterkunft. Beim gemeinsamen Abendessen kommen die beiden Männer auf Troja zu sprechen. Der Brite ist Hobby-Archäologe und berichtet Schliemann von seinen Probegrabungen in den Jahren 1863 bis 1865.

Calvert und Schliemann Quelle: ZDF

"Burgbewehrter Hügel"

Calvert vermutet die Festung im Gegensatz zur herrschenden Meinung nicht am Bali Dag, sondern einige Kilometer weiter: Unter einem 15 Meter hohen Siedlungshügel, der Hisarlik, "burgbewehrter Hügel" heißt. Calvert ist so sehr von seiner Theorie überzeugt, dass er einen Teil des Geländes erworben hat. Die Funde der Probegrabungen weisen auf eine lange Besiedlung des Hügels hin. Heute liegen die von Frank Calvert geborgenen Artefakte im Archäologischen Museum von Canakkale.

Am 11. Oktober 1871 fängt Schliemann mit den Ausgrabungen auf dem Hügel Hisarlik an. In der Archäologie beginnt rund 100 Jahre nach ihrer Etablierung durch Johann Joachim Winckelmann eine neue Ära: Schliemann sucht Troja nicht mehr nur mit der Seele, sondern mit dem Spaten. Frank Calvert, der ihm den entscheidenden Hinweis gab, wird von Schliemanns Ego und Arbeitseifer in den Hintergrund gedrängt.

Schliemann mit Ehefrau Quelle: ZDF

Arrangierte Hochzeit

Für Schliemann geht es auf dem Hügel Hisarlik um seinen Platz in den Annalen der Entdecker. Und davon hat er eine deutliche Vision. Er lässt sich von seiner ersten Frau, einer Russin, scheiden - denn das sagenhafte Troja will er unbedingt an der Seite einer Griechin finden. Ein Freund vermittelt ihm die erst 17-jährige Sophia Engastroménou. Es ist eine arrangierte Hochzeit. Unmittelbar nach der Heirat mit dem 30 Jahre älteren Mann fällt Sophia in eine schwere Depression. Zeitweise ist sie so unglücklich, dass sie "lieber sterben" will.

Für Schliemann ist die griechische Frau an seiner Seite ein wichtiger Bestandteil seiner Inszenierung. Sie soll seinem Leben den notwendigen hellenischen Glanz verleihen. Widerwillig fügt sich Sophia in das ihr zugedachte Schicksal. Die Geschichte Trojas bekommt sie regelrecht eingetrichtert. Jeden Abend liest ihr Schliemann 280 Verse aus der Ilias vor. Das Paar bekommt zwei Kinder. Und Homer steht Pate: Die Tochter nennen sie nach Hektors Frau - Andromache. Der Sohn heißt wie der Anführer der Griechen: Agamemnon.

"Schliemann-Graben"

Um die Burg von Trojas König Priamos zu finden, lässt Schliemann einen Graben quer durch den Hisarlik treiben. Er ist davon überzeugt, dass die Festung ganz unten zu finden ist. Mauern, Trümmer und Bauwerke, die ihm unwichtig erscheinen, werden einfach abgeräumt. Schliemanns Arbeitswut hat deutliche Spuren hinterlassen. Mit 40 Metern Breite und 48 Metern Länge ist der sogenannte "Schliemann-Graben" bis heute ein Symbol für die Kraft, mit der der Mecklenburger die Verwirklichung seiner Vision vorantrieb.

Graben quer durch den Hisarlik Quelle: ZDF

Ein radikaler Schnitt mit überraschendem Erebnis: Ganz unten angekommen, wird dem Archäologie-Pionier klar, dass er es nicht nur mit einer, sondern gleich mit mehreren Städten zu tun hat. Der Hügel war über Jahrtausende besiedelt. Wie ein Zeitreisender hatte sich Schliemann durch die Geschichte gegraben. Die Siedlung auf dem Hügel Hisarlik wurde über die Jahrtausende mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Bis heute wurden insgesamt zehn verschiedene Schichten identifiziert.

Zum Greifen nah

Schliemann ist zunächst ratlos. In welcher Siedlungsebene lag das Troja Homers, das Troja des legendären Krieges? In der zweiten Schicht von unten entdeckt er Brandspuren und die Reste gewaltiger Mauern. Für ihn passt alles zusammen: Die Mauern umgaben den Palast des Priamos und die Brandspuren belegen den Untergang. Sein Traum scheint zum Greifen nah - doch was ihm fehlt, ist ein archäologischer Beweis.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet